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„Danke für all die Hilfe“ : Ein Weihnachtsfest in Frieden

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Syrische Flüchtlinge sind froh, dass sie in diesen besinnlichen Tagen in Reinfeld nicht alleine sind.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2015 | 06:00 Uhr

„Wir freuen uns, dass wir hier in Reinfeld so gut aufgenommen wurden und wünschen ein schönes Weihnachtsfest“, sagt Mohammad. Der 20-Jährige ist vor Monaten aus Syrien geflüchtet und hat gemeinsam mit neun jungen Männern aus Syrien, dem Irak und Palästina Unterkunft in einem großen Haus Am Zuschlag gefunden. „Wir sagen allen, die uns unterstützt haben, Danke für all die Hilfe“, ergänzt Alaa auf Englisch, mit 40 Jahren der Älteste in der Runde. Und das meint er auch ehrlich.

Die Reinfelder Tafel, die DRK-Kleiderkammer und die zahlreichen Ehrenamtlichen der Initiative „Reinfelder Bürger für Menschen im Asyl“ – all das trägt dazu bei, dass sich die jungen Männer in fremder Umgebung wohl fühlen. Gerade zur Weihnachtszeit, wenn alle anderen gemeinsam mit der Familie feiern, komme doch schon ein wenig Heimweh und Sehnsucht nach der zu Hause zurückgelassenen Familie auf, sagt Akram (26). Denn die meisten jungen Syrer haben sich allein auf die beschwerliche Flucht begeben, wollten ihre Familien nicht der Gefahr aussetzen, hoffen aber, Frau und Kinder, Mutter und Vater nachholen zu können. Das Haus, in dem sie meist zu Dritt ein Zimmer bewohnen, ist natürlich nicht weihnachtlich geschmückt, denn alle sind Muslime. „Das ist aber kein Problem für uns. Wir feiern auch ein wenig Weihnachten“, betont der 24-jährige Ahmad.

Gemeinsam wollen die jungen Männer nach Hamburg oder Lübeck fahren, um dort zu feiern. Party machen – so wie die meisten jungen Deutschen auch, wenn der Heilige Abend vorüber ist. Mit dem Deutschen hapert es noch ein wenig, die meisten besuchen den Sprachkursus im Gemeindehaus. Talal ((24) aus Palästina: „Es ist gut, dass wir uns alle untereinander auf Arabisch verständigen können.“ Da sei man nicht ganz so einsam. Schade, dass die jungen Männer keine Weihnachtseinladung bekommen haben – vielleicht im nächsten Jahr.

„Einige der schon länger hier lebenden Flüchtlinge haben Familienanschluss gefunden und feiern bei Reinfelder Familien“, erzählt Vera Heßler von der Asyl-Initiative. Ein wenig besser Deutsch spricht der 39-jährige Optiker Thaer, der aus seiner Heimatstadt Aleppo flüchten und seine Frau und zwei kleinen Söhne zurücklassen musste. Er lebt seit zehn Monaten in Deutschland, davon sieben Monate in Reinfeld, besucht einen Deutschkursus in Bad Oldesloe.

Gemeinsam mit zwei weiteren Syrern wohnt er in einem Teil des ehemaligen Awo-Bewegungskindergartens. Gerade zu Weihnachten sei das Heimweh doch groß, er habe Angst um seine Familie in Aleppo, hoffe, dass er sie über die Feiertage per Internet oder Handy erreichen könne. „Das Internet in Syrien funktioniert kaum noch, deshalb spreche ich nur sehr selten mit meiner Familie“, bedauert er. Aber er und seine beiden Mitbewohner versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Thaer ist Christ und kennt die Weihnachtsbräuche aus Syrien. Weihnachten erfreue sich in seiner Heimat auch bei Nicht-Christen großer Beliebtheit, wenn auch nicht als religiöses Fest. „Baba Noël“ heiße der Weihnachtsmann auf Arabisch. Einige Muslime in Syrien würden einen Tannenbaum aufstellen. Für sich allein würde er aber keinen Baum schmücken. Vielleicht 2016, wenn die Familie wieder vereint sei, hofft er. Kochen werde er wohl auch nicht über die Festtage. Das könne er gar nicht. „Bei uns gibt es dann Pizza“, lacht er und deutet auf seine Mitbewohner Yaser (18) und Mataz (24), die gerade erst vor vier Tagen angekommen sind und noch kein Deutsch sprechen.

Yaser ist Buchbinder, Mataz Konditor. Beide stammen aus Aleppo. Gemeinsam wollen sie über die Weihnachtstage zum Feiern nach Hamburg fahren und gemütlich mit Thaer zusammensitzen. Für die beiden Syrer Mohammad und Ahmad gibt es ein unerwartetes Geschenk: Sie haben vor wenigen Tagen eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. „I’d Miilad Said!“ – Frohe Weihnachten!

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