Kreis Stormarn : Ein Wagen für Frühchen

Der Babynotarztwagen ist mit  einem Transportinkubator ausgestattet.  Foto: St
Der Babynotarztwagen ist mit einem Transportinkubator ausgestattet. Foto: St

Der Spezialwagen für zu früh geborene Babys eilte 31 Mal aus Lübeck nach Stormarn herbei

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20. Mai 2011, 08:27 Uhr

Bad Oldesloe / Lübeck | Ein Rettungswagen in der Fußgängerzone - schnell machen die Passanten Platz. Es ist kein gewöhnlicher Notarztwagen, der sich den Weg bahnt, sondern ein ganz spezieller. "Babynotarztwagen" blinkt oben über der Frontscheibe auf. "Im Kreis Stormarn war der Babynotarztwagen im letzten Jahr 31 Mal unterwegs", berichtet Maik Klink von der Lübecker Berufsfeuerwehr. Dort ist der Spezialwagen für zu früh geborene Babys als Dauerleihgabe der Björn-Steiger-Stiftung (BSS) stationiert. Insgesamt rückte er im Umkreis von 70 Kilometern rund um die Hansestadt im letzen Jahr 109 Mal aus.

Täglich werden in Deutschland Frühchen geboren, die dringend einer Spezialbehandlung in einer neonatologischen Klinik bedürfen. Selbst Geburten, die anfänglich normal verlaufen, können sich plötzlich zum Notfall entwickeln. 30 000 Babys und Frühchen müssen jährlich in Spezialkliniken gebracht werden. Jedes 14. Baby in Deutschland kommt zu früh auf die Welt. Doch wie kommen die empfindlichen Frühchen sicher an?

Die BSS entwickelte dafür 1974 einen speziell an die Bedürfnisse der Frühchen angepassten Notarztwagen. 20 sind bundesweit im Einsatz. Der Lübecker Spezialrettungswagen ist mit einem Transportinkubator, einem aktiven Tragetisch sowie Spezialgeräten zur Überwachung und Versorgung ausgestattet. Die empfindlichen Frühchen mit ihrer am Kopf noch nicht verschlossenen Fontanelle werden quer in einem Inkubator im Fahrzeug transportiert. In einem konventionellen Rettungswagen ist dies nicht möglich. Erschütterungen werden durch eine spezielle Federung vermieden.

Besetzt ist der Babynot arztwagen mit einem Neonatologen, einem Rettungsassistenten und einer Intensivschwester. Zu früh geborene Babys ab 700 Gramm Körpergewicht können transportiert werden. "Die Sterblichkeit konnte so um 70 Prozent reduziert werden", so Melanie Storch von der BSS.

Zur Zeit wird an einer Weiterentwicklung gearbeitet, an der auch das weltweit agierende Lübecker Unternehmen Dräger beteiligt ist. Schleswig-Holsteins einziger Babynotarztwagen ist seit 1994 in Lübeck und Umgebung im Einsatz. Weitere Wagen für Flensburg und Itzehoe sind in Planung - Kostenpunkt 200 000 Euro. Um Babynotarztwagen flächendeckend einsetzen zu können, zu finanzieren und weiter zu entwickeln, finden auch im Kreis Stormarn Sammlungen statt.

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