Fahrtraining mit Profis : Ein Tag im Zeichen der Sicherheit

Die Grenzen der Physik ausloten: Ausweichen auf nasser Fahrbahn.
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Die Grenzen der Physik ausloten: Ausweichen auf nasser Fahrbahn.

Leseraktion, gemeinsam mit der Itzehoer Versicherung und dem Verkehrsinstitut Nord (VIN)

shz.de von
08. Juli 2015, 10:20 Uhr

Hand aufs Herz. Wissen Sie genau, wie lang der Bremsweg Ihres Autos bei unterschiedlichen Straßenverhältnissen ist? Beherrschen Sie Ihr Fahrzeug, auch wenn Sie in einer Kurve abrupt bremsen müssen? Klappt es bei Ihnen mit dem Rückwärts-Einparken? Wer wissen möchte, wo die eigenen Grenzen und die Grenzen seines Autos liegen, der kann sich in einem Sicherheitstraining intensiv mit diesen und vielen anderen Fragen auseinander setzen.

„Die Teilnehmer an unseren Kursangeboten sollen Gefahren und Risiken rechtzeitig erkennen und vermeiden lernen“, erklärt Diplom-Ingenieur Horst Doering, Geschäftsführender Gesellschafter des Verkehrsinstituts Nord (VIN), das im Gewerbepark Hungriger Wolf – einem ehemaligen Flugplatz der Bundeswehr – bei Itzehoe ein rund 30 Hektar großes Trainingszentrum betreibt.

Nach einigen theoretischen Einweisungen in die Fahrphysik und in eigentlich selbstverständliche Dinge wie Sitzposition oder Ladungssicherung geht es raus auf eine der vier Trainingsflächen. Rangieren auf engstem Raum steht auf dem Programm. Rückwärts in die Parklücke, wenden auf kleiner Fläche oder einen Parcours rückwärts durchfahren. Hier ist Feingefühl gefragt, ebenso wie räumliches Denken. Mehr oder weniger spielerisch lassen sich diese Aufgaben lösen.

Anspruchsvoller und schneller wird es bei der nächsten Station: Trainer Tobias Hellfeuer stellt eine nur auf den ersten Blick einfache Aufgabe: „Dieser Slalomparcours wird einfach durchfahren, jeder bitte in seiner Wohlfühlgeschwindigkeit.“

Spätestens jetzt merke ich, wie wichtig die richtige Sitzposition ist und auch das Thema Ladungssicherung, denn aus dem Kofferraum höre ich das leise Klirren von leeren Flaschen, die schon vor Wochen im Recyclingcontainer landen sollten.

Immer wieder korrigiert der Trainer die Teilnehmer, gibt Tipps, wie wir das Lenkrad richtig anfassen und wie der Slalom mit möglichst geringen Lastwechseln ruhig umfahren werden kann. Eigentlich ganz einfach für Fahrer, die das Kolonnenspringen im Hamburger Stadtverkehr gewöhnt sind, denke ich.

Erstmals an die Grenzen geht es, als Tobias Hellfeuer mir die Aufgabe stellt, einen Kreis mit einem Durchmesser von rund 40 Metern möglichst schnell zu umfahren, ganz eng an den Hütchen natürlich. Obwohl er mich immer wieder anfeuert, schneller zu fahren, ist mir das alles nicht geheuer. Was kann mein Auto und was kann ich? Hellfeuer macht es vor und fährt mit quietschenden Reifen um das Rondell. Eine abrupte Bremsung macht dem Quietschen ein Ende und lässt den Wagen zur Überraschung der Gruppe in der Spur. „ABS, ESP und Bremsassistent leisten hier beste Arbeit“, erklärt er. Es wäre kein Problem, mit modernen Fahrzeugen auch in engen Kurven zu bremsen, das Fahrzeug bleibe in der Spur.

Ähnliche Erfahrungen dann bei den Bremsübungen auf gerader Strecke. Zunächst ist es kein Problem, den Wagen auf trockener Fahrbahn aus einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde zum Stehen zu bringen. Ganz anders dann auf der mit viel Wasser und einem Spezialuntergrund präparierten Teststrecke. Selbst bei 50 km/h habe ich das Gefühl, als wolle der Wagen überhaupt nicht stehen bleiben. Drastisch wird mir vor Augen geführt, dass hier nur eines hilft: Ein ausreichender Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Auch hier wieder eine weitere Erfahrung, die ich im Verkehr nicht jeden Tag mache: In Grenzbereichen hilft die Technik, denn mit ABS bleibt der Wagen auch bei einer Gefahrbremsung lenkbar. Ein Tipp vom Trainer zur Vermeidung eines Unfalls: „Schaut nie auf das Hindernis, schaut auf die Ausweichstrecke!“

Dann die Königsdisziplin: Ausweichen auf glatter Fahrbahn. Hier geraten schon einige Fahrzeuge und Fahrer bei Geschwindigkeiten von 30 Stundenkilometern an ihre Grenzen, bei 70 km/h ging gar nichts mehr. Schwere Fahrzeuge hätten bei dieser Übung immer Probleme, doch der Fahrer könne auch hier ausgleichen. „Es ist wie überall im Leben“, lächelt der Trainer: „Übung macht den Meister!“

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