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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 17:48 Uhr

Bad Oldesloe : Ein rasanter Abschied

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jonas Ueberschaer ist „Deutscher Meister“ in der Super-Stock-Profi-Klasse der Modellauto-Fahrer, auch sein Bruder Silas war erfolgreich.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 06:30 Uhr

Anstatt in den Sommerferien ans Meer zu fahren und sich zu entspannen, fährt Familie Ueberschaer jedes Jahr nach Sonneberg in Thüringen und verbringt dort ihren ganz persönlichen Familienurlaub. Denn hier findet der Tamiya Fighter Cup statt, zu dem sich fast 200 Kinder und Jugendliche treffen, um sich mit ihren ferngelenkten Modellautos zu messen.

Dieses Jahr war es noch einmal etwas ganz Besonderes für Jonas (16) und seine Familie. Letztes Jahr noch auf Platz zwei hatte sich Jonas geschworen, dass er sich im nächsten Jahr um einen Platz verbessern und damit den Titel des Deutschen Meisters holen würde, bevor er aus altersbedingten Gründen – der Fighter Cup geht nur bis 16 Jahre – nicht mehr teilnehmen dürfte. Und das ist ihm gelungen.

Bis zu diesem großen Erfolg war es ein weiter Weg, den die Familie zurückgelegt hat. Alles fing vor zehn Jahren an, als Rüdiger Ueberschaer seinen Söhnen auf einem Flohmarkt das erste Modellauto kaufte. „Wir sind mit dem Ding nach Kiel zu einem Ersatzteilhändler gefahren, denn so richtig lief der Wagen nicht“, so der Vater. „Der Händler erzählte uns dann, dass es richtige Modellauto-Wettbewerbe gäbe und dass bei ihm einer der Qualifikations-Vorläufe stattfinde.“ Denn so ohne weiteres kann man nicht am Fighter Cup teilnehmen, man muss sich qualifizieren. „Der Händler hat zwei, drei Tickets für den Fighter Cup, welche er an die Sieger der Vorläufe verteilen darf. Auf so eine Vorrunde kommen manchmal bis zu 80 Kinder“, sagt der Vater.

Vor acht Jahren entschieden sich Jonas und Silas (14) dann dazu, an einem dieser Qualifikationsrennen teilzunehmen. „Zuerst sind wir nach Hannover gefahren, da kannte uns niemand und wir haben einfach unser Glück versucht“, und Glück spielte hier allemal eine Rolle. „Jonas wurde Dritter, der Veranstalter hatte aber nur zwei Tickets zu verteilen. Doch der Zweitplatzierte sprang ab. So konnte Jonas sich qualifizieren.“ Einige Zeit später schaffte es auch Silas.

Das erste Mal ging es nun nach Thüringen, um sich mit anderen Kindern zu messen, damals noch weit entfernt vom Siegertreppchen. Über die Jahre wurden die Brüder immer besser und machten sich immer mehr einen Namen. „Obwohl wir gar nicht wirklich üben, wir fahren erst ein paar Tage vorher zu den Strecken und probieren sie aus.“

Der Sieg des Fighter Cups setzt sich aus der On-Road- und Off-Road-Strecke zusammen, welche beide befahren werden. Große Ähnlichkeit haben die Strecken, mit den vielen Kurven und Manövern, mit denen der Formel 1. Gefahren wird vier Minuten, gemessen werden die Runden. Wer dort das beste Ergebnis hat, gewinnt. Angetreten wird in der Super-Stock-Klasse, hier fahren die Profis, in der Rookie-Klasse die Anfänger. Während sich Jonas dieses Jahr in der Meisterklasse gegen 60 Teilnehmer durchsetzen konnte, wurde sein Bruder Silas siebter. „Aber ich habe noch zwei Jahre, das wird noch was!“ Und darauf freut sich die Familie schon, denn inzwischen ist der Tamiya Fighter Cup schon ein Familientreffen für sie geworden. „Die ganze Veranstaltung läuft sehr harmonisch ab. Hier gibt es niemanden, der den anderen etwas Schlechtes wünscht. Hier wird jeder aufgenommen, egal ob Meister- oder Anfängerklasse“, so Rüdiger Ueberschaer. „Auch wir wurden damals herzlich empfangen. Man gab uns Tricks und Tipps zum Auto und half uns sehr viel“, denn die Eltern der jungen Fahrer übernehmen meistens den Job des Schraubers.

„Die Autos stehen auf der Rennstrecke und jeder bekommt für das Auto einen Motor und einen Akku. So hat jeder wirklich die gleiche Ausstattung und es geht nur um den besten Fahrer.“ Dieses Jahr bekamen die Jungs auch noch Unterstützung vom Deutschen Meister und dem Euro-Cup Meister 2012, welche Jonas und Silas coachten. Ein ganz besonderes Erlebnis für die Beiden, schließlich waren sie früher Gegner.

Ebenso besonders war es für die Brüder, in ihrem Team „Lütgenau Revival“ mit vielen anderen Kindern zu starten. „Damals wurden wir von Hans Budde, einem Modellauto-Spezialisten in einem Spielwarengeschäft in Dortmund, ins Team Lütgenau aufgenommen, das half uns sehr. Dieses Jahr ließen wir das Team wieder aufleben und holten den Meistertitel“, so Jonas stolz.

„Das Schönste ist, dass es wirklich um den Spaß geht. Die Kinder spielen zusammen oder müssen in den Pausen zwischen den Rennen die Helfer spielen, falls ein Auto auf der Strecke umfällt. Selbst hier wurde nie manipuliert. Es herrscht trotz Wettbewerbs Teamgeist.“

In Sonneberg werden die Familien verpflegt, bekommen Campingplätze für den Aufenthalt und viel Programm zwischen den Rennen. Und selbst wenn man nicht gewinnt, geht man nicht leer aus. Jeder Teilnehmer wird bedacht. Für einen Sieg bei kleineren Wettbewerben gibt es ein Geschenk. Dieses Jahr war es ein Karosserie-Wettbewerb, wo Kinder ihre selbstgebastelten Modelle vorstellen und ihre drei Favoriten auswählen durften. Jonas belegte hier den 1. Platz (Minecraft) und Silas den 11. (Minions).

Für das nächste Jahr äußerte die Familie einen ganz besonderen Wunsch: Zum 20-jährigen Bestehen des Fighter Cups wünschen wir uns einen „All Time Championship“ , wo die Besten der letzten 19 Jahre gegeneinander antreten. Dann dürfte Jonas noch einmal fahren.“

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