Ein Quartett wird langsam flügge

Die vier Jungstörche warten ungeduldig auf Futter. Bald können sie ihr Nest verlassen.
Die vier Jungstörche warten ungeduldig auf Futter. Bald können sie ihr Nest verlassen.

Im gesamten Kreis Stormarn gibt es nur ein Storchenpaar, das gleich vier Jungtiere aufzieht und für den weiten Flug vorbereitet

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16. Juli 2014, 00:33 Uhr

„So viel Nachwuchs wie in diesem Jahr hat es wohl nur selten im Pastoratsgarten gegeben“, freut sich Pastor Erhard Graf über die vier Jungstörche, die in diesem Jahr besonders prächtig gedeihen. „Sie sind in den letzten Wochen wirklich rasant gewachsen“, so Graf. In den letzten beiden Jahren, erinnert er sich, wurde das vierte geschlüpfte Storchenbaby von den Eltern aus dem Nest geworfen. „Es war wohl zu schwach zum Überleben“, meint Graf.

Die Jungstörche haben noch keinen roten Schnabel und keine roten Füße – ein Zeichen dafür, das sie noch nicht ganz ausgereift und flügge sind. Immer wieder putzen und spreizen sie ihr Gefieder: Vorbereitungen auf den ersten Flug über den Pastoratsgarten, der – so schätzt es der Pastor – wohl in rund zwei Wochen stattfinden wird. Von Zeit zu Zeit machen die Jungstörche kleine „Hopser“ auf dem Nest, um ihre Muskulatur zu trainieren. Und großen Hunger hat das Quartett allemal.

Geduldig wartet es auf die Storcheneltern, die den ganzen Tag unterwegs sind, um ihrem Nachwuchs Mäuse und anderes Kleingetier von den Trave-Auen mitzubringen. Das Füttern dauert nur eine Minute. Der Storch fliegt in rasantem Tempo auf das Nest zu, füttert die Jungen und pausiert danach einige Minuten auf dem Pastoratsdach, wo er bereits deutliche Spuren hinterlassen hat.

Die Trave, aber auch das grüne Umfeld bieten dem Storch ideale Futterbedingungen. Deshalb brütet er in Klein Wesenberg auch schon seit Jahrhunderten. Fotos aus den 50er Jahren belegen, dass sich damals mindestens zehn Störche auf dem Dach der damals im Pastoratsgarten stehenden Scheune trafen. Die Scheune wurde im 18. Jahrhundert gebaut. „Mindestens so lange brüten die Störche hier“, ist Graf sich sicher. Wenn das Quartett in zwei Wochen endlich fliegen kann, wird den ganzen Tag gefressen. Die vier Adebars werden dann so zutraulich, dass sie beim Rasenmähen die Würmer aus dem Boden picken. Ende August machen sich die Jungstörche bereits gen Süden auf – nach Afrika oder Südspanien.

Graf: „Für die rund 10 000 Kilometer brauchen sie reichlich Fettreserven.“ Das Erstaunliche: Die jungen Störche fliegen ohne ihre Eltern los, die folgen meist 14 Tage später nach. Allein im Kirchspiel sind fünf Nester besetzt: Neben Klein Wesenberg in Reecke, Barnitz, Klein Schenkenberg und Westerau.

Schade nur, dass das Nest im Pastoratsgarten für die Storchen-Betreuer des Nabu so schlecht zu säubern ist. Deshalb soll, so Graf, in der Nähe ein neues errichtet werden. Das verzögere sich aber noch durch die fehlende Baugenehmigung. „Das alte Nest bleibt trotzdem stehen, bis es zusammenbricht“, sagt der Pastor und hofft, dass dann bald noch ein Storchenpaar am Kirchberg heimisch wird. Vier Jungstörche – das sei in diesem Jahr ein Stormarner Rekord.

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