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Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus : Ein Ort für Menschen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Festakt zum 50-jährigen Bestehendes Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses (HSK) in Bargfeld-Stegen. Sonnabend Tag der offenen Tür.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Ein halbes Jahrhundert Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus (HSK) wird an diesem Wochenende gefeiert: Am Freitag mit einem Festakt und auch morgen ab 11 Uhr mit einem Tag der offenen Tür. In den 50 Jahren hat sich die psychiatrische Versorgung grundlegend verändert. „Früher war die psychiatrische Klinik auf dem Lande ein Schreckgespenst, in der Leute weggesperrt wurden“, so der ärztliche Direktor, Prof. Matthias R. Lemke. Heute werde sie eher als Schutzraum betrachtet.

Große Fortschritte habe es in der Medikation und den Therapien gegeben. Die Medikamente seien wirksamer und besser dosiert. In die Therapien hätten Elemente der fernöstlichen Medizin und religiös-spirituelle Aspekte Einzug gehalten. Auch der Umgang miteinander habe sich wesentlich verändert. „Er ist weniger paternalistisch, heute wird viel diskutiert.“

Auch die Verweildauer der Patienten im HSK sei drastisch gesunken von durchschnittlich 150 auf 25 Tage. Dazu hätten wesentlich die Tageskliniken beigetragen. In Reinbek und Ahrensburg arbeiten sie bereits, in Bargteheide wird eine im kommenden Frühjahr eröffnet und in Bad Oldesloe ist eine weitere geplant.

Von einer sanften Psychiatrie, die von guter Fachlichkeit und Mitgefühl geprägt sei, sprach Staatssekretärin Anette Langner vom Sozialministerium in Kiel. Sie übergab einen Förderbescheid über eine Million Euro. Mit vier Millionen fördert Hamburg den Bau von zwei neuen Stationen für bis zu 50 Pati-enten. Dafür wurde das alte Haus „Husum“ abgerissen.
Statt der früheren „Sechserboxen“, die bis Ende der Siebzigerjahre üblich waren, gibt es dort Ein- und Zweibettzimmer mit Hotelcharakter. Der Neubau wird im Oktober in Betrieb gehen. Behandlungsschwerpunkte dort werden der Entzug von Alkohol- und Tablettensucht, die Krisenintervention und akute Psychosen sein.

Die Besonderheit des HSK ist, dass es den Versorgungsauftrag von zwei Ländern hat. Patienten aus Stormarn werden hier ebenso betreut wie Menschen aus Hamburg. „Behandlungsziel ist, dass sie so selbstständig wie möglich leben können“, so Staatsrätin Elke Badde. 1100 Hamburger seien hier im vergangenen Jahr stationär behandelt worden.

„Das Menschenbild in der Psychiatrie hat sich völlig geändert“, so Ulrich Scheibel, Vorstand der HSK-Trägerin, der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Statt Bevormundung stehe heute das Recht auf umfassende Teilhabe an der Gesellschaft und ein möglichst selbstbestimmtes Leben im Mittelpunkt.

„Stiftungsgründer Heinrich Sengelmann war ein kluges Schlitzohr, er heiratete eine reiche Frau“, sagte Prof. Hanns-Stephan Haas. Im Gegensatz zum Zeitgeist im 19. Jahrhundert sei Sengelmann für eine gute Bildung von Menschen mit Behinderung eingetreten. Er habe oft angeeckt, auch weil er sich gegen den Ungeist und die falschen Werte seiner Zeit einsetzte. „Der Makel des Versagens haftet auch heute noch mancher Krankheit“, so Haas. Ziel des HSK sei, dass die Patienten das Haus gestärkt und ermutigt verlassen. Es sei heute ein attraktiver Lebens- und Arbeitsort. Heute stehen 220 Betten zur Verfügung, 270 Mitarbeiter werden beschäftigt.

Dieser Ort steht morgen zur Besichtigung offen. Es gibt ein Gospelkozert mit der Gruppe „E-Motion“, Infotalks über psychische Erkrankungen und Konzerte des Jugendorchesters Bargfeld-Stegen. Den ganzen Tag werden Führungen über das Gelände mit dem „Garten der Sinne“ und durch die Thera-pieräume angeboten. Außerdem können die Skulpturen besichtigt werden, die während des Holz-Bildhauer-Symposiums in dieser Woche entstanden sind.






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