zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 12:21 Uhr

Bad Oldesloe : Ein Musikfreak geht in DJ-Rente

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Keine Feier ohne Meyer“ lautete über 41 Jahre das Veranstaltungsmotto im Norden. Am Sonnabend ist für Peter Meyer Feierabend. Er schiebt die Regler seiner Anlage auf Ruhestand.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2015 | 15:26 Uhr

Rund hundert Leute stehen Schlange vor den Türen des Schützenlokals in Reinfeld, drinnen steigt bereits eine große Party. Peter Meyer ist einer der beiden DJs an diesem Abend und eine halbe Stunde zu spät. Mit seinen Schallplatten in einer Kiste bahnt er sich den Weg zu der Musikanlage, die vom Pastor der Kirchengemeinde ausgeliehen wurde. Wir schreiben das Jahr 1974, und es ist der Moment an dem Peter Meyer zu seinem ersten öffentlichen Auftritt als Diskjockey kommt. Es ist der erste von über 9000, die folgen sollten.

Jetzt – 41 Jahre später – sitzt Meyer an einem Schreibtisch in seiner Wohnung, an dem er seit 1980 seine Auftritte geplant hat, und blättert in Aktenordnern. Es ist das letzte Mal, dass diese Vorbereitungsarbeit anfällt. Am morgigen Sonnabend wird der letzte Vorhang für den bekanntesten Diskjockey der Region fallen – im Treuholzer Lindenhof.

Etwas Wehmut klingt mit, wenn er davon spricht, aber auch sehr viel Überzeugung: „Es ist der Moment gekommen, um aufzuhören. Jetzt, wo ich das noch voll selbst entscheiden kann und noch erfolgreich unterwegs bin. Die Zeiten haben sich geändert“, sagt er.

Zurück zum Beginn der bemerkenswerten Karriere: Nach dem ersten Auftritt bei der „Beatnacht“ 1974 in Reinfeld folgten schnell weitere Engagements. Der Pastor mochte ihm und seinem Kollegen damals die Anlage nicht mehr leihen. Die Kirchengemeinde veranstaltete schließlich selbst Discoabende und wollte wohl keine Konkurrenz, vermutet Meyer. Also lieh sich der Nachwuchsentertainer 3000 Mark und setzte alles auf eine Karte. „Irgendwas hatte mich schon immer zur Musik hingezogen. Ich war und bin ein totaler Musikfreak. Aber mit eigenen Liedern hatte es nicht geklappt“, sagt der 61-jährige Oldesloer.

Es folgte Engagement auf Engagement. „Viele Jahre lang beendete ich das Jahr trotzdem mit 40  000 Mark minus auf dem Konto, weil ich in immer mehr Technik investierte, und es war ja auch wichtig, ständig die neueste Musik zu kaufen und zu kennen“, sagt er. „Irgendwann in den 80er Jahren kippte es dann ins Plus“, erinnert er sich.

Meyer war der erste DJ in Deutschland, der voll auf das mobile Konzept setzte und damit Alleinunterhalter und Coverbands verdrängte, die bis dahin Feiern bespielten. „Am Anfang gab es Kritik und Skepsis. Aber am Ende fast jeder Party wurde ich auf Händen aus dem Saal getragen. Vor allem die 80er waren eine tolle und erfolgreiche Zeit“, schaut er zurück.

Die Aufträge wurden immer größer. Auf Bällen in Hamburg traf er auf Größen wie Harald Juhnke, London Beat, Peter Kraus und viele mehr. Mit Moderator Carlo von Tiedemann arbeitete er regelmäßig zusammen. „Es gab die Situation, dass ich drei Tage lang nicht zum Schlafen gekommen bin, weil wir direkt immer weiter mussten. Es ist ein toller Job, aber du zahlst einen hohen Preis. Du hast eigentlich kein Privatleben. Entweder man lebt das – oder man sollte es lassen“, ist Meyer überzeugt.

Bereut hat er seine Berufswahl nie. Nachdem seine Disco-Show gut lief, war er der erste in seinem Business, der eine DJ-Agentur aus der Taufe hob. „Bis zu 15 mobile Discotheken habe ich von meinem Schreibtisch aus verwaltet“, sagt er. In den 90er Jahren verkaufte er ein Großteil seines Equipments, gab die großen Veranstaltungs-Lkw weg und begann wieder, sich mehr auf kleinere Veranstaltungen zu konzentrieren. „Es war ja das, was ich eigentlich machen wollte. Meine Grundidee war, auf Familienfeiern und Kinderfesten aufzutreten. Es war nie der Plan, dass alles so riesig wird“, erzählt Meyer.

„Bereut habe ich nie etwas und hatte auch das Glück und das Durchhaltevermögen, dass es nie wirkliche Misserfolge gab. Natürlich ist jede Veranstaltung und jede Gesellschaft anders, aber einen einschneidenden Flop oder Einbruch gab es echt nicht“, sagt er nicht ohne Stolz.

Geändert hat sich allerdings die Veranstaltungs- und Kulturlandschaft. „Die ganzen Dorfgasthöfe, die kleinen Veranstaltungssäle und all das gibt es ja leider kaum noch. Einer nach dem anderen wurde geschlossen. Ich bin froh, dass ich die Zeit noch miterlebte.“ Frei hatte er jedes Jahr immer nur ein paar Tage im November. Sonst hieß es: „Aufstehen, arbeiten, schlafen gehen und von vorne“, berichtet er über die vergangenen vier Jahrzehnte. Jetzt gilt es, diesen Kreislauf zu durchbrechen. „Zunächst werde ich direkt nach Sonnabend meine Firma abwickeln, den Jahresabschluss machen, Versicherungen kündigen und alles was noch an Papierkram anfällt. Dann muss ich mein Leben neu organisieren. Das lasse ich auf mich zukommen“, sagt Meyer.

Ein Comeback im öffentlichen Rahmen werde es auf keinen Fall geben: „Ich habe meine Sachen bereits verkauft. Der Rest wird am Sonntag abgeholt. Es gibt keine Chance auf eine Umkehr. Ich höre definitiv auf.“ Für den Sonnabend hofft er „nochmal richtig Mukke machen zu können ohne viel Brimborium. Denn schließlich habe ich damit nur für die Mukke angefangen. So soll es auch enden.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen