Ein Jahr voller Möglichkeiten für die neue Stipendiatin in Trittau

Fasziniert von  Flüchtigkeit und fließenden Zuständen: Naho Kawabe vor dem Foto einer ihrer Installationen  Foto: Niemeier
Fasziniert von Flüchtigkeit und fließenden Zuständen: Naho Kawabe vor dem Foto einer ihrer Installationen Foto: Niemeier

Naho Kawabe, die 21. Stipendiatin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, hat ihr Künstleratelier bezogen

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19. Juli 2012, 07:16 Uhr

Trittau | Noch schaut die junge Frau sich im Atelierhaus in Trittau etwas unsicher um. Sie wirkt schüchtern und man merkt, dass die 35-jährige Japanerin noch nicht ganz in ihren neuen Räumlichkeiten angekommen ist. Naho Kawabe ist die 21. Stipendiatin die dank der Sparkassen-Kulturstiftung für ein Jahr lang in der Trittauer Wassermühle leben und wirken darf.

Rund 50 Bewerbungen hatte es auf diese attraktive Stelle gegeben, berichtet Dr. Johannes Spallek, kultureller Geschäftsführer der Kulturstiftung und Vorsitzender der Jury, die die Stipendiaten auswählt. Das Jahr in Trittau ist sehr attraktiv. Zwölf Monate lang darf Kawabe nun wie ihre Vorgänger in der Wassermühle mietfrei wohnen. Dazu gibt es einen "namhaften Zuschuss zum Lebenserhalt", so Spallek: "Es ist uns wichtig der Künstlerin sehr, sehr gute Voraussetzungen zu bieten, so dass sie sich voll auf ihre Kunstwerke konzentrieren kann".

Was sie in Trittau ganz genau machen möchte, weiß Kawabe noch nicht im Detail. "Ich hatte noch nie so viel Platz und so gute Möglichkeiten. Ich kann mir vorstellen, mit verschiedenen Videoinstallationen zu arbeiten, weil ich nun den Raum dafür habe", sagt sie.

Ihr Spezialgebiet sind Videoinstallationen, die aber mit räumlichen Installationen vermischt werden. Videokunst habe sie schon immer interessiert, berichtet Kawabe, die vor zehn Jahren nach Deutschland kam. Nach ihrem Bachelor in Tokio im Jahr 2001 studierte sie in Hamburg fünf Jahre Freie Kunst und schloss mit einem Diplom ab.

Ein anerkannter Abschluss ist auch Voraussetzung für das Stipendium in Trittau. "Wir achten darauf, dass die Bewerber vom Fach sind und professionell arbeiten. Sie sollten in diesem Bereich eine Ausbildung abgeschlossen haben", so Spallek.

Dass Kawabe damals nach Hamburg kam, sei "mehr oder weniger ein Zufall" gewesen, berichtet die Künstlerin selbst. "Ich wollte nach der Ausbildung zur Kuratorin nochmal im Ausland studieren. Es hätte aber auch in Paris, Wien oder London sein können. Es wurde Hamburg, weil ich dort ein Stipendium erhielt", erzählt sie. Das habe aber gepasst, denn mit ihrem Faible für Videokunst sei sie in Deutschland sehr gut aufgehoben. "In diesem Bereich gibt es hier eine etablierte Szene und deutsche Videokünstler sind international sehr bekannt", so Kawabe.

Es folgten Stipendien in Hamburg, auf Schloss Plüschow und in Salzwedel. Außerdem gewann die Künstlerin den "Boesner Award" und das "Shiseido Art Egg" in Tokio. Kawabe zeigte ihre Kunst bereits auf diversen internationalen Messen und Ausstellungen. Einzel-Ausstellungen fanden unter anderem in Osaka, Tokio, Hamburg und Salzwedel statt. Auch in China, Korea, Singapur und Norwegen waren ihre Werke bereits zu sehen.

Neben den Videoinstallationen hat die Mitdreißigerin Holzkohleasche als Material für ihre Kunstwerke entdeckt. "Mir war es sehr wichtig, für meine Arbeit mit Videos ein Gegengewicht zu finden. Video arbeitet immer mit Licht. Im Gegensatz dazu ist Kohle lichtlos, stumpf, stockdunkel, und sie saugt Licht ohne eine Reflektion. Aber Kohle ist aus Licht entstanden und kann wieder zu Licht werden. Die Dialektik dieser beiden Materialien Video und Kohle finde ich spannend", sagt Kawabe. Die Kunstwerke, die aus Kohlestaub erstellt, sind zum Großteil flüchtig, weil sie sich bei Berührungen langsam auflösen. Sie selbst möchte dabei lieber von "fließend" sprechen. Denn das Thema "Fließen" inspiriere sie auch bei ihren Videos. "Aber trotz der Flüchtigkeit sollen sich die Werke nie entmaterialisieren", sagt sie. Daher würden Fotos gemacht oder Acryllack genutzt, um die Kohle zu fixieren.

Landrat Klaus Plöger wünschte der Künstlerin beim Empfang in ihrer neuen Wirkungsstätte viel Glück und eine schöne Zeit. Er selbst - "da bin ich ganz ehrlich" - könne mit Videokunst und flüchtigen Aschegemälden wenig anfangen. "Aber ich denke, dass sie es schaffen werden, mich in diesem Jahr davon zu überzeugen, dass das wirklich geil ist, was sie da machen", sagte er. Er freue sich bereits, sich für diese Kunstform faszinieren zu lassen. "Die Fotos der Installationen kann ich mir auch gut an meiner Wand vorstellen. Ich habe gerne ein Kunstwerk, das ich auch anfassen kann", so Plöger.

Kawabe lässt sich noch von ihrer neuen Umgebung inspirieren und möchte dann mit ersten Arbeiten beginnen.

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