Ein Haus für die Zukunft

Sie haben eine Vision für ganzheitlichen Unterricht  (von links): Rainer Wiegard, Regina Müller, Jenny Ibbeken Jonathan Kinkele, Angelika Knies, Sven-Arne Werner und Henrik Bustorf.
Sie haben eine Vision für ganzheitlichen Unterricht (von links): Rainer Wiegard, Regina Müller, Jenny Ibbeken Jonathan Kinkele, Angelika Knies, Sven-Arne Werner und Henrik Bustorf.

Anne-Frank-Schule plant „Campus der Visionen“ als außerschulischen Lernort und sucht ein Grundstück

shz.de von
07. Mai 2015, 10:26 Uhr

Einen „Campus der Visionen“ als außerschulischen Lernort plant die Bargteheider Anne-Frank-Schule. „Das könnte ein Grundstück von etwa ein bis drei Hektar Größe sein, das für die Schüler mit dem Rad oder im Nahverkehr erreichbar ist“, sagt Schulleiterin Angelika Knies. Auf diesem Campus soll realitätsnahes Lernen möglich werden. Ideal dafür wäre ein Resthof. Für dieses Projekt sucht die Schule weitere Unterstützer.

Rainer Wiegard hat sie bereits dafür gewonnen. Der Ex-Finanzminister und CDU-Landtagsabgeordnete hat die Schirmherrschaft übernommen. „Bildung praktisch erlebbar machen, das ist für mich eine andere Dimension des Lernens mit echtem Lebensbezug“, sagt er. So könnten die Schüler beispielsweise den Weg von der Aussaat des Korns bis zum fertigen Brötchen nachvollziehen: „Sie übernehmen dabei Verantwortung für sich und andere und für ein konkretes Projekt.“

Der Campus soll zum Lernort für den 7./8. Jahrgang werden und die persönliche Entwicklung der Schüler fördern. In diesem manchmal schwierigen Pubertätsalter suchen sie nach Herausforderungen, an denen sie wachsen können. „Wir möchten ihnen ein Haus für die Zukunft schaffen, wo sie sich verwirklichen können“, sagt Regina Müller. So könnten sie Selbstvertrauen für ihr weiteres Leben entwickeln. Kopf- und Handarbeit würden so zusammengeführt. „Schüler und Lehrer sind von der Idee begeistert“, sagt ihre Kollegin Jenny Ibbeken. Die Lehrer würden eher als Unterstützer wirken, die Schüler sollten ihre Kooperation und Zusammenarbeit selbst organisieren und auch die Verantwortung übernehmen. „Das gilt auch in den Ferien“, betont sie. Eher ungeliebte Unterrichtsinhalte wie Mathematik könnten ins Projekt verpackt werden.

Etwas Startkapital ist vorhanden. Die Anne-Frank-Schule gewann vor zwei Jahren den Deutschen Schulpreis, der mit 100  000 Euro dotiert ist. Davon wurden Fortbildungen und bereits eine Internetseite für das Projekt finanziert. „Etwa 90 000 Euro sind noch übrig“, sagt Angelika Knies, „die möchten wir gern in etwas Nachhaltiges investieren.“ Das komme auch den zukünftigen Schülergenerationen zugute, die später das Projekt übernehmen.

Um überhaupt Geld dafür einnehmen zu können, hat die Anne-Frank-Schule einen Verein ins Leben gerufen. Angelika Knies ist die Vorsitzende, ihr Stellvertreter ist Elternbeiratsvorsitzender Henrik Bustorf. „Die Vision für mich sind fächerübergreifende Projekte, die reale Probleme bewältigen“, sagt er. Zunächst müsse dafür ein Haus oder wenigstens ein Acker gefunden werden, auf dem ein Bauwagen stehen kann. Und weitere Unterstützer und Sponsoren seien erforderlich.

„Uns ist klar, dass wir mit 90 000 Euro kein Grundstück in der Region erwerben können“, sagt die Schulleiterin. Denkbar sei aber eine langfristige Pacht oder auch die Unterstützung durch Stiftungen. Ein Haus könne ruhig renovierungsbedürftig sein, die Instandsetzungsarbeit daran werde dann ins Projekt integriert. Ein Vorbild dafür gibt es schon.

Die Montessori-Oberschule bei Potsdam hat ein ähnliches Projekt realisiert, die Jugendschule am Schlänitzsee. Die Oberschule wurde ebenfalls mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, und so kam die Bargteheider Schule auch mit ihr in Kontakt. Die Lehrerinnen Jenny Ibbeken und Regina Müller haben dort hospitiert und viele Anregungen mit nach Bargteheide gebracht.

Im kommenden Jahr soll es losgehen. „Wir sind bereit dafür, es fehlt nur noch ein Grundstück“, sagt Angelika Knies. Es dürfe keine Nutzungsbeschränkungen durch Naturschutz geben. Ins Projekt könnten auch andere Schulen, Senioren oder die Flüchtlinge eingebunden werden. Aus dem Verein könne eine Stiftung oder eine gemeinnützige GmbH werden.
Wer die Idee unterstützen möchte, kann sich an die Anne-Frank-Schule wenden, Telefon 04532/2078-0 oder per E-Mail an info@campus-der-Visionen.de.



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