Bargteheide : „Ein geschützter Raum“

Das Team der neuen Tagesklinik in Bargteheide.
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Das Team der neuen Tagesklinik in Bargteheide.

Neueröffnung einer Tagesklinik des Sengelmann-Krankenhauses mitten in Bargteheide

shz.de von
10. Juli 2015, 13:12 Uhr

Wo einst eine Bäckerei stand, wurde jetzt in Bargteheide die dritte Tagesklinik des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses eingeweiht. Damit wird eine Lücke in der psychiatrischen Versorgung kleiner. Bauherr des insgesamt 3,5 Millionen schweren Projekts am Mittelweg ist der Architekt und Unternehmer Reinhard Kock. Das Land hat mit gut einer Million Euro die anteiligen Baukosten der Tagesklinik zu zwei Dritteln bezuschusst.

Damit reagieren die Beteiligten auf die Zunahme der psychischen Erkrankungen und das Versorgungsdefizit. „Nur 20 Prozent der an einer Depression Leidenden werden angemessen behandelt“, stellt Eckart Drews von der Stiftung Alsterdorf fest. Die Kranken säßen in einer Vereinsamungsfalle und isolierten sich zunehmend. Etwa 300 Klienten würden heute in Stormarn betreut.

Die Tagesklinik ermögliche es den Patienten, in ihrem Wohnumfeld zu bleiben und tagsüber die Therapien zu nutzen. Die Bedeutung der wohnortnahen Versorgung betonte auch die Staatssekretärin im Sozialministerium, Anette Langner in ihrem Grußwort: „Ambulant vor stationär ist die Leitlinie unserer Gesundheitspolitik.“

Die fachärztliche Versorgung in Bargteheide sei nicht optimal, so Bürgermeister Dr. Henning Görtz: „Wir haben viele Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung geführt.“ Die wiederum verweise auf das ausreichende Angebot im Kreis. Die Tagesklinik verbessere aber jetzt die Gesundheitsversorgung in der Stadt. „Der Standort in der Innenstadt ist ideal“, lobt Görtz, „er bietet einen geschützten Raum, niemand ist hier auf dem Präsentierteller.“

„Die Versorgungssituation psychisch Erkrankter ist alles andere als gut, es gibt lange Wartelisten“, kritisiert auch Prof. Matthias R. Lemke, Geschäftsführer des Sengelmann-Krankenhauses. Fast die Hälfte aller Frühverrentungen sei auf psychische Probleme zurückzuführen. An der Stelle setze die Tagesklinik mit ihren Gesprächs- und Gruppentherapien sowie der Sozialarbeit an.

Die Klinik bietet 15 teilstationäre Plätze im Erdgeschoss und Teilen des ersten Stocks. Dort ist auch die Verwaltung der Tohus gGmbH untergebracht, die in Bargteheide sozialtherapeutische Wohngemeinschaften betreibt. Für sie stehen 164 Quadratmeter zur Verfügung, die Tagesklinik umfasst 540 Quadratmeter. Die Teams arbeiten dort bereits seit einem Monat.

Die gesamte Nutzfläche ohne Keller und Tiefgarage beträgt 1232 Quadratmeter. In den beiden Obergeschossen sind sieben Wohnungen entstanden. Erstmals hat das Krankenhaus mit einem privaten Bauherrn zusammengearbeitet und seinen Anteil vom Gebäude erworben.

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