Ahrensburg : Ein Erlebnis nach Noten

Die fünf Stormarnschüler (von links): Alste Schroeder, Elisa Rehren, Rosa Pantaenius, Maximilian David Ferst und Anna Luisa Holtkamp.
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Die fünf Stormarnschüler (von links): Alste Schroeder, Elisa Rehren, Rosa Pantaenius, Maximilian David Ferst und Anna Luisa Holtkamp.

„Einmal tief durchatmen, Bogen heben und los: Ein Stormarnschüler berichtet von „Jugend musiziert“.

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27. Juni 2014, 17:48 Uhr

Beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Braunschweig und Wolfenbüttel wurden fünf Stormarnschüler ausgezeichnet. Der 14-jährige Maximilian David Ferst aus Großhansdorf (Violine) und Franziska Schug aus Bad Oldesloe (Klarinette) erhielten einen 2. Preis, Alste Schroeder (11, Großhansdorf), Elisa Rehren (13, Ahrensburg), Rosa Pantaenius (13, Lütjensee), sowie Anna Luisa Holtkamp (12, Hoisdorf) für ihr Violinspiel einen 3. Bundespreis. Ein 3. Preis in der Sparte Klavier ging an Dorothee Louise Natorp aus Bargteheide. „Mit sehr gutem Erfolg teilgenommen“ haben Jacob Ullrich aus Großhansdorf (Trompete) und Jannis Giercke aus Sandesneben (Drum-Set). Im Deutschunterricht sollte Maximilian David Ferst eine Reportage über ein frei zu wählendes Thema schreiben. Er entschied sich für die Tage des Bundeswettbewerbs. Hier seine – gekürzte – Reportage:

„Es ist 17.10 Uhr. In einer halben Stunde wird es soweit sein: Das Wertungsspiel vor der Jury, worauf man ein Dreivierteljahr hingearbeitet hat. Hier beim 51. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ treffen knapp 2500 Musiker zusammen. Es ist ein tolles Gefühl, mit meinem Celloquartett dazu zugehören. Unser Lehrer Hans-Christian Schwarz, Solocellist im Philharmonischen Orchester Lübeck, bereitet uns für den Vortrag vor. Viele seiner Schüler schickt Herr Schwarz seit Jahren mit Erfolg zu Jugend musiziert, meint, dass sie durch den Wettbewerb und dessen Motivation am meisten lernen würden.

Wir verlassen den Einspielraum und betreten den Flur des Gymnasiums „Große Schule“ in Wolfenbüttel, das sich wie weitere 18 Instutitionen in den beiden Städten dazu bereiterklärt hat, seine Räumlichkeiten für eine Woche dem Wettbewerb zur Verfügung zu stellen. Viele Eltern, Verwandte, Freunde und Gleichgesinnte warten schon. Sie alle haben sich für dieses Ereignis Zeit genommen. Man weiß, dass alle einem Glück wünschen, doch mich erfasst ein Gefühl von Gerührtheit und dem Willen, gar Zwang, sie nicht zu enttäuschen.

Die sechsköpfige Jury, die sich aus renommierten Hochschulprofessoren und aus Mitgliedern internationaler Spitzenorchester zusammensetzt, vergibt bis zu 25 Punkte. Wir betreten den Wertungsraum und hinter uns wird die Tür geschlossen. Mein Fokus gilt nun nur noch den Noten, die ich vor mir aufschlage. Die Finger fühlen sich durch die Aufregung schwitzig an. Und dann: einmal tief durchatmen, Bogen heben und los. Die Programme müssen aus mindestens zwei Werken unterschiedlicher Epochen bestehen. Zusätzlich wird die Zeit gestoppt. 20 Minuten müssen reichen, um die Jury zu überzeugen.

„Jugend musiziert“ dient als Sprungbrett für viele spätere Berufsmusiker und Musikstars. Bratschenstar Tabea Zimmermann sagte mal, es habe in ihrem Leben immer nur vor oder nach „Jugend musiziert“ gegeben. Beim Spielen blendet man Gedanken wie diese völlig aus. Es ist wie ein Tunnelblick tief in Konzentration und Adrenalin. Die Juroren bewerten zwar nach Kriterien wie Intonation und Zusammenspiel, aber am meisten wird die Interpretation der Stücke und der Ausdruck begutachtet. Um ein sicheres, gutes Wertungsspiel abzugeben, muss man dieses alles ausblenden.

Es wirkt als Druckfaktor, sorgt aber auch für mehr Konzentration. Eine Ironie. Kaum hat man angefangen, geht es durch die Stücke wie in einer Achterbahn und endet genauso schnell wieder.
Erst als der Applaus den Raum erfüllt, nehme ich das restliche Umfeld wieder wahr. Wenn man dann wieder im Flur steht, mit diesem Gefühl im Bauch, keine großen Patzer gehabt zu haben, fällt die Anspannung innerhalb weniger Sekunden ab. Der Wettbewerb besteht aber nicht nur aus Vorspiel und Preisverleihung, er ist auch ein Fest der Begegnung.

Als „Jugend musiziert“ 1964 das erste Mal ausgetragen wurde, war es ein Wettbewerb für die musikalische Spitze. In diesem Jahr gab es 25 000 Teilnehmer aus Deutschland und 355 von den deutschen Schulen im Ausland. Es ist eine Motivation in Wettbewerbsform für die breite Masse. Dieser Wettbewerb gibt Kindern und Jugendlichen in ganz Europa ein Ziel. Ein Ziel, was uns alle vereint und verbindet: Musik zu machen.

Die Zeit bis zur Preisverleihung, die maximal sieben Tage vom Wertungsspiel entfernt sein kann, wird durch ein umfassendes Rahmenprogramm verkürzt. Man kann vergünstigte Stadtführungen machen oder Kurse besuchen. Abends finden Konzerte mit herausragenden Teilnehmern und Profimusikern statt, und das Lehrreichste, was man kostenlos machen kann, ist, anderen bei ihren Wertungsspielen zuzuhören und sich einige Anregungen zu holen.

Das Besondere am Bundeswettbewerb ist aber auch, dass für eine Woche zwei Städte ein anderes Gesicht bekommen. Ob im Hotel, im Straßencafé, im Restaurant, überall unterhalten sich die Menschen über den Wettbewerb und man kommt sofort ins Gespräch.“

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