Bad Oldesloe : Ein Drittel mehr Unfälle mit Lkw

Polizeidirektor Holger Meincke (r.), stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg , mit André Lutz, der Anfang des Monats das Sachgebiet Verkehr übernommen hat.
Polizeidirektor Holger Meincke (r.), stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg , mit André Lutz, der Anfang des Monats das Sachgebiet Verkehr übernommen hat.

Die hohe Verkehrsdichte macht sich bei der Unfallstatistik bemerkbar – und das nicht nur auf den Autobahnen.

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07. März 2018, 06:00 Uhr

Anders als im Land ist die Zahl der Verletzten in Stormarn angestiegen. 907 Leicht- und 135 Schwerverletzte bedeuten einen Anstiege um gut sechs Prozent gegenüber 2016. Der Kreis liegt damit auf den Niveau von 2012, als Einwohner und Verkehrsdichte aber noch geringer waren. „Mit 608 Kraftfahrzeugen auf 1000 Einwohner liegt Stormarn auch in diesem Bereich in der bundesweiten Spitzengruppe“, so Holger Meincke, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg bei der Vorstellung der Verkehrsstatistik.

Zu dem hohe Verkehrsaufkommen tragen auch ganz entscheidend die Autobahnen bei. Die gehören zwar nicht in die „normale“ Statistik, die Direktion erfasst sie aber bei ihren „Sonderauswertungen“ mit. Auf den Kreis- und Landesstraßen gab es im vergangenen Jahr 6334 Unfälle, mehr als zwei Drittel innerhalb von Ortschaften. Das sind etwas mehr (3,5 Prozent) als 2016, das Gros sind aber so genannte S 3-Unfälle, bei denen die Polizei nur Ort und Zeit festhält, sofern sie überhaupt gerufen wird.

Fast gleich blieb mit 478 die Zahl der Unfälle nach Fahrfehlern wie Missachten der Vorfahrt. Unfälle mit einer Straftat als Ursache – meistens Alkohol am Steuer – gingen von 73 auf 56 zurück. Die Zahl der Getöteten lag mit acht auf Vorjahresniveau, darunter waren drei Roller- und Kradfahrer.

Eklatant gestiegen ist die Zahl der Getöteten auf den Autobahnen im Direktionsbereich, zu dem die A 1, die A 20, die A 21, die A 24 und die A 25 gehören. 2016 hatte es nur einen Toten gegeben, 2017 waren es fünf, und 2018 werden es vermutlich noch mehr sein. „Wir haben nach gut zwei Monaten bereits vier Tote auf den Autobahnen“, so Holger Meincke. Die Zahl der Unfälle lag mit 1688 knapp zehn Prozent höher, die Zahl der Verletzten blieb mit 364 gleich. Auffällig ist die Entwicklung allerdings bei Lkw. An 245 Autobahn-Unfällen waren mittlerweile Lastwagen beteiligt. Das sind 15 Prozent und ein Plus von 32 Prozent.

Das ist laut Meincke auch ein Beleg für die Zunahme des Lkw-Verkehrs. Die Zahl der Kontrollen konnte damit aber nicht Schritt halten. Im Gegenteil: Nur 5961 Lkw wurden kontrolliert, 40 Prozent weniger als 2016. Entsprechend gingen auch die Fahrzeug-Beanstandungen (2711) und die Verstöße gegen Lenkzeiten (1350) zurück. 654 mal wurde die Weiterfahrt untersagt, ein Drittel weniger als 2016.

Grund sind Schwerlasttransporte, die von der Polizei begleitet werden müssen. Sie haben sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. „Wir sind fast jede Nacht unterwegs“, sagt Meincke, „die Leute fehlen dann natürlich an anderer Stelle.“ Das Land, das bereits ehemalige Polizeibeamte als Angestellte dafür verpflichtet, setzt sich dafür ein, dass private Firmen diese Aufgabe übernehmen.

Eine weitere Sonderauswertung nimmt Senioren ab 65 und junge Fahrer bis 24 unter die Lupe. Bei 401 von 695 Unfällen (ohne S 3), an denen Senioren beteiligt waren, waren sie auch die Verursacher, was vor allem bei den über 75-Jährigen gilt. Gleichzeitig sind Senioren Opfer: Die Hälfte der Verkehrstoten war älter als 65 Jahre. Junge Leute waren in 327 von 500 Fällen Verursacher ihrer Unfälle. Die Zahl der Verletzten stieg in Stormarn zwar um 19 auf 153, es gab aber keine tödlichen Unfälle.

Bei der Verkehrsüberwachung wirkten sich in der Statistik die Schwerpunktaktionen zu Anschnall- und Helmpflicht aus. 1265 erfasste Verstöße sind ein Plus von 49 Prozent. Ein verstärktes Augenmerk will die Direktion auf Handys und andere Ablenkungen im Verkehr richten. 659 Fahrer wurden mit Handy am Steuer erwischt, Meincke geht aber davon aus, dass die Dunkelziffer immens hoch ist. Und gar nicht erfasst werden Fußgänger, die angefahren werden, weil sie beim Überqueren der Straße auf ihr Smartphone starren.

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