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Bargfeld-Stegen : Ein Dorf fliegt auf Meister Adebar

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Stormarns Storchen-Hochburg ist Bargfeld: Wie alles begann, was alles getan wird. In der Zahnarzt-Praxis gibt es sogar Storchen-TV.

Mitten im Zentrum von Bargfeld-Stegen beginnt ein bemerkenswertes Biotop. Ein Bach schlängelt sich durch die Wiese, Teiche und ein Feuchtgebiet sorgen für große Artenvielfalt. Und mittendrin gleich fünf Storchenhorste. Kay Timm und viele Mitstreiter haben dafür gesorgt. So ist die Gemeinde ganz offiziell zum Storchendorf geworden. Der Naturschutzbund Nabu vergab diesen Ehrentitel im vergangenen Jahr an Bargfeld-Stegen.

Die Vorgeschichte: Seit langer Zeit brütete ein Storchenpaar im Ortsteil Tonnenteiche. „2004 hatten wir die Idee, Störche auch in die Ortsmitte zu holen“, sagt Kay Timm. So wurde hinter seinem Haus ein 2500 Quadratmeter großes Feuchtbiotop mit Teichen angelegt und der erste Mast für ein Nest aufgestellt. Weitere Nistplätze kamen hinzu, neben ausgedienten Strommasten wurden auch Baumstämme aufgestellt. Nistkörbe hat er aus Weidenruten geflochten.

Kay Timm und seine Frau haben Informationen gesammelt und sich zu Storchenspezialisten fortgebildet. „In einer Gartenbaumschule habe ich über Jahre hinweg Teichpflanzen fürs Biotop gekauft“, sagt er. „Das sind Zeigerpflanzen für Störche, sie sehen daran von oben, dass sie hier Nahrung finden können“, so seine Frau Britta.

Dennoch dauerte es sechs Jahre, bis sich das erste Paar in der Ortsmitte niederließ und Nachwuchs erbrütete. Zuvor hatten Störche die Nester nur erkundet und flogen weiter. 2015 wuchsen neun Jungstörche allein bei den Timms auf. Zwei Paare haben sich vergangenes Wochenende eingefunden.

Auch ein Sorgenkind hat die Familie aufgepäppelt. „Das Küken war zu schwach und drohte zu verenden“, sagt Kay Timm. Es kam in den Heizungskeller, dann in ein Nest auf dem Birnbaum. „Wir haben es mit Hundefutter und Würmern gefüttert“, ergänzt Britta Timm. Zum Überwintern kam „Horst“, so wurde er getauft, in den Vogelpark Niendorf. Nun wird er dort ausgewildert.

Ein Netzwerk von Unterstützern hat sich der Störche in Bargfeld angenommen. Die Zimmerei Ralf Möller in Jersbek stellte einen Hubsteiger zum Beringen der Vögel und das Lohnunternehmen Jochen Kiesewetter aus Nienwohld setzte einen Kettenbagger für den Nistmast-Aufbau ein. Gerhard Timm hat in der Nachbarschaft ebenfalls ein Storchennest aufgebaut, ein weiteres steht im Ortsteil Wilhelmshöhe. Damit gibt es jetzt sechs Nistgelegenheiten im Dorf.

Die erfolgreiche Brutsaison 2015 wurde mit einem Storchenfest gefeiert. „Wir rechneten mit 30 bis 40 Gästen, es kamen über 300“, freut sich Kay Timm. Durch den Verkauf von Kaffee, Kuchen und Grillfleisch kamen 900 Euro zusammen. Der Betrag wurde zu gleichen Teilen an den Verein Familientreff, für das Bandfestival und für den Nabu gespendet. In diesem Jahr wird es wieder gefeiert: 14. August, 13 - 17 Uhr.

Störche seien auch soziale Wesen, die gern in Kolonien brüten, sagt Britta Timm. Deshalb stehen zwei Nistplätze auch nahe nebeneinander in ihrem Garten. „Sie sind nicht unbedingt monogam, aber sie bleiben einem Horst treu“, sagt sie. So finden sich die Paare oft wieder zusammen. Und die Vögel unterstützen sich gegenseitig: „Sie arbeiten im Team. Wenn die Jungen noch nicht flügge sind, passt ein Alttier auf sie auf“, hat Britta Timm beobachtet. Alle Jungstörche werden beringt. Das geht einfach bei Jungstörchen, sie haben bei Gefahr einen Totstell-Reflex“, sagt er. So erhalten sie gefahrlos einen Ring ans Bein, der nicht stört. Die Nummer darauf ist auch auf einige Entfernung hin sichtbar. Kay Timm benutzt zur Beobachtung ein stark vergrößerndes Spektiv (Beobachtungsfernrohr). Ergebnisse werden auf http://stoercheimnorden.jimdo.com/ veröffentlicht. „Storchenvater“ Jörg Heyna aus Nordfriesland stellt auch die Daten aus Bargfeld-Stegen ins Netz und ist bei der Beringung der Jungstörche dabei.

Beim benachbarten Zahnarzt gibt es ein „Storchen-TV“ im Wartezimmer. Auch die Gemeinde unterstützt das Projekt. So wurde der früher verrohrte Abfluss aus dem Dorfteich wieder geöffnet und fließt gleich neben dem Biotop wieder als offener Bach in Richtung Alster. Eine Staumauer verhindert das Austrocknen. Auch andere Gräben wurden wieder renaturiert und bieten Nahrungsquellen für die Störche.


>2015 war eines der besten Storchenjahre seit langem in Stormarn: In 28 Nestern wurden 53 Junge aufgezogen. Nur 1999 gab es mit 56 Jungstörchen noch mehr Nachwuchs. Die nächste Bilanz der Nabu-Storchbetreuer Kerstin Kommer und Andreas Hack erfolgt Ende April.

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