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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 07:58 Uhr

Ein Blatt schreibt Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vor 175 Jahren erscheint zum ersten Mal das „Oldesloer Wochenblatt“, der direkte Vorläufer des Stormarner Tagesblatts. Das Jubiläum ist Grund genug, um zurück auf die Anfänge der Medien zu schauen – und dabei spielte Stormarn mit dem Wochenblatt ganz vorne mit.

Die Briten besetzen Hongkong, die erste deutsche Pferdeomnibuslinie zwischen Hamburg und dem dänisch-holsteinischen Altona wird eröffnet und in der Zeitung Boston Morning Post wird erstmals „OK“ als Abkürzung für „oll korrect“ verwendet – nur drei Fakten aus dem Jahr 1839. Vor 175 Jahren geschah aber noch etwas und das direkt vor der Haustür: Es wurde ein Stück Zeitungsgeschichte geschrieben. Am 6. April 1839 erschien die erste Ausgabe des „Oldesloer Wochenblatts für Stadt und Land“ – der direkte Vorläufer des „Stormarner Tageblatts“. Damit ist das „Tageblatt“ eine der ältesten noch existierenden Zeitungen in Deutschland – von Stormarn einmal ganz abgesehen.

Heute sind Medien allgegenwärtig, vor 175 Jahren sah das Ganze aber völlig anders aus. Es war die Zeit des „Vormärzes“, also kurz vor der Erhebung der Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen-Herrschaft im Jahr 1848. Die Bedingungen für die ersten Verleger und Journalisten waren alles andere als einfach. So auch für den Begründer des „Oldesloer Wochenblatts“, den Buchdrucker Julius Schüthe (1814-1890).

Der damals 24-Jährige hatte vom dänischen König Friedrich VI. am 17. November 1838 das Privileg erhalten eine Druckerei zu führen und ein Wochenblatt herauszugeben. Den so genannten Intelligenzblättern war es untersagt, sich politisch zu äußern. Noch weitere Beschränkungen führten dazu, dass Schüthe das „Oldesloer Wochenblatt“ erst zehn Monate später veröffentlichen konnte. Schüthe ignorierte wiederholt die Beschränkungen und saß dafür zeitweise im Gefängnis. Dennoch – oder gerade deshalb – hat sich seine Zeitung schnell etabliert. Ihm gelang es, die Zensur auszutricksen und Stellung zu beziehen. Mit 500 Exemplaren gilt sie zur damaligen Zeit als die auflagenstärkste im Bereich Stormarn und Umgebung. Und man muss dabei bedenken, dass Bad Oldesloe gerade einmal rund 2500 Einwohner zählte. Heute sind es knapp 25 000.

Das „Oldesloer Wochenblatt“ entwickelte sich schnell zu einer politisch relevanten Zeitung, die auch als deutliche Unterstützung der national-patriotischen Bewegung Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen ist. Damit war das „Intelligenzblatt“ in der Region ein echter Vorreiter auf dem Weg zu Pressefreiheit und politischer Berichterstattung. Das Blatt stellte aber keine übermäßigen Anforderungen an die Intelligenz des Lesers wie der Name vermuten könnte, sondern der Name bezieht sich auf das lateinische „intellegere“, sprich es wendete sich an jeden, der sich informieren beziehungsweise „Einsicht“ nehmen wollte.

Das Interesse an der Lektüre war groß; Schüthe expandiert, nennt das Blatt bald „Oldesloer Landbote“, da es auch in den Randgemeinden von Bad Oldesloe verkauft wird.

Als Schüthe 1864 auf 25 Jahre als Verleger zurückblicken konnte, ist er politisch am Ziel seiner Träume: Der Deutsch-Dänische Krieg beendet die ungeliebte Herrschaft in seiner Heimat. Der Krieg gegen Dänemark hatte außerdem einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung des deutschen Nationalstaats von 1871.

Die Zeitung wuchs weiter, etablierte sich in ganz Stormarn. 1951 wurde aus dem „Landboten“ schließlich das „Stormarner Tageblatt“.

Das Vermächtnis des „Oldesloer Wochenblatts“, das unternehmerische Wagnis der Buchdruckerfamilie Schüthe, blieb bis 1993 in Bad Oldesloe in Familienhand. Seither erscheint das „Stormarner Tageblatt“ im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z).

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erstellt am 15.Jan.2014 | 15:08 Uhr

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