Bad Oldesloe : Ein Biss reicht: „Jacky“ gilt jetzt als Gefahrhund

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Familie ist entsetzt: Ihr kleiner Jack-Russel-Terrier fällt unter das Gefahrhundegesetz.

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13. März 2014, 12:30 Uhr

„Jacky“ ist ein knuffiger und temperamentvoller kleiner Kerl, ein sechsjähriger Jack-Russel-Terrier, den Schubert in Poggensee, vor einem Jahr aufgenommen haben. Doch seit kurzem herrscht Weltuntergangsstimmung bei der Familie, denn „Jacky“ soll ein gefährlicher „Kampfhund“ sein: Das Ordnungsamt hat verfügt, dass „Jacky“ ab unter das Gefahrhundegesetz fällt.

Was war passiert? Als Sohn Luca mit dem angeleinten Hündchen in Poggensee spazieren ging, kam ihnen eine Joggerin entgegen. Kurz vor dem Zusammentreffen wollte die Frau auf die andere Seite wechseln. Das könnte „Jacky“ irritiert haben, jedenfalls schnappte er plötzlich zu, biss der Frau ins Bein. Die spitzen Zähnen hinterließen im Unterschenkel der Joggerin eine kleine Verletzung. Dass dieses Ereignis allerdings so mächtig hohe Wellen schlagen würde, damit Katrin Schubert nicht gerechnet.

Das Ordnungsamt, wo eine Anzeige der Joggerin vorliegt, teilte den Schuberts in einem „Feststellungsbescheid“ mit, dass der Terrier als gefährlich im Sinne des Gefahrhundegesetzes gilt. Zuvor sei „Jacky“ niemals aggressiv aufgefallen, sagt Katrin Schubert: „Er ist ein absolut lieber Hund, der auch mit den Kindern toll umgeht. Er lässt fast alles mit sich machen ist kein Beißhund.“ Ihr Sohn Luca (7) sei nach dem Vorfall völlig aufgelöst gewesen. „Er gibt sich die Schuld, obwohl er gar nichts dafür kann“, sagt Katrin Schubert. Vermutlich habe sich „Jacky“ erschreckt oder haben Luca beschützen wollen.

Für das städtische Ordnungsamt zählt allein, dass der Hund zugebissen hat. Grundlos, denn der Biss sei nicht als Abwehrhandlung zu rechtfertigen, heißt es in dem Schreiben. Auch wenn es „nur“ um eine zwei Zentimeter lange, oberflächliche Rissquetschwunde geht, auf die Art der Verletzung komme es nicht an, so die Behörde. Nach deren Bescheid ist „Jacky“ jetzt ein gefährlicher Kampfhund, der einen Maulkorb tragen muss und nur noch an kurzer Leine von erwachsenen Personen geführt werden darf, die eine entsprechende Erlaubnis besitzen.

Ein Unding, findet Katrin Schubert: „Wir hatten überhaupt keine Chance, ihn von einem Hundepsychologen auf sein Wesen und seine angebliche Gefährlichkeit prüfen zu lassen.“ Die Familie bekam nur drei Wochen Zeit, eine Erlaubnis zu beantragen, ansonsten werde ihnen zur Gefahrenabwehr die weitere Haltung untersagt. Die rechtswidrige Haltung eines gefährlichen Hundes kann ein Bußgeld von bis zu 10.000 kosten.

„Niemand vom Ordnungsamt hat sich unseren Hund angesehen. Warum ist in so einem Fall nicht erst einmal ein Wesenstest für den Hund vorgeschrieben, bevor so knallharte Auflagen gemacht werden“, fragt Ehemann Jens Schubert. Er und seine Frau können und wollen nicht alle Auflagen erfüllen. Um einer Wegnahme des Tieres durch das Amt zuvorzukommen, hat sich die Familie nun schweren Herzens von „Jacky“ getrennt und ihn in ein Hamburger Tierheim gebracht. Zur Freude der Schuberts konnte „Jacky“ schon an eine neue Familie vermittelt werden. „In Hamburg wird er nicht als gefährlich eingestuft, weil er einmal zugeschnappt hat. Nur in Schleswig-Holstein gilt er jetzt als Gefahrhund, ohne dass ihn ein Amtstierarzt auch nur angeschaut hat. Wie kann das sein?“, fragt Katrin Schubert.

Einen Hund wird sich die Familie nach diesen Erfahrungen nicht mehr anschaffen. Das Gefahrhundegesetz Schleswig-Holsteins ist in diesem Fall eindeutig. Ob der Hund harmlos ist und sogar einen Wesenstest bestanden hätte, spielt für die Feststellung der Gefährlichkeit keine Rolle mehr. Es entfällt dann lediglich die Maulkorbpflicht. Das Halten des Hundes bleibt nach wie vor erlaubnispflichtig.

Gefahrhunde in Stormarn

Der Kreis Stormarn führt regelmäßig Statistik darüber, welche Hunderassen wie oft und wen  gebissen haben (sog. Tatbestand), so dass sie als „gefährliche Hunde“ eingestuft werden. Im Schnitt beißen demnach kreisweit pro Jahr 25 Hunde zu,  an der Spitze liegt regelmäßig der Schäferhund. In den letzten sechs Jahren wurden insgesamt 156 Hunde als gefährlich eingestuft, weil sie entweder einen Menschen oder ein Tier, fast immer einen anderen Hund, grundlos gebissen haben. Mehrheitlich wurden bei den Attacken   andere Hunde geschädigt. In wenigen Fällen kam es dazu, dass Hunde außerhalb des befriedeten Grundstücks des Halters wiederholt in gefahrdrohender Weise Menschen angesprungen oder ein anderes Verhalten gezeigt haben, das Menschen ängstigte. Auch dies kann nämlich dazu führen, den Hund als gefährlich einzustufen.
 

Hintergrund: Das Gefahrhundegesetz

Das Gefahrhundegesetz  ist Ländersache. In Schleswig-Holstein gibt es ein relativ restriktives Gefahrhundegesetz, das Hunde, die einmal gebissen haben, sofort und ohne Ermessensspielraum für die Ordnungsbehörde als gefährlich ansieht. Als gefährlich gelten:

Hunde, die eine besondere Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder Beißkraft besitzen

Hunde, die einen Menschen gebissen haben, sofern dies nicht zur Verteidigung anlässlich einer strafbaren Handlung geschah

Hunde, die außerhalb des befriedeten Besitzes des Hundehalters wiederholt in gefahrdrohender Weise Menschen angesprungen haben oder ein Verhalten zeigen, das Menschen ängstigt

Hunde, die ein anderes Tier durch Biss geschädigt haben, ohne selbst angegriffen worden zu sein

Hunde, die unkontrolliert Wild, Vieh oder andere Tiere hetzen oder reißen.





 

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