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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 07:28 Uhr

Ein bewegtes Leben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ehrenwehrführer Heinrich Westphal vollendet das 100. Lebensjahr und blickt entspannt zurück

Er hat die Löschspritze noch mit dem Pferdewagen zum Einsatzort gefahren, hat als Landwirt die Kartoffeln mit der Schaufel ausgegraben und den Zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt: Heinrich Westphal aus Stapelfeld, Ehrenwehrführer der Wehr, wird nächsten Dienstag 100 Jahre alt. Er lebt noch heute in dem Haus, in dem er vor 100 Jahren auch geboren wurde. Die Eltern waren Bauern und ich „wuchs auf dem Misthaufen“ auf, berichtet der alte Mann humorvoll. Und so war es klar, dass er auch Landwirt wurde. „Gefragt wurde ich nicht.“

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs geboren, erinnert er sich nur noch, dass er als Fünfjähriger immer sehnlichst die Rückkehr des Vaters am Wochenende von seiner Kaserne erwartete. In den Zweiten Weltkrieg musste er selbst ziehen, war in Frankreich im Einsatz und kam später in russische Gefangenschaft. „Sechs Jahre war ich damals nicht zu Hause“, denkt er zurück.

1950 heiratete er seine inzwischen verstorbene Frau Elsbeth, die in den folgenden Jahren drei Söhne zur Welt brachte: Heino, Jürgen und Martin. Inzwischen gibt es auch fünf Enkel. Gleich nach dem Krieg ging er auch zur Feuerwehr, es waren viele Männer gefallen, man brauchte jede Kraft. 1950 wurde Heinrich Westphal Wehrführer und behielt dieses Amt bis 1974. Oft mussten alte Bauernhäuser gelöscht werden, zwei Mal brannte in den 60er Jahren die Dorfkneipe ab. Auch als einmal die Wakenitz über die Ufer trat und Lübeck vor einer Überschwemmung bewahrt werden musste, war er dabei. Vorteil: Früher arbeiteten mehr Feuerwehrleute als heute im Ort und waren schnell zur Stelle. „Einmal haben wir nach einer Jagdversammlung bis in den Morgen Karten gespielt. Als ich gerade schlafen gehen wollte, kam ein Einsatz“, erinnert sich Westphal.

Bis heute liest der Jubilarr täglich Zeitung, interessiert sich für die Entwicklungen in der Landwirtschaft und bei der Feuerwehr. Mit seinem Elektromobil ist er oft im Dorf unterwegs. Seine drei Söhne wohnen in der Nähe, unterstützen ihn im Alltag zusätzlich zu einer Pflegekraft. Sein hohes Alter führt er auf eine positive Lebenseinstellung zurück. „Und ich hab immer gearbeitet, dass hält fit.“ Noch mit 85 Jahren fuhr er gern Trecker.

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