Ein bewegtes Leben

Erich Rieken feiert heute seinen 90. Geburtstag. Seine Frau Frieda ist vor drei Jahren gestorben, mit vielen Fotos hält er das Andenken an sie aufrecht.
Erich Rieken feiert heute seinen 90. Geburtstag. Seine Frau Frieda ist vor drei Jahren gestorben, mit vielen Fotos hält er das Andenken an sie aufrecht.

Der dienstälteste Tageblatt-Zusteller: Erich Rieken feiert heute in Delingsdorf seinen 90. Geburtstag

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04. Juli 2014, 11:35 Uhr

Er ist der altgedienteste Austräger des Stormarner Tageblatts und einer der treuesten Leser. „Seit ich zehn Jahre alt war, habe ich die Zeitung bis heute gelesen“, sagt Erich Rieken, „für mich ist sie so wichtig wie das tägliche Brot.“ 45 Jahre lang hat er das Tageblatt und andere Zeitungen ausgetragen, erst im Alter von 79 Jahren machte er damit Schluss. Am heutigen Sonnabend feiert der Delingsdorfer seinen 90. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch!

Geboren wurde Erich Rieken in Sühlen. Seine Eltern besaßen eine kleine Landwirtschaft, auf dem Hof wuchs er mit vier Geschwistern auf. „In ganz jungen Jahren habe ich schon Trecker gefahren und auf der Koppel gearbeitet“, erinnert er sich. In Schlamersdorf trat er dann eine landwirtschaftliche Lehre an.

Dann begann der Zweite Weltkrieg, er wurde eingezogen und in Frankreich eingesetzt. Das sind keine guten Erinnerungen. „Ich habe so viele Kollegen sterben sehen“, sagt er, „ich habe viele Schutzengel gehabt.“ Mit etwa 50 weiteren jungen Männern wurde er nach dem Krieg dienstverpflichtet zur Arbeit in einem Bergwerk bei Kamen. Auch hier half ihm ein Schutzengel, denn bei einem Grubenunglück starben dort über 400 Bergarbeiter.

1951 lernte er seine Frau Frieda kennen, das Paar heiratete und zog nach Delingsdorf.

Arbeit fand er beim Bauern Heinrich Ruge. In der Lohe baute er ein Haus mit viel Eigenleistungen. „Ich habe den Keller selbst ausgeschachtet“, sagt er. Hier wuchsen die acht Kinder des Paares auf. Das quirlige Leben vermisst der Jubilar heute, im Haus ist es ruhig geworden.

Seine drei Töchter Petra, Ruth und Irena unterstützen ihn heute nach Kräften. „Ohne sie würde ich hier heute nicht mehr sitzen“, sagt er dankbar. Mit seiner Frau konnte er noch die Diamantene Hochzeit feiern. Sie starb vor drei Jahren, auch zwei Töchter leben nicht mehr.

Ab 1960 arbeitete er bis zum Ruhestand als Straßenwärter für die Kreisverwaltung. Und frühmorgens trug er all die Jahre die Zeitungen aus, 200 Exemplare brachte er an jedem Werktag zu den Lesern. Auch ein gebrochener Arm konnte ihn davon nicht abhalten. Als sie größer waren, halfen ihm seine Kinder dabei.

„Mein schönster Arbeitsplatz war beim Bauern Ewald Drews in Sühlen“, sagt er rückblickend. Auch Heinrich Ruge habe ihn nach Kräften unterstützt. Der leidenschaftliche Fußball-Fan ist zurzeit ganz in seinem Element. „Ich schaue die halbe Nacht Fernsehen“, sagt er, „es ist das Einzige, was mich noch aufmuntert.“ Heute um 11 Uhr wird in der Lohe gefeiert, ein Zelt im Garten ist aufgebaut, und der Jubilar freut sich auf Gratulanten, auch einige alte Freunde aus Sühlen hat er eingeladen.

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