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Stormarner Tageblatt

16. August 2017 | 21:57 Uhr

Grossensee : Ein Abend für die Dorfchronik

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Präsentation der „Großensee-Klangbilder“ wird im ausverkauften „Dörphus“ zu einer abendfüllenden Show mit viel Musik und einer Filmpremiere.

Es war ein echtes Mammutprojekt: 18 Monate lang war Walter Domscheit vom Naherholungs- und Kulturverein mit seiner Kamera zu allen Jahres- und Uhrzeiten in Großensee unterwegs, um Material für einen Dokumentarfilm zu sammeln. Schnell gewann er die Opern- und Konzertsängerin Katharina Maria Kagel für sein Projekt. Sie führte Interviews und brachte noch eine neue Note mit in das Projekt ein: Es sollte nicht nur ein Dorf-Dokumentarfilm werden, sondern eine Ansammlung von bunten „Klangbildern“. Kurzum: Die flimmernden Bilder sollten mit der passenden Musik untermalt werden. Umso länger Domscheit und Kagel an dem Projekt arbeiteten, desto mehr ambitionierte und künstlerische Ideen brachte das kreative Duo ans Tageslicht.

Und so verschob sich die Premiere des besonderen Streifens ein wenig und aus einer Idee wurde das erwähnte Mammutprojekt, das jetzt entsprechend gefeiert wurde. Im ausverkauften „Dörphus“flimmerte nicht einfach nur das cineastische Ergebnis über die Leinwand. Viel mehr wurden die Mitbürger Zeugen einer knapp fünfstündigen Show, die das Dorfleben porträtierte – und die es so wohl in Stormarn noch nie gab.

Die Musik wurde zum Großteil live beigesteuert. Kagel dirigierte ihren Chor „S(w)inging Großensee“, Andre Weisskeller von der Band „Tramper“ spielte einen eigenen Song, Karolina Trojok begleitete – fast wie im Stummfilm Anfang des 20. Jahrhunderts – die bewegten Bilder am Klavier und Jurij Kandelja präsentierte sein Können am Knopfakkordeon. Die Liedauswahl wurde dabei zum Teil wie in einer fiktiven Radioshow als Musikwunsch von Anrufern anmoderiert. Es ging also tatsächlich sehr besonders zu beim Filmabend im Dörphus, der so Züge einer Kunstperformance annahm.

Doch auch die Inhalte vom Wochenmarktbesuch über das Vereinsleben, die Landwirtschaft, die lokale Musikszene, die Feuerwehr, den Besuch von Countrymusiker Gunter Gabriel im Ort bis zum Großenseer, der über 100 Jahre alte Flaschen sammelt , waren vielfältig.

Angereichert wurde das Ganze durch Liveinterviews und Darbietungen, wie Gedichte von Rezitator Peter Reimers. Gleich zu Beginn des langen Abends kam Alt-Bürgermeister und Tageblatt-Kolumnist Leonhard Hundsdoerfer zu Wort. Er erzählte Anekdoten und betonte, welch ein Glück er hatte, als er einst nach Großensee kam. „Es war der schönste Flecken Land, den man sich aussuchen konnte“, sagte er und berichtete, wie freundlich und hilfsbereit die Großenseer nach dem 2. Weltkrieg gegenüber Flüchtlingen waren. Ein durchaus aktuelles Thema, das mehrfach aufgegriffen wurde.

Neben viel Applaus und Lob mischte sich ein wenig Kritik über den Umfang und die Länge des Gezeigten sowie am doch sehr eigenwillige Konzept der Darbietung in das Fazit einiger Besucher. Insgesamt fiel die Bilanz der Beteiligten aber positiv aus. „Wir hatten nur eine Probe und auch technisch sind wir hier nicht im Studio Hamburg, aber ich finde es ist ein sehr gelungener Abend“, so Kagel. „Ich bin positiv überrascht und sehr stolz, was mein Vater hier auf die Beine gestellt hat“, sagte Marijke Domscheit, die extra aus Heidelberg angereist war.  

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