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Ein 17-Jähriger mit verbrecherischer Energie

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 13:16 Uhr

Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung, das ist die Quittung für Jens F. (Namen geändert) Der 17-jährige Bargteheider wurde vom Schöffengericht Ahrensburg wegen gefährlicher Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Nötigung verurteilt. Verschärfend kam hinzu, dass F. die Taten bis zum Schluss geleugnet hatte, obwohl zahlreiche Zeugen sie bestätigten. „Das und die erhebliche verbrecherische Energie führen zu einer besonderen Schwere der Schuld“, so der Vorsitzende Richter Ulf Thiele in der Begründung.

Um ein Haar wäre der bullige junge Mann schon im vergangenen Sommer in Untersuchungshaft gekommen. Denn er hatte seinen Altersgenossen Horst G. aus Ahrensburg massiv bedroht, der ihn wegen Drogenhandels angezeigt hatte (wir berichteten). In seiner Wohnung fand die Polizei bei einer Durchsuchung zwar kein Marihuana, dafür aber bei seinem ebenfalls angezeigten Kumpel 20 Portionstüten.

Horst G. sollte die Anzeige zurücknehmen. Deshalb stellte ihn Jens F. und verprügelte ihn, unter anderem beim Bargteheider Stadtfest. Doch Horst G. gab dem Druck nicht nach und hielt die Anzeige aufrecht. „Das hätte einen Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr gegen den Angeklagten voll gerechtfertigt“, so der Richter, „wegen Verschleierung einer Straftat.“

In Ahrensburg trafen die beiden wieder aufeinander. Weil G. ihm angeblich 700 Euro schuldete, verfolgte der Bargteheider ihn. In panischer Angst stürzten G. und seine Freundin in ein Restaurant am Bahnhof, der Verfolger stürmte hinterher. Er gab ihm eine Backpfeife und forderte dann ausfallend das Geld, obwohl der Wirt anwesend war. Der Gastronom erbarmte sich schließlich und streckte das Geld vor, denn er kannte den Bedrohten: „Seine Mutter ist bei mir Stammgast.“

Zwar gibt Horst G.vor Gericht zu, dass er dem Angeklagten Geld schulde. Wofür aber, das blieb während der Verhandlung ungeklärt. Auch F. sprach nur ausweichend von Schulden. „Das Geld wurde als Ausgleich dafür gefordert, dass durch die Anzeige ein Drogengeschäft durch die Lappen ging“, sagt Staatsanwalt Sönke Voß in seinem Plädoyer. Er forderte ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Durch sein beharrliches Leugnen habe sich F. einige Chancen verbaut, grundsätzlich sei eine Fortsetzung der Straftaten zu erwarten. Für den Angeklagten spreche, dass er seit einem Jahr nicht mehr straffällig geworden sei.

Beschuldigt wird Jens F. auch wegen zweier Körperverletzungen. Eine am Ahrensburger S-Bahnhof blieb ohne größere Folgen. Dieser Vorwurf wird in Anbetracht der schwerer wiegenden Anklagen fallengelassen. Kritischer wird da eine Schlägerei am U-Bahnhof West in Ahrensburg bewertet. Vor einem Jahr waren F. und sein Mitangeklagter dort auf einen jungen Mann getroffen, der eine Bekannte von ihnen schubste und beschimpfte. Aus nicht erwiderter Verehrung für die 16-Jährige. F., sein Mitangeklagter und vermutlich noch weitere Täter stürzten sich auf den erfolglosen Romeo, schlugen und traten auf ihn ein.

Die Verfahren gegen eine ganze Reihe von weiteren Beschuldigten wurden eingestellt. „Mehrere gegen einen, das ist unfair“, sagt eine Zeugin dazu aus. „Von einer Nothilfe kann da keine Rede mehr sein“, sagt der Richter. Der Mitangeklagte erhielt wegen der Schlägerei eine Geldstrafe von 1200 Euro, die der Betreuungsverein bekommen soll. Beide müssen die Kosten des Verfahrens tragen, die angesichts der Vielzahl von Zeugen erheblich sind.

F. wurde außerdem verurteilt, dem Wirt seine 700 Euro zurückzuzahlen. Dazu kommen noch 200 Euro Geldstrafe aus einem früheren Urteil, die noch nicht bezahlt wurden Und er erhielt eine Weisung zu sechs pädagogischen Gesprächen.

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