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Bad Oldesloe : Ehrenwerte Herren und renitente Suffragetten – es lebe die Freiheit

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Proben für „1848 - Freiheit für Oldesloe“ des Theatervereins Badomat laufen auf Hochtouren. Premiere ist am 15. Mai.

Bad Oldesloe macht Theater: Aufruhr im beschaulichen Städtchen Oldesloe! Bürgermeister von Colditz ist in heller Aufregung, denn der dänische Kommissar Jonasson droht, dänische Truppen in die Stadt zu holen, weil er Verrat und einen Aufstand der Oldesloer Bürger befürchtet.

Doch das ist erst der Anfang, denn nicht nur die Männer spielen verrückt, sondern auch einige ebenso aufsässige wie kluge Frauen greifen zu ungewöhnlichen Mitteln, um sich der lästigen Dänenherrschaft zu entledigen und gleichzeitig auch für sich selbst ein Stückchen Freiheit und Emanzipation zu gewinnen.

Für das Historienspektakel „1848 – Freiheit für Oldesloe“ proben die rund 40 Darsteller zweimal pro Woche, allerdings nicht immer in voller Besetzung. Zurzeit feilt Regisseur Sven Lenz mit seinem Badomat-Ensemble am zweiten Teil des Theaterstückes, das am 15. Mai im Kulturhof uraufgeführt werden soll.

Drei einflussreiche Männer plustern sich gehörig auf und verwalten ihre Macht. Da ist zunächst einmal Bürgermeister von Colditz, der von Manfred Thomsen stimmgewaltig und äußerst glaubwürdig dargestellt wird. „Ich will Ruhe und Frieden für meine Stadt. Ansonsten halte ich mein Fähnchen in den Wind“, beschreibt Manni Thomsen seine Rolle.

Mit dem Zeitungsverleger Julius Schythe, dem Gründer des heutigen Stormarner Tageblatt, kommt er eigentlich ganz gut aus. Harry Mähl gibt dem ersten Oldesloer Zeitungsverleger eine ganz eigene und intensive Gestalt. „Ich bin mit Leib und Seele Zeitungsmacher und irgendwann wird mein Überlebenstrieb geweckt. Es streiten sich zwei Seelen in meiner Brust“, sagt Harry Mähl, der seine liebe Mühe und Not hat mit Jonasson, dem cholerischen dänischen Gesandten, der von Ulf Schwinum eindringlich dargestellt, ja fast schon karikiert wird. „Ich mache mich hier gern zum Kasper, denn mein Job ist ernst genug“, sagt der 47-Jährige, der in Kiel als Banker arbeitet. „Jonasson ist die personifizierte NSA mit Allwissenheitsanspruch, er vertritt die Macht des dänischen Königs. Im Laufe des Stücks wird er aber zunehmend lächerlich gemacht und am Schluss fast nackt weggejagt“, erzählt Regisseur und Autor Sven Lenz.

Ja, und dann gibt es zu den Herren der Schöpfung natürlich weibliche Gegenspieler, die sich nie auch nur ansatzweise die Butter vom Brot nehmen lassen und ihren ganz eigenen Kampf führen. Schythes Ehefrau Jakobine ist ehrlich, treu und sozial eingestellt. „Ich bin der ruhende Pol, anständig und eine moralische Instanz“, sagt Darstellerin Ines Lachs, die genau weiß, wann und wie sie ihren Ehemann Julius bändigen muss.

„Sie manipuliert mich“, klagt Harry Mähl, der als Schythe ganze 20 Jahre jünger sein soll, als er ist. „Ich werde mir die Haare tönen und den Bart abrasieren“, meint der 67-Jährige.

Auch Schythes Schwester Susanna ist äußerst selbstbewusst und eine Revolutionärin, wie sie im Buche steht. Sabrina Ward hat sich mit dieser Rolle schon regelrecht identifiziert. Die junge Marketing-Managerin hat jedenfalls keinerlei Probleme damit, patriotische Reden zu schwingen und sogar das Frauenwahlrecht zu fordern, so dass der Bürgermeister sie als „renitente Suffragette“ bezeichnet

Und dann ist da noch die junge und etwas schüchterne und verzagte Edwine Schneeden, die nicht ganz zufällig eine große Namensähnlichkeit mit dem Whistleblower Edward Snowden hat. Die pfiffige Pastorentochter wird von Vanessa Sacharow zunächst etwas naiv gespielt, doch schon bald läuft die 21-Jährige zu Hochform auf. Und natürlich darf eine zärtliche Liaison mit dem Wochenblatt-Redakteur Franz Coch nicht fehlen. Oder, wie Bürgermeister von Colditz es ausdrückt: „Die Beiden sind romantisch engagiert.“

Regisseur Sven Lenz lehnt die Figuren, die fast alle auch wirklich in Oldesloe lebten, und die Handlung an historische Gegebenheiten an. Ja, so hätte es vor 167 Jahren im kleinen Stormarner Provinzstädtchen wirklich zugehen können.

Garniert wird die Handlung durch skurrile Figuren, wie den Kurpfuscher Dr. Reiking, etwas gelangweilte und nicht eben helle Soldaten und zwei lebensgroße Puppen, die den dänischen König und dessen Gattin darstellen sollen.

Es gibt viel Witz, Spannung, Action, Tumulte und jede Menge kabarettreife Szenen. „Wir haben beim Proben viel Spaß“, lacht Sven Lenz, der seine Protagonisten beim Sprechen ihrer Texte viel lobt, aber auch mal korrigiert oder vormacht, wie es noch besser klingt. Die Dialoge müssen sitzen, und an der Betonung, Lautstärke und Tonlage, der Mimik und Gestik wird genau gefeilt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. „Du darfst norddeutsch sein, glatt und gerade heraus. Und denk dran, du schreist hier auf dem Marktplatz rum, denn es gab ja noch kein Dolby Surround“, ermuntert der Regisseur den Akteur Peter Grunwald, der einen Vertreter des gemeinen Volkes spielt.

Im Mittelpunkt stehen immer wieder die Würde und die Grundrechte des Menschen, und dazu gehört bekanntermaßen auch das Briefgeheimnis, das in dem Theaterstück ganz anders ausgelegt wird. „Ich bin der Bürgermeister, für mich gilt das nicht“, behauptet beispielsweise Manni Thomsen, wenn er heimlich geklaute Briefe liest.

Ob die Revolution in Oldesloe wirklich gelingt, können die Besucher dann im Mai miterleben, wenn das Badomat-Ensemble mit seinem turbulenten Open-Air-Stück im Kulturhof zwischen dem Bürgerhaus und der Redaktion des Stormarner Tageblatts an zwei Maiwochenenden insgesamt neun mal auftreten wird.

 

 

 

>Karten gibt es im Kundencenter des Stormarner Tageblatts in Bad Oldesloe, Mühlenstraße 21.




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erstellt am 16.Feb.2015 | 11:52 Uhr

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