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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 07:21 Uhr

Bad Oldesloe : Ehrenbürger wird 90 Jahre alt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Walter Busch ist ein Phänomen und sportlich selbst im hohen Alter. Heute feiert der Oldesloer Ehrenbürger seinen 90. Geburtstag.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 06:00 Uhr

Alles oder gar nichts – halbe Sachen sind nicht so sein Ding. Das gilt auch heute noch für Walter Busch, der sein ganzes Leben lang vollen Einsatz geleistet hat – meist für andere. Heute feiert einer der bekanntesten Oldesloer einen runden Geburtstag, und man mag es glauben, oder nicht: Walter Busch wird 90 Jahre alt.

Wo fängt man an bei einem Mann wie Walter Busch, der bekannt ist in Stadt, Kreis und Land wie der sprichwörtliche „bunte Hund“? Er ist ein Phänomen, eine Kapazität nicht nur im Vereinssport, sondern auch als Pädagoge, Organisator und Freund. Kontaktfreudig, zupackend, begeisterungsfähig und leidenschaftlich – auch mit 90 Jahren hat Walter Busch nichts von seinem legendären Elan und seiner Tatkraft eingebüßt. Seine Ehrungen – die vielen Orden und Medaillen verwahrt er in mehren Kästchen zu Hause auf – sind zahlreich. Besonders stolz aber ist der Jubilar auf das Bundesverdienstkreuz
1. Klasse, den silbernen Ehrenschlüssel der Stadt Bad Oldesloe und ein schweres Metallwappen mit dem Stormarner Schwan, das ihm vor 20 Jahren der damalige Kreispräsident Hubert Priemel verlieh, als Walter Busch nach 36 Jahren das Amt des ersten Vorsitzenden beim VfL Oldesloe aufgab.


Seit 80 Jahren Mitglied im VfL


Seit 80 Jahren ist Walter Busch VfL-Mitglied, insgesamt arbeitete er 51 Jahre lang im Vorstand des größten Sportvereins Stormarns mit, ist dessen Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzender. Mehr sportliche Ehre und Engagement geht kaum noch, sollte man meinen. Doch Walter Busch führte von 1969 bis 1995 auch den Landessportverband als Vizepräsident. Hier lag ihm ganz besonders das Mutter-Kind-Turnen am Herzen, dessen Fachwart er im Landes-Turnverband fünf Jahre lang war. Und so ist er seit 22 Jahren auch Ehrenmitglied des Landessportverbandes. 1977 wurde ihm die Sportplakette des Landes Schleswig-Holstein vom damaligen Ministerpräsidenten Dr. Gerhard Stoltenberg überreicht, mit dem er auch privat befreundet war. Die Schleswig-Holstein-Medaille folgte im Jahr 1984.

„Sport war für mich immer das A und O“, betont Walter Busch, der in Neumünster geboren wurde und als Sechsjähriger mit seinen Eltern und seiner Schwester Christel nach Bad Oldesloe zog. Sein Vater wurde als Oberlokomotivführer dienstlich in die Kreisstadt versetzt und die Familie zog in die Grabauer Straße. Hier machte der junge Walter auch erste Erfahrungen mit dem Oldesloer Landboten, 30 Exemplare trug er täglich nach der Schule in seiner Straße aus. „Meine Eltern bezogen ab 1936 den Landboten, das Abo kostete 1,75 Reichsmark. Damals war es für mich die Zeitung in Oldesloe und ich habe noch die Jahrgänge 1938/39 zu Hause liegen“, erzählt Walter Busch, der sich seit jener Zeit dem Stormarner Tageblatt eng verbunden fühlt. Dass er als Arbeiterkind die Oberrealschule besuchen konnte verdankte Walter, der stets zu den besten Schülern gehörte, einem Freiplatz, denn seine Eltern konnten das Schulgeld nicht aufbringen. Die Stadt bezahlte dem begabten Pennäler die Gebühren samt Lehrmitteln. Ein folgenschwerer Einschnitt in seinem Leben traf den 16-Jährigen kriegsbedingt, als er 1943 bis Kriegsende zur Marine-Flak eingezogen wurde. „Diese Kriegserfahrung war hart und sehr prägend für mich“, erinnert sich Walter Busch. „Aber ich habe auch immer sehr viel Glück gehabt, bin immer behütet worden.“

Nach dem Krieg holte Walter Busch sein Abitur nach und überlegte dann, was er beruflich machen könnte. Sportlich war der junge Mann von Kindesbeinen an und seit seinem 10. Lebensjahr Mitglied im VfL. Da lag es nahe, Sport zu studieren. Er schaffte es ins Vorsemester des Hamburger Instituts für Sport und Sportwissenschaften und studierte dort vier Semester lang. „Ich lernte den ganzen Betrieb und fast alle Sportarten kennen. Nur Fußball mochte ich nicht“, gesteht Walter Busch, der sich zunächst zum Volksschullehrer und später zum Mittelschullehrer ausbilden ließ. Der Sport, den er in jeder freien Minute im Verein ausübte, stand stets im Mittelpunkt seines Lebens. 1947 machte er sogar einen Bergsteigerlehrgang in den Alpen mit, seitdem ist er als „Nordlicht“ auch Mitglied im Deutschen Alpenverein. Skifahren, Turnen, Leichtathletik, Tennis, Hockey, Schwimmen – es gibt nur wenige Sportarten, die Walter Busch nicht ausgeübt hat. „Ich komme aber vom Turnen, das ist meine sportliche Heimat“, betont Walter Busch. 1952 trat er seine erste Lehrerstelle an der Stadtschule an und unterrichtete 43 Zweitklässler, viele waren Flüchtlinge. Für viele verwaiste Kinder wurde er zum Vaterersatz und zu einigen hat er bis heute Kontakt. Der junge sportliche Lehrer konnte begeistern und die Kleinen hingen an ihm.

Währenddessen stieg Bad Oldesloe langsam aber sicher zur sportlichen „Hauptstadt“ des Landes auf. Ende August 1957 wurde im Travestadion das Gauturnfest des Schleswig-Holsteinischen Turnverbandes veranstaltet – mit mehr als 7500 Wettkämpfern und Besuchern. Walter Busch hatte die Aufgabe, das Gaufest auszurichten. „Ich hatte eine Super-Mannschaft. Das war der Beginn meiner sportlichen Karriere auf Landesebene“, erinnert sich Walter Busch, der seitdem jede Menge Feste und Wettkämpfe organisierte. „Bad Oldesloe wurde 1968 nach einem Turnfest in der Stormarnhalle erstmals bundesweit in den Sportnachrichten genannt und war in den 70er Jahren auch zweimal die landesweit sportlichste Gemeinde“, erzählt Walter Busch nicht ohne Stolz, denn sicherlich hatte er großen Anteil an dem Erfolg seiner Heimatstadt.


Keine Zigaretten, kein Schnaps


In den 70-er Jahre war Bad Oldesloe das Mekka des Kunstturnens, und Rundfunk- und Fernsehmoderatoren sowie Zeitungsreporter kamen in die Kreisstadt, um live zu berichten. Inzwischen hatte Walter Busch eine Familie mit vier Kindern, seine Frau Monika hatte er am Lehrerseminar kennengelernt. Familie, Ehrenamt, Beruf, Haus und Garten – das alles hielt Walter Busch nicht davon ab, als Oberturnwart neben Spiel- und Sportfesten alljährlich auch noch Zeltlager für Kinder und Jugendliche zu organisieren. Das Mutter-Kind-Turnen hob er 1969 ebenfalls aus der Taufe, es wurde ein Riesenerfolg. Als Lehrer der Theodor-Storm-Realschule, die er bis zu seiner Pensionierung leitete, gab er tausende Schulsportstunden.

Und was ist das Geheimnis seiner riesengroßen Vitalität? „Keine Zigaretten, kein Schnaps, viel Bewegung, ein Leben lang Sport“, sagt Walter Busch lapidar. So fährt er immer noch Rad und ackert in seinem großen Garten. Aber auch das Ehrenamt lässt ihn bis heute nicht los. Die Stadt dankte es ihrem Sohn Walter Busch 1988 mit der Verleihung eines Ehrenschlüssels und 1996 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Was jetzt noch fehlt, ist eine Walter-Busch-Straße – aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

















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