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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 20:52 Uhr

Durch kritischen Artikel ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Rückblick: Als Verleger Julius Schüthe im Blauen Haus eingesperrt wurde

Als 1839 das erste „Oldesloer Wochenblatt“, der Vorläufer des Stormarner Tageblatts, erschien, gehörte Holstein noch zum dänischen Königreich. Julius Schüthe hatte den Landboten deshalb auch als Sprachrohr der deutschen Bevölkerung aus der Taufe gehoben. Zwar war den Zeitungen aus Kopenhagen Pressefreiheit zugesichert worden, doch konnte einem Redakteur der Beleidigungs-Paragraph schnell zum Verhängnis werden.

Vor gut 175 Jahren erwischte es Julius Schüthe, der sich damals noch mit „y“ schrieb. Der Anlass war ein auch heute wieder aktuelles Thema. Dänemark wollte aus Geldmangel eine Vermögenssteuer erheben, was bei der Bevölkerung für große Verärgerung sorgte. Unter der Überschrift „Verspätet, aber noch früh genug“ erschien am 9. November 1850 ein nur mit „n“ gekennzeichneter Artikel gegen die Zwangssteuer, die Bürgermeister und Amtsvorsteher erheben sollten.

Der Autor kritisierte die Zusammensetzung der „Schätzkommission“ für die Vermögenssteuer. Der gehörte nämlich auch Oldesloes damaliger Bürgermeister von Colditz an, der als Führer des Hypothekenbuches gleichzeitig zur Verschwiegenheit verpflichtet war. Von Colditz fühlte sich beleidigt und stellte im Magistrat den Antrag, den Namen des Autors festzustellen. 24 Stunden gab man Schythe Zeit für die Antwort. Der weigerte sich fristgerecht. Der Bürgermeister erstattete daraufhin Strafanzeige wegen „gröblicher Beleidigung“, und der Magistrat rief das holsteinische Obergericht in Glückstadt an. Das gab den Fall an das Amt Traventhal ab.

Mittlerweile hatte sich allerdings der Goldschmied Hahn als Verfasser des Artikel bekannt. Hahn, der ebenso wie Schüthe der Stadtvertretung angehörte, wurde 1851 zu drei Tagen bei Wasser und Brot verurteilt. Den Spruch des Traventhaler Amtmanns hob das Kieler Oberappellationsgericht zwar im Mai 1852 wieder auf, doch im Sommer wurde trotzdem ein Hauptverfahren gegen Hahn und Schüthe eröffnet. Am 11. April 1853 wurden die beiden in das Amtshaus nach Traventhal bestellt, um das Urteil entgegenzunehmen. Hahn wurde wegen einer „öffentliche Injurien enthaltenden Schmähschrift“ zu zehn, Schüthe zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Während Hahn Berufung einlegte, trat Schüthe die Strafe an und meldete sich am 9. Mai 1853 zum Abbüßen. Das Gefangenenhaus nannte er „Hotel Stricker“. Im Volksmund hieß es – wie auch heute noch– das Blaue Haus. Ganz schlecht kann es dem Verleger, Buchdrucker und Redakteur dort nicht gegangen sein. Auch wenn er zu Wasser und Brot verurteilt wurde, schrieb er seiner Frau, dass liebe Hände ihn mit vielen Leckerbissen und allerlei Getränken bedächten und dass er sich die guten Zigarren bestens schmecken lasse. Während der Auseinandersetzungen hatte sich Schüthe ernsthaft mit dem Gedanken getragen, nach Amerika auszuwandern und einen Käufer für das Wochenblatt, das später in „Oldesloer Landbote“ umgetauft wurde, gesucht. Er blieb aber, als die Dänen die Konzession verweigerten. Es war nicht die schlechteste Entscheidung. Die Geschäfte liefen jetzt so gut, dass Schüthe das alte Geschäftshaus abreißen konnte. 1856 wurde ein Neubau eingeweiht, in dem die Zeitung mehr als 125 Jahre produziert werden sollte.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 15:55 Uhr

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