Hoisdorf : Dunkle Momente der Geschichte

Museumsleiter Klaus Bustorf ist beeindruckt von dem Plakat über die als Sportpalastrede bekannte Propagandarede Goebels.
Museumsleiter Klaus Bustorf ist beeindruckt von dem Plakat über die als Sportpalastrede bekannte Propagandarede Goebels.

Im Stormarnschen Dorfmuseum legen Schulwandbilder Zeugnis deutscher Geschichte zwischen 1914 und 1945 ab

shz.de von
06. Mai 2015, 12:43 Uhr

Schulwandbilder zeigen Dunkle Momente Deutscher Geschichte -1914 - 1945. So lautet der Titel einer Sonderausstellung, die im Stormarnschen Dorfmuseum zu sehen ist. Damit beteiligt sich das Museum an der Aktion „Der Kreis Stormarn liest ein Buch“.

In chronologischer Folge hat Museumsleiter Klaus Bustorf und sein Team die Tafeln vom 1. Weltkrieg bis Ende des 2. Weltkriegs geordnet, die teilweise aus eigenem Bestand stammen, teilweise Leihgaben der Uni Würzburg sind. Die Tafeln wurden bis in die 70-er Jahre hinein als wichtiges Medium verwendet, um Schülern Wissen über Technik, Natur, fremde Kulturen und eben auch Geschichte zu vermitteln. In der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar, waren sie wichtige Lehrmittel, bis sie irgendwann als unzeitgemäß erachtet und entsorgt wurden.

Das Dorfmuseum hatte das Glück, von Schulen aus Lasbek und Großhansdorf solche Karten zu bekommen. Etwa 300 Stück finden sich im Museumsbestand. Zudem hat sich Klaus Bustorf aufgemacht, von der Forschungsstelle Historische Bildmedien in Würzburg noch ergänzende Tafeln auszuleihen und zu jeder Tafel eine Erklärung zu formulieren. „Dabei habe ich selbst noch viel gelernt“, sagt er. Großes Lob kam von der Kreiskulturreferentin Tanja Lüthje: „Das ist ein unheimlicher Arbeitsaufwand gewesen, Respekt“, sagte sie. Gezeigt werden insgesamt 22 Tafeln, so der scheinbar unterwürfige Händedruck Hitlers, als Reichspräsident Paul von Hindenburg ihn im März 1933 zum Reichskanzler ernennt. Dieses Bild beeindruckte auch Besucherin Gisela Ritscher (83): „1939 war ich fünf Jahre alt und wollte meinen Vater verstecken, weil er eingezogen wurde“, erinnert sich die alte Dame, die auch noch gut das Plakat „Sieg oder Bolschewistenchaos“ vor Augen hat.

Deutlich wird auch die Zerstörungen deutscher Städte im 2. Weltkrieg, der Bau der Autobahnen, Aufmärsche, die Speisungen durch die Quäker. Auch die Judenverfolgung wird auf den Plakaten dargestellt, die teilweise abgemalte Fotografien oder Gemälde sind.

>Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Juni zu sehen. Das Museum ist dienstags von 9 Uhr bis 12 Uhr, am sonnabends von 14 Uhr bis 17 Uhr und nach Anmeldung (04107-4556 und 4435 geöffnet.







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