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„Du musst wissen, wer du bist und du brauchst einen Plan “

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Blick hinter die Kulissen des Theater Lübecks eröffnet die Sicht auf verschiedene Theaterberufe

„Ich erkenne Fighter sofort. Ihre Stärken, ihre Schwächen. Ich weiß, wie jeder von ihnen tickt.“ Ein tiefer Blick, direkt in die Augen des Zuschauers. Ein linker Haken, dann ein rechter, dann zischt ein Kick durch die Luft. Schauspieler Philipp Romann bewegt sich als Boxtrainer in Jogginghose durch das Landschaftszimmer, einen kleinen Raum im Theater Lübeck, etwa so groß wie ein Klassenzimmer. Eine schwarze, glänzende Plane, der Boxring, liegt auf dem Boden und gibt dem Publikum das Gefühl, sich in einem Boxclub aufzuhalten – dort spielt das Theaterstück „Fighter“.

Knut Winkmann führt Regie bei diesem Stück, das er mit Philipp Romann geschrieben hat. An manchen Tagen haben sie acht Stunden lang geprobt, um das Stück über den jungen Boxschüler Sami, der seinen Weg und Platz in der Gesellschaft zu finden versucht, einzustudieren.

Einige Stunden zuvor sitzt Romann lächelnd und gestikulierend im Theatercafé, wo er von seinem Berufsleben als Schauspieler erzählt. Philipp Romann ist seit 2009 freiberuflicher Schauspieler. Er absolvierte zunächst ein vierjähriges Schauspielstudium, das Übungen zur Ausprägung von Mimik und Gestik, aber auch das Bilden einer lauten, tragenden Stimme umfasste.

Nach dem Studium war er zunächst fest am Theater Lübeck angestellt. „Wenn man fest angestellt ist, gehört man im Prinzip dem Haus“, sagt er. So komme es dann auch mal vor, dass man Dinge spielen müsse, auf die man keine Lust habe, zum Beispiel nackt auf der Bühne zu stehen oder zu singen.

Stressig ist es aber auch, wenn man nicht fest angestellt ist und sich für jede Rolle neu bewerben muss. Außerdem muss man manchmal den Wohnort wechseln, da man oft an unterschiedlichen Theatern arbeitet. Welches Stück gespielt wird, entscheiden letztendlich das Theater und die Dramaturgin Katrin Aissen.

Sie gestaltet nicht nur den Spielplan, auch die Beurteilung der Proben, die Korrektur der Drehbücher und das Schreiben der Theaterzeitung zählen zu ihren Aufgaben. 60 Arbeitsstunden pro Woche sind da nicht selten.

Außerdem nimmt das Einstudieren der Texte viel Zeit des Schauspielers in Anspruch. „Ich lese mir die Texte laut vor.“ Zum Beispiel für die Rolle eines Boxtrainers. Dieser sagt jetzt: „Du musst wissen, wer du bist, du musst wissen, was du willst, und du brauchst einen Plan. Es gibt kein links, kein rechts, nur geradeaus. Wer stehen bleibt oder nicht dazu passt, ist raus.“

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