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Prozess in Ahrensburg : Drogen, Bedrohung und immer wieder Schlägereien

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein 17-jähriger Bargteheider muss sich wegen zahlreicher Delikte in Ahrensburg vor Gericht verantworten. Einige Zeugen waren allerdings nicht zu der Verhandlung erschienen.

Mit Jens F. (Name geändert) möchte sich so leicht niemand anlegen. Der 17-jährige Bargteheider hat eine kräftige Figur. Der Mitangeklagte Klaus W. (19) ist eher schmächtig, eine Körperverletzung traut man ihm kaum zu. Dennoch sind beide vor dem Schöffengericht in Ahrensburg angeklagt, dazu kommt noch der Vorwurf räuberischer Erpressung.

Das Gericht hat es nicht leicht, denn die beiden wichtigsten von insgesamt 16 geladenen Zeugen sind nicht erschienen. Drei Punkte umfasst die Anklage, gewichtigster ist die räuberische Erpressung. Nur deshalb steht auch Klaus W. vor Gericht. Er soll Jens F. dabei unterstützt haben, vermeintliche Schulden einzutreiben.

Am 11. Mai vergangenen Jahres hatten die Angeklagten zufällig den Schuldner Horst G. in Ahrensburg getroffen. Voller Angst floh der in ein griechisches Restaurant am Bahnhof, dessen Inhaber er kannte. „Jens F. kam hinterher und gab ihm eine Backpfeife. Er war außer sich vor Wut“, schildert der Wirt als Zeuge, „daraufhin floh Horst G. auf die Toilette und schloss sich ein.“ Der Wirt verwies den Angreifer aus dem Lokal und forderte ihn auf, die Angelegenheit draußen auf der Terrasse zu verhandeln.

Der bedrohte Schuldner gestand dem Wirt dann, dass er Jens F. tatsächlich 700 Euro schuldig sei. Als Pfand händigte Horst G. dem Angeklagten zunächst sein Handy aus, bekam es später aber zurück. Denn der Wirt bot Horst G. an, seine Schulden als Vorschuss zu begleichen, er könne es im Restaurant abarbeiten.

Der Hauptangeklagte leugnet die aggressive Geldeintreibung und die Bedrohung des Zeugen: „Das stimmt nicht.“ Eine Zeugin hatte das Geschehen auf der Restaurant-Terrasse allerdings beobachtet. „Es ging um Geld, das er nicht zurückzahlen konnte oder wollte“, sagte die 16-jährige Ex-Freundin von Horst G. aus.

Der Wirt hatte gehört, dass die Forderung auch das Resultat aus einem gescheiterten Drogen-Deal sein könnte. Vor Gericht erschien Horst G. nicht, so bleiben viele Fragen offen. Auch ein weiterer Anklagepunkt hatte mit Marihuana zu tun. Dabei ging es um eine Zeugenaussage, die Jerns F. belastet hatte. Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei keine Drogen bei Jens F. gefunden, wohl aber bei einem Mitangeklagten in einem weiteren Verfahren: 20 Tüten mit „Gras“ und eine Feinwaage. Das Geschehen soll vor dem Landgericht geklärt werden.

Jens F. ist auch angeklagt, einen Zeugen geschlagen und eingeschüchtert zu haben, damit der seine Aussage vor der Polizei zurückziehe. Das sei drei Mal beim Bargteheider Stadtfest im vergangenen Jahr geschehen. Das Opfer hielt seine Anzeige aber aufrecht. Allerdings erschien auch dieser Zeuge nicht vor dem Schöffengericht.

Deshalb konnte zunächst nur über die dritte Anklage verhandelt werden, auch wenn auch hier das verprügelte Opfer fehlte. Es ging um verschmähte Liebe und eine Schlägerei am U-Bahnhof West in Ahrensburg. Ein junger Mann hatte seine Angebetete zu einem klärenden Gespräch gebeten, nachdem er sie schon mehrfach bedroht hatte. Die Zeugin war mit Freunden zuhause, als der dort anrief und nacheinander alle anderen Anwesenden anpöbelte und beleidigte.

In einer Gruppe zog die heute 17-Jährige dann los Richtung U-Bahnhof. Dort traf sie den verschmähten Romeo, der sie schubste. Daraufhin kam ihr der Angeklagte zu Hilfe und schlug auf den jungen Mann ein, unterstützt von einem weiteren.

Schließlich ging es auch um eine Schlägerei beim Ahrensburger Stadtfest. Die beiden Opfer waren erschienen, konnten sich aber nicht gut erinnern. „Ich war angetrunken“, sagte einer, „auf einer Skala von eins bis zehn würde sagen, sechs bis sieben.“ Welche Einheiten diese Skala habe, fragt der Richter Ulf Thiele. „Bei zehn wäre der Blackout“, lautet die Antwort.

Die Verhandlung wird am kommenden Donnerstag um 9 Uhr in Ahrensbburg fortgesetzt. Die fehlenden Zeugen werden erneut geladen. Sollten sie wieder nicht erscheinen, müssen sie mit einer Vorführung durch die Polizei rechnen.

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