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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 01:00 Uhr

Drogen-Anbau im Norden blüht

vom

Hohe Cannabis-Wirkstoffe bei Selbstanbau / Suchtgefahr steigt

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 09:00 Uhr

Kiel | Der Trend geht zur Plantage. Immer mehr Schleswig-Holsteiner bauen Cannabis in extra dafür erstellten Indoor-Zuchtanlagen an. Das bestätigt Mathias Engelmann, Dezernatsleiter beim Landeskriminalamt. "Den Trend gab es früher in anderen Staaten, seit etwa zehn Jahren beobachten wir das auch verstärkt in Schleswig-Holstein."

Dank der Zuchtbedin gungen haben die Pflanzen einen höheren Gehalt des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). "Deshalb spreche ich bei Cannabis nicht mehr von einer weichen Droge", sagt Engelmann. Früher lag der THC-Gehalt bei wenigen Prozent, heute bei über zehn. "Das gilt in Konsumentenkreisen als guter Stoff", sagt Christian Scholz von der Landesstelle für Suchtfragen. Durch den Fortschritt der Technik sei der Marihuanaanbau leichter und billiger geworden. "Anleitungen mit Fotos und Videos finden sich im Internet", so Scholz.

Keine illegale Droge werde so häufig konsumiert wie Cannabis. "Je stärker der THC-Gehalt, desto stärker die Wirkung, aber auch die mögliche Abhängigkeit", sagt Engelmann. Wer in den 60er Jahren Hasch geraucht habe, könne das nicht mehr mit der Wirkung des heutigen Marihuanas vergleichen.

Prof. Dr. Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters und erklärt, warum Jugendliche besonders gefährdet sind: "Junge Menschen, die mit 14 oder 15 Jahren einsteigen, bleiben in ihrer psychosozialen Entwicklung auf dem Niveau stehen, auf dem sie sich bei Beginn des regelmäßigen Cannabisgebrauchs befanden." Die Gefahr von Schulabbrüchen steige. Die Jugendlichen seien oft demotiviert, die Gedächtnisleistung lasse nach. Studien zeigten, dass sogar der IQ-Wert durch regelmäßiges Kiffen sinken kann.

Die Zahl der entdeckten Drogenvergehen auf Schulhöfen im Norden steigt laut Kriminalstatistik, die Dunkelziffer sei aber hoch, sagt Engelmann. Es sei "illusorisch" zu glauben, dass auf Schulhöfen keine kleinen Deals stattfinden. "Diese illegale Droge ist so verbreitet, dass jeder Jugendliche damit irgendwann in Berührung kommt." Die Polizei könne zwar durch mehr Fahnder mehr Taten aufklären, aber Drogen gebe es immer noch genug. "Wir können Tonnen sicher stellen, der Preis auf dem Markt bleibt gleich."

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