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Missbrauch in Ahrensburg : Drei Jahre Mahnwachen im Hagen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Ahrensburger Missbrauchs-Initiative bewertet die Aufarbeitung der Fälle durch die Kirche mittlerweile positiv, auch wenn es noch zu langsam vorwärts gehe.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 19:14 Uhr

Angesichts der Finanznot der Kirchengemeinde Ahrensburg und der Schließung der Johanniskirche ist ein anderes wichtiges Thema in den Hintergrund gerückt. Noch immer ist der sexuelle Missbrauch nicht vollständig aufgearbeitet. Seit drei Jahren gibt es Mahnwachen, auch am Montagabend vor dem Kirchsaal Hagen. „Es ist viel passiert, aber es ist auch viel liegengeblieben“, sagt Anselm Kohn, der selbst Opfer von sexuellen Übergriffen war.

Für die Betroffenen sei noch nicht viel herausgekommen. „Sie warten noch immer auf eine Entschädigung“, sagt Wolfgang Meichßner von der Initiative. Die Opfer benötigten diese Hilfe schon deshalb, um ihre Therapien zu bezahlen. „Nicht immer bezahlt das die Krankenkasse“, so Meichßner.

Anselm Kohn ist der Riss bewusst, der sich seit drei Jahren durch die Kirchengemeinde zieht: „Da wechseln Menschen die Straßenseite, um anderen nicht zu begegnen.“ Für diese Zerwürfnisse fühlt er sich mit verantwortlich. Aber das anhaltende „Nicht wahrhaben wollen“ findet er auch nicht richtig. „Es gibt Anhaltspunkte, dass etwa 50 Menschen von den Übergriffen durch des Pastors K. wussten.“

Auch dessen Kollege Pastor Friedrich Hasselmann. „Das hat er uns gegenüber bestätigt, sich aber auf sein Schweigegebot berufen“, sagt Meichßner. In der vergangenen Woche hatte sich die Initiative mit Hasselmann getroffen. „Im Peter-Rantzau-Haus“, sagt Meichßner, der wegen eines Raums für das Treffen zunächst bei Pastorin Anja Botta nachgefragt hatte. Sie habe ihn auf die Sitzung des Gemeinderats verwiesen.

Hasselmann habe sich auf seine Schweigepflicht berufen, so Peter Meincke. Das Gespräch sei aber konstruktiv gewesen, sagt Meichßner: „Wir haben ihm unsere Sicht geschildert, dass ohne sein langes Schweigen viele Missbräuche nicht geschehen wären.“ Die Unversehrtheit der Betroffenen sei ein viel schwerer wiegendes Rechtsgut: „Und das hat er damals in Kauf genommen.“

Kirchenrechtlich läuft noch ein Verfahren gegen Hasselmann. In der ersten Instanz sah es keine hinreichenden Gründe für ein Disziplinarverfahren. Über den Widerspruch der Kirchenleitung sei noch nicht entschieden. „Das Verfahren schiebt sich immer weiter hinaus“, kritisiert Meichßner.

Positiv wertet Kohn die Kommissionen, die zur Aufarbeitung und Entschädigung ins Leben gerufen wurden. „Die Landeskirche hat dafür eine neue Stelle eingerichtet“, sagt Kohn. Einen Teilbericht erwartet Meichßner für Ende Januar. „Ich habe den Eindruck, dass die Kommission unbeeinflusst Fakten sammelt.“ Die vom Missbrauch Betroffenen, die sich offenbart haben, sollen dann Lotsen an ihre Seite bekommen.

„Die Mahnwachen gehen vorerst weiter“, sagt Meichßner, „an jedem Montag und bei jedem Wetter.“




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