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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 17:48 Uhr

Bad Oldesloe : Doriell, die Meerjungfrau ...

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wassernixe Franziska Ernst lädt zum Schnuppertag ins Travebad ein: Probeschwimmen im Kostüm für jedermann und jederfrau.

Da werden Träume wahr: Am Sonntag, 12. Februar, wird im Travebad von 14 bis 17 Uhr ein Meerjungfrauen-Schnuppertag angeboten. Abtauchen in eine andere Welt und schwerelos durch das Wasser gleiten. Franziska Ernst macht dieses Angebot möglich. Sie ist Teilzeit-Meerjungfrau. „Ich liebe das Wasser“, erzählt sie: „Das Meer war schon immer mein Freund. Das Wasser gibt mir Ruhe und Sicherheit, im Wasser fühle ich mich frei.“

Sie engagierte sich schon als Kind für alles, was mit Wasser zu tun hat, wurde Rettungsschwimmerin bei der DLRG und lernte später sogar Gerätetauchen. Franziska Ernst schwärmt noch immer von diesem Moment: „Das Erlebnis, als sich zum ersten Mal das Wasser über meinem Kopf zusammenschloss und ich in meiner Welt angekommen war, ist einfach unbeschreiblich.“

Ihr Tauchlehrer war damals voll des Lobes, vermutete, sie würde schon lange tauchen. Sie habe eine Ruhe ausgestrahlt, dass sie Fische in ihren Schwarm aufnahmen. „Der arme Mann konnte ja nicht wissen, dass ich eine verwunschene Meerjungfrau bin, die wegen eines Fluchs keine Flosse mehr ausbilden kann“, erzählt sie mit einem fröhlichen Augenzwinkern. Über diesen Traum, diese Vision ihren großen Wunsches redete sie damals nicht. Eine Frau mit 42 Jahren und Kleidergröße 46 ... Das änderte sich im Jahr 2013 schlagartig. „Ich tat das beste in meinem Leben, ich bestellte mein erstes Tail“, verrät Franziska Ernst. „Tail“ ist englisch und bedeutet so viel wie „Schwanz“ – in der Szene werden so die Kleidungsstücke genannt, die aus zwei Beinen einen fischartigen Unterleib machen und in einer großen Schwanzflosse münden. „Sozusagen die Prothese“, formuliert es Franziska Ernst, die damit zu „Doriell“ wird.

Eigentlich ist die 45-Jährige Friseurmeisterin mit einem eigenen Salon in der Hamburger City. Das Tail ließ sie sich ins Geschäft schicken. „Ich zog die Flosse im Aufenthaltsraum meines Salons gleich an und was dann geschah, ist für einen Außenstehenden glaube ich schwer nachzuvollziehen: Ich war vollkommen! Das Puzzleteil in meinem Leben, das fehlte, war nun bei mir.“ Ihr sei Schlagartig klar gewesen, dass nichts mehr so sein konnte wie früher. Doriell: „Seitdem ist das Meermaiding, wie es neudeutsch genannt wird, nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.“

2014 startete sie die Homepage www.meerjungfrauentreff-nord.de – sich austauschen, Tipps geben und gegenseitig über Veranstaltungen informieren. „Aber das wichtigste ist“, so Doriell: sich zu einem Schwarm zu finden. Viele Kinder haben diesen Traum, trauen sich aber nicht alleine mit dem Kostüm ins Wasser zu gehen. Aber nicht aus Angst, damit nicht schwimmen zu können.“

Für Meerjungfrauen ist es nicht einfach, ihrem Hobby nachzugehen. Längst nicht jedes Bad erlaubt die Verwendung der großen Monoflossen, wie Tails technisch bezeichnet werden. Und wenn dann noch Meerjungfrauen im Schwarm auftreten, legt so mancher Bademeister sein Veto ein.

Im Hamburger Festland-Bad war man offen für Doriell und ihre Begeisterung. So entstand Meerjungfrauen-Schnuppern und weil auch andere Bäder auf sie aufmerksam wurden, zog der neue Trendsport Meermaiding nach und nach Kreise. Doriell: „Seitdem bin ich Meerjungfrau in Teilzeit und freue mich, überall Menschen zu ermöglichen, sich in eine Meerjungfrau oder einen Meermann zu verwandeln. Das Lachen in den Augen der Kinder und Erwachsenen ist einfach überwältigend.“ Kinder könnten den Hüftschwung meist intuitiv. „Die machen sich da keinen Kopf drum“, sagt Doriell: „Und Männer können das von Natur aus aus der Hüfte.“ Bei Frauen müsse sie gelegentlich mit Tipps etwas nachhelfen. „Meine älteste Teilnehmerin war 75 Jahre alt“, verrät Franziska Ernst.

Auch die Stadtwerke wurden auf Doriell aufmerksam und holen sie für einen Schnuppertag ins Travebad. Das Probeschwimmen im Meerjungfrauenkostüm ist kostenfrei, es muss nur der normale Eintritt bezahlt werden. Voraussetzung ist mindestens das Bronze-Abzeichen und Schuhgröße 34, Mitzubringen sind Schwimmbrille und Badebekleidung. Kostüme bringt Franziska Ernst mit. Mittlerweile kauft sie die nicht mehr, sondern näht sie selber. Auf ihrer Homepage veröffentlicht sich dazu Anleitungen. „Weil die Kinder natürlich mit den Tails über den Boden schrubbeln, muss ich nachher flicken. Das sind dann noch mal ein paar Stunden extra.“ Doch die nimmt Doriell auf sich.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 04.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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