Doch kein Schnee von gestern - alle wollen Filmdoku sehen

Volles Haus: Filmemacher Claus Oppermann stellt sich den Fragen im Oho-Kino.
1 von 4
Volles Haus: Filmemacher Claus Oppermann stellt sich den Fragen im Oho-Kino.

Der Winter 1978/79 ging als so genannte "Schneekatastrophe" in die Geschichte ein. 30 Jahre später versammelten sich jetzt 150 neugierige Zuschauer, um sich die Dokumentation "Schnee von gestern" der Kieler Filmemacher Gerald Grote und Claus Oppermann im Oldesloer Oho-Kinos anzuschauen.

Avatar_shz von
09. März 2009, 10:57 Uhr

Bad Oldesloe | "Es war für uns keine Frage. Solche Aktionen muss man auch mal unterstützen. Da schaue ich auf die Idee und nicht auf meinen Gewinn", so Kinobesitzer Heinz Wittern, der mit seinem Team bis zuletzt versuchte, allen Platz- und Eintrittskartenwünschen gerecht zu werden. Unterstützt wurden die Filmemacher auch durch die Volksbank Stormarn, die nicht nur Geld für die Produktion beigesteuert hatte, sondern auch am Sonnabend vor Ort war und den Film überhaupt erst in das Oldesloer Kino geholt hatte. "Wir finden, dass das ein gelungener Film und eine gelungene Aktion ist. Daher engagieren wir uns in diesem Bereich", so Holger Wrobel, Vorstand der Volksbank Stormarn. Auch der sh:z hatte die Filmemacher unterstützt und sie von Anfang an als Medienpartner begleitet.

"Nichts gegen die anderen Filme, die hier sonst gezeigt werden. Aber ich glaube nicht, dass es ein anderes Werk in letzter Zeit geschafft hat, dass vier Generationen es sich gemeinsam angucken. Hier kommt die Oma mit dem Enkel an der Hand", freute sich Claus Oppermann, der mit seinem Kollegen die unendlich vielen Erinnerungsfilmchen der Schleswig-Holsteiner zusammengesammelt hatte und aus den Super-8-Filmen eine zusammenhängende Doku schnitt. Aus ihrem Gesamtbudget hätte nicht mal eine Minute Tatort produziert werden können, so der Filmemacher. Umso mehr freue man sich über den großen Erfolg, der "uns total überrascht hat. Statt 15 Vorführungen sind es jetzt schon mehr als 70".

Nicht immer sei die Produktion ein leichtes Unterfangen gewesen, erklärte er dem Publikum. "Auf den Bändern fanden wir natürlich auch ganz viele Urlaubsbilder und Kindergeburtstage. Manchmal war leider gar keine Schneekatastrophe mit dabei", so Oppermann. Auch Material aus Stormarn sei verwendet worden, das "Sie heute vermutlich hier gar nicht erkannt haben, weil ja alles zugeschneit war".

Bei vielen Besuchern, die das Ereignis damals miterlebt hatten, kamen die Erinnerungen wieder hoch und es waren zumeist positive. "Alle haben zusammengehalten. Es war ein tolles Gefühl und es ist ein sehr gelungener Film", berichtete ein ältere Dame.

"Ich würde das auch nicht Katastrophe nennen. Bei jedem Flugzeugabsturz werden viel mehr Menschen getötet und verletzt. Das sind Katastrophen. Dieser enorme Schneefall damals war es aus meiner Sicht nicht unbedingt", erklärte Oppermann. Er habe damals schulfrei bekommen und wünsche auch der heutigen Generation, dass es nochmal "richtig Schnee gibt, ohne dass natürlich jemandem etwas ernsthaftes passiert".

Andreas Berghusen berichtete nach dem Film, wie er als Soldat mit dem Zug liegen geblieben war und am Ende zurück in die Kaserne gebracht wurde. "Es war schon Wahnsinn zu sehen, wie all die Fahrgäste in die Notunterkünfte gebracht wurden und wie alle mitten auf der Strecke aussteigen mussten. Wir hatten Glück im Unglück, dass das gut gegangen ist". Auch die Oldesloerin Luise Blunk hat lebhafte Erinnerungen an die Tage im Schnee, denn ihr Sohn Carsten kam damals zur Welt. Gemeinsam mit ihm und seinem Bruder Martin, schaute sie sich den Film an. "Alle Nachbarn und Freunde haben mitgeholfen und die Ausfahrt und die Wege freigeschaufelt. Der Schneepflug kam erst viel zu spät, da waren wir schon längst auf dem Weg ins Krankenhaus", blickte sie zurück.

Auch die jüngere Generation fühlte sich durch den Film gut unterhalten und Claus Oppermann sich daher in seiner Arbeit bestätigt. "Es ist der unterhaltsamste Film über eine Katastrophe, den es je gab, glaube ich". Ob es eine Fortsetzung geben wird, weiß er noch nicht. Material wird aber auch weiterhin gesichtet und gesammelt.

Im Oho-Kino gibt es aber definitiv eine Wiederholung des Films. Aufgrund des großen Erfolgs wird er am 21. März ab 11 Uhr erneut gezeigt werden.

Weiterhin gibt es den Film außerdem auf DVD in der Geschäftsstelle des Stormarner Tageblatts in Bad Oldesloe, in der Geschäftsstelle der Volksbank Stormarn in Bad Oldesloe und im OHO-Kino. Mehr Infos im Internet unter www.8mm-kino.de.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen