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Ahrensburg in Not : DLRG soll für Flüchtlinge weichen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Weil Ahrensburg Flüchtlinge unterbringen muss, soll die DLRG aus den Räume im Reeshoop raus. Am Dienstag diskutiert der Sozialausschuss über die Kündigung der Mietverträge.

Die Flüchtlingswelle aus den Kriegs- und Hungergebieten hat Stormarn erreicht. Das hat Konsequenzen für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG ) und den TÜV Nord in Ahrensburg. Sie sollen voraussichtlich ihre bisherigen Unterkünfte am Reeshoop räumen. Die Stadt erwägt eine Kündigung der Mietverträge, am Dienstag ist das Thema im Sozialausschuss (19.30 Uhr, Peter-Rantzau-Haus).

Erst aus der Tagesordnung haben die Ehrenamtlichen des DRK-Ortsverbands davon erfahren. „Man hätte zunächst das Gespräch mit uns suchen können“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Monika Raddatz. Erst vor vier Jahren hat die DLRG dieetwa 60 Quadratmeter große Unterkunft erhalten. „Vorher haben wir 40 Jahre lang gesucht“, sagt Pressesprecher Lothar Raddatz. Das Holzhaus mit zwei Wohnungen war für Asylsuchende gebaut worden.

Der Kreis hatte der Stadt mitgeteilt, dass bis Ende kommenden Jahres mit bis zu 30 weiteren Zuweisungen von Flüchtlingen zu rechnen ist. „Wir sind rechtlich verpflichtet, diese Menschen aufzunehmen“, sagt Rathaus-Sprecher Andreas Zimmermann. Ebenso viele Flüchtlinge wurden in den vergangenen 24 Monaten aufgenommen. Derzeit leben 64 in Ahrensburg, 46 in städtischen Unterkünften, die damit ausgelastet sind. Am Reeshoop könnten zwei Familien mit bis zu zwölf Personen eine Bleibe finden. „Wir sträuben uns nicht gegen die Asylpolitik und wollen gern helfen“, sagt Lothar Raddatz, „zu uns kommen doch arme, traumatisierte Menschen.“

„Hätte die Stadt mit uns gesprochen, wäre die Welle nicht so hochgeschaukelt“, sagt seine Frau. Vor zwei Jahren, als es um die Preisstruktur im Badlantic ging, sei die Verwaltung genauso vorgegangen. „Die Stadt tut sich schwer mit Kommunikation“, sagt Lothar Raddatz. „Wir haben diskutiert, ob wir den Verein vorher informieren“, sagt Zimmermann. Da der Ausschuss die Entscheidung treffe, habe man sich dagegen entschieden. „Wir wollen erst die Beschlüsse abwarten.“ Zudem würden die Unterkünfte nur wieder ihrer ursprünglichen Verwendung zugeführt und die Kündigung sollte auch nur vorsorglich erfolgen. Nach den Vertragsbedingungen kann das Mietverhältnis mit der DLRG Ende Juni 2014 beendet werden, mit dem TÜV zum Jahresende 2014. „Wenn es anders kommt, können die Verträge wieder in Kraft treten oder es werden neue gemacht“, so Zimmermann. Allerdings sei es schwer, geeigneten Wohnraum auf dem freien Markt zu finden.

440 Mitglieder zählt die DLRG-Ortsgruppe Ahrensburg. „Drei Viertel davon sind Kinder und Jugendliche“, sagt Monika Raddatz, „wir betreuen insgesamt 27 Gruppen. Die Lage so nahe beim Badlantic ist für uns natürlich ideal. Außerdem können die Kinder ohne Gefahr draußen spielen.“ Im Reeshoop werden Schulungen in Erster Hilfe und für Rettungsschwimmer organisiert, der Vorstand trifft sich, und es gibt Bastelabende für Kinder.

Fürs kommende Jahr wird ein Kindergartenprojekt „Baderegeln“ vorbereitet. Zwei Bundesfreiwillige könnten das für den Verein übernehmen, das Schulungsmaterial ist bereits eingetroffen. „Wohin mit unserer Ausrüstung“, das fragen sich die beiden jetzt. Es gebe Alternativen für die Stadt, ist Lothar Raddatz überzuegt: „Das Pastorat in der Rudolf-Kinau-Straße steht leer. Man könnte auch einen Block der Genossenschaftswohnungen in der Immanuel-Kant- oder Hermann-Löns-Straße vorübergehend nutzen.“

Die Kündigung der Mietverträge im Reeshoop würde das Problem der Unterbringung von Flüchtlingen ohnehin nicht lösen, da es weitere Wohnungen benötigt werden. Die Unterkünfte am Wulfsdorfer Weg und Bornkampsweg sind sanierungsbedürftig. Ob sich der Aufwand noch lohnt, müssen Kommunalpolitik und Verwaltung ebenfalls noch klären.

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erstellt am 29.Okt.2013 | 14:59 Uhr

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