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Diskussion um Denkmalschutz lockt viele Zuhörer

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erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kiel/Itzehoe | Es bewegt sich was in Sachen Denkmalschutz. Vor 100 Tagen trat in Hamburg ein neues Gesetz dazu in Kraft. Und auch Schleswig-Holstein hat sich als 14. Bundesland nun auf den Weg gemacht, um den Denkmalschutz zu novellieren. Dafür tritt Kulturministerin Anke Spoorendonk (Foto) zusammen mit Experten bei insgesamt vier Regionalkonferenzen in einen Dialog mit betroffenen und interessierten Eigentümern und Verbänden.

Angeregt von Helmuth Barth aus Hamburg/Borsfleth, fand die erste dieser Konferenzen nun im Wenzel-Hablik-Museum statt. Die Kulturministerin hatte dafür vier Fachleute für Detailfragen dabei: Dr. Christina Wiener und Dr. Martin Lätzel vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa, Dr. Ulf Ickerodt vom Archäologischen Landesamt und der stellvertretende Landeskonservator Dr. Dirk Jonkanski.

Das zahlreich erschienene Publikum setzte sich zusammen unter anderem aus Denkmal-Eigentümern, in dem Bereich tätigen Architekten, einigen Landes- und Kommunalpolitikern und Vertretern einzelner Denkmalbehörden, dem Denkmalrat und der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.. Geladen waren Betroffene aus Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und dem Kreis Pinneberg.

Vorab stellte Dr. Wiener das entwickelte Eckpunktepapier vor. Beispielsweise schlägt das Ministerium vor, Regelungen einfacher und verständlicher zu formulieren und statt einer Unterscheidung zwischen einfachem und eingetragenem Denkmal einen einheitlichen Denkmalbegriff einzuführen. In der anschließenden Diskussion sprachen sich einige Besitzer historischer Bauernhäuser für den Schutz auch einfacher Denkmäler aus. Andere Stimmen befürchteten dadurch längere Genehmigungsphasen.

Zurzeit sind beim Landesamt für Denkmalpflege 9500 eingetragene und rund 12 000 einfache Denkmäler registriert. Das Archäologische Landesamt hat bislang gut 5200 von insgesamt fast 59 000 Objekten erfasst. Ein Hauptziel, darüber waren sich alle einig, ist das Aktualisieren der Bestandslisten bislang erfasster Denkmäler und eine zügige Vervollständigung. Hier ist eine Übergangslösung angedacht, in der Mitarbeiter mit Zeitverträgen den Rückstau abwickeln. Dabei könnten, so eine Anregung aus dem Publikum, auch Ehrenamtler mit eingebunden werden.

Der geplante einheitliche Denkmalbegriff könnte zu einer Verringerung der Anzahl von Denkmälern führen, da ein Teil der einfachen Denkmäler möglicherweise als nicht schützenswert erachtet würde. Außerdem steht statt des konstitutiven das deklaratorische Prinzip zur Diskussion. Danach würde ein Denkmal nicht erst durch einen Verwaltungsakt anerkannt werden, sondern automatisch anhand einheitlicher Kriterien, die, so ein Vorschlag aus dem Publikum, auch im Internet veröffentlicht werden sollten.

So wird eine baldige Rechts- und Planungssicherheit für Denkmaleigentümer angestrebt, denn nur durch die Eintragung in das Denkmalbuch des Landes kann der Eigentümer mit Steuervorteilen und Fördermitteln rechnen. Angeregt wurde die Einrichtung einer Baustoffzentrale und regionaler Häuserbörsen, um Bestand und Bedarf zueinander zu bringen.

Neben dem Blick auf Einzelgebäude kam auch der mögliche Schutz von ganzen Gebäude-Ensembles oder gruppierten Bodendenkmälern wie die Eiderstedter Warften zur Sprache. Wenn eine bauliche Identität verloren gehe, gab Harald Brommer von der Wenzel-Hablik-Stiftung zu bedenken, fehle auch die wirtschaftliche Attraktivität.

Es folgen noch drei weitere Regionalkonferenzen in Lübeck, Plön und Flensburg. Info unter www.schleswig-holstein.de/Eckpunktepapier.

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