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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 10:03 Uhr

Bad Oldesloe : Dilemma im Kindergarten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Erzieherinnen müssen immer mehr Aufgaben erfüllen, doch die Stundenzahl soll nicht erhöht werden. Die Träger wollen mehr Personal. Ende des Monats findet dazu ein Infoabend statt.

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erstellt am 17.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Werden Kita- und Krippenplätze in Oldesloe demnächst teurer? Die Anforderungen an und die Arbeit von Erzieherinnen in Kindertagesstätten werden immer größer – nur bezahlen will das keiner. Ein Dilemma. Um Anspruch und Wirklichkeit, gesetzliche Vorgaben, die Entstehung von Kosten und veränderbare Faktoren zu erläutern, laden vier Oldesloer Kita-Träger (evangelische und katholische Kirche, Stoppelhopser und Lebenshilfe) am Donnerstag, 29. April, 19 Uhr, zu einem Informationsabend ins Haus der Begegnung ein.

Evangelische Kirche und DRK haben vom Kreis bereits vor längerer Zeit einen personellen Mehraufwand für Migrantenkinder genehmigt bekommen. Das hatte bei der Stadt niemand gemerkt, weil die Abrechnungen des Kreises ungeprüft übernommen worden waren. Im Zuge einer Umstellung der Förderung musste die Stadt selber kontrollieren und wurde von 130  000 Euro Mehrkosten überrascht.

Auf die Schnelle hatten Verwaltung und Politik keine Alternative parat, die Summe wurde bewilligt und gleichzeitig eine Arbeitsgruppe beauftragt, eine Lösung für alle Oldesloer Kindergärten zu finden. Zusammen mit den Träger einigte man sich auf acht Prozent Mehraufwand für alle Kindergärten, wie Carsten Geyer, Geschäftsführer der Stoppelhopser, erklärt. Für die evangelische Kirche bedeutet das einen Verlust der Hälfte ihrer Zusatzstunden, alle anderen Kitas gewinnen. Für die Eltern sei das beitragsneutral, weil nur umverteilt werde.

Darüber hinaus gibt es einen Antrag aller Kitaträger, die so genannte Verfügungszeit zu erhöhen. Der Kreis Stormarn hat 20 Prozent bewilligt. Diese Zeit soll für all das verwendet werden, was nicht direkt Arbeit am Kind ist: Führen von Beobachtungsbögen, Umsetzung der Bildungsleitlinien, Hygienevorschriften … Carsten Geyer: „Wir bekommen immer noch das gleiche Geld wie vor 20 Jahren, haben aber doppelt so viele Aufgaben.“ Akribisch hat er sie in einer Präsentation aufgeschlüsselt. Fazit: Ein Großteil der Zeit ist schon mit Urlaubs- und Krankheitstagen weg. Realistisch wären demnach mindestens 30 Prozent.

„Das kann ich nachvollziehen“, räumt Birgit Reichardt-Mewes (CDU) ein, eine der politischen Teilnehmerinnen im Arbeitskreis. Sie verweist aber darauf, dass Land und Kreis ihre Zuschüsse gedeckelt haben. Bei steigenden Kinderzahlen bedeutet das für die Stadt faktisch einen Verlust; zehn Prozent habe die Verwaltung errechnet.

Im Arbeitskreis ist ein Vorschlag erarbeitet worden, die Verfügungszeit auf etwa 30 Prozent zu erhöhen, allerdings inklusive der Mehrbelastungsstunden. „Das ist für jeden mehr als vorher, aber nicht so viel, wie von einigen Trägern gewünscht“, erklärt die Christdemokratin: „Das macht sonst keine Stadt in Stormarn.“ Das wäre aber nicht mehr beitragsneutral hinzubekommen. Auf die Eltern kämen vermutlich eine Beitragserhöhung von 15 bis 20 Euro zu, so Eva Rincke.

Die Pastorin ist der Meinung: „Wenn wir nur weniger mehr bekommen, reicht das nicht, um das Personal zufriedenstellend zu beschäftigen. Hier sind Ehrlichkeit und Offenheit geboten.“ Dafür gehört für sie, dass im Ernstfall gewisse Leistungen wegfallen könnten – Elterngespräche, Feste, Übernachtungen. Darüber wollen die vier Träger bei ihrem Abend umfassend durch den Sozialpädagogen Helmer Haag-Vermehren aufklären.

Die Stadt wird ebenfalls, bei einem Termin, der noch nicht feststeht, Eltern über die Möglichkeiten und Konsequenzen informieren. Birgit Reichardt-Mewes macht deutlich: „Es ist alles offen und noch nichts entschieden.“

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