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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 07:15 Uhr

Teure Umrüstung : Digitale Revolution im Kino

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Oldesloer Oho-Kino hält Anschluss an die Zukunft: Alte Filmprojektoren werden durch moderne Beamer ersetzt. Ab Donnerstag werden Filme nur noch digital gezeigt.

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erstellt am 23.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Im Oldesloer Oho Kino stapeln sich die Kartons, Haufen von Styropor und Noppenfolie liegen rum, und dazwischen wuselt Chef Heinz Wittern mit Staubsauger und Feudel herum. „Gestern Abend habe ich in Saal 1 zum letzten Mal einen Film eingelegt und die Maschine eingeschaltet. Das war schon ein komisches Gefühl“, verrät der Kinobetreiber: „Nicht Wehmut, sondern Spannung, da kommt was Neues: Ab Donnerstag spielen wir komplett digital.“

Ob zum Start in das neue digitale Zeitalter auch 3-D-Filme gezeigt werden können, ist noch fraglich. „Dafür fehlen noch die speziellen neuen Leinwände. Mal können die sofort geliefert werden, mal dauert es ein paar Wochen“, erklärt der Kino-Chef.

Die klobigen Projektoren kommen jedenfalls raus, die großen Teller-Türme auf denen die Filmrollen lagern, enbenfalls – alles „Schnee von gestern. Da es noch gut erhalten ist, kommt es in ein Museum“, kündigt Heinz Wittern an. Nur die Tonanlage bleibe, die sei schon immer gut gewesen.

An der Umrüstung auf Digitaltechnik führt kein Weg vorbei. Kopien auf Zelluloid seien teuer. Das Geld spare sich die Industrie zunehmend. Kleine Kinos geraten so ins Hintertreffen, weil sie erst spät mit Kopien versorgt werden – darunter leidet das Programm massiv. Die Zuschauer wandern ab, weil andernorts attraktivere Filme gezeigt werden, in der Folge wird das Kino herabgestuft und noch schlechter mit aktueller Ware beliefert. Das Problem werde es zukünftig kaum noch geben.

Bislang werden die Filme zerlegt in mehrere „Akte“ angeliefert. Gute 30 Kilo kommen da pro Film zusammen. Zukünftig wird dem Kino nur noch eine Festplatte geliefert. Die Daten werden auf einen Server gespielt und von dort an die neuen Projektoren verteilt. Die Daten sind selbstverständlich verschlüsselt und können deshalb nicht kopiert werden. Mit digitalen Schlüsseln werden die Dateien entpackt, ihre Wiedergabe ist jeweils an einen speziell codierten Projektor gebunden.

55 Kilo wiegt jeder dieser neuen „Beamer“. „Diese Geräte sind nicht ganz so schwer“, erläutert Digital-Kinotechniker Mathias Meyer, „das sind die Stromsparmodelle.“ Er bestückt die Projektoren mit der Software. Seine Kollegen von „Cine Projekt“ verlegen derweil im Vorführraum Kabel und bereiten den Tisch für den Projektor vor. Je exakter sie das Gerät ausrichten, desto besser werde das Bild für den Gast. „Es ist eine einzigartige Qualität“, verspricht Heinz Wittern. Diese Woche sei das Programm wegen der Umrüstung noch „etwas kraus“, ab Donnerstag soll es richtig losgehen.

Mit der neuen Technik wird auch ein neues Konzept für das Kino einher gehen, denn zukünftig werde es nicht nur möglich sein, schneller an Filme zu kommen, sondern auch kleine Dokumentationen vorzuführen. Darüber hinaus können auch das Fernsehprogramm oder besondere Musik-Ereignisse als Live-Stream projiziert werden. Der Programm-Kern wird aber bleiben. Wittern: „Bad Oldesloe hat rund 25 000 Einwohner. Da wollen die Familien was sehen.“

So eine technische Neuausstattung ist nicht mal eben aus der Portokasse zu bezahlen. „Der Spaß kostet so viel, da kannst du dir im Steinfelder Redder auch ein schönes Grundstück und ein Häuschen für kaufen“, verrät der Geschäftsmann. Möglich wurde die große Investition über Zuschüsse, Kredite und eine kommunale Bürgschaft. Heinz Wittern ist überzeugt: „Die Umrüstung ist eine Bereicherung für die Stadt. Damit reihen wir uns ein in die positive Entwicklung der Innenstadt. Das sichert hier langfristig den Kinostandort.“

Zum Start ins Digitalzeitalter werden „Planes“, „Runner Runner“ und „Rush“ gezeigt.

 

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