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Stormarn liest ein Buch: : „Diese wahnwitzige Lebensgeschichte“

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ – 2500 Leser haben im vergangenen Herbst abgestimmt und die ergreifende Familienbiografie ausgewählt

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Etwa 2500 Stormarner haben im vergangenen Herbst über „ihr Buch“ abgestimmt. Die Wahl fiel auf eine Familiengeschichte. „Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ von Jennifer Teege handelt von ihrer Mutter und ihrem Großvater, dem KZ-Kommandanten Amon Göth. Durch den Spielberg-Film „Schindlers Liste“ wurde er einem größeren Publikum bekannt. Jennifer Teege wuchs bei einer Pflegefamilie auf und erfuhr erst im Alter von 38 Jahren von dem makabren Vorfahren.

Ihre Familienbiografie steht im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Der Kreis Stormarn liest ein Buch“. Die Auftaktveranstaltung ist am Freitag, 24. April, im Ahrensburger Marstall, aus dem Buch wird die Schauspielerin Nina Petri lesen. Die Moderation übernehmen Landrat Klaus Plöger und Armin Diedrichsen, für Musik sorgt die Klezmer-Gruppe „Mischpoke“. Die Arbeitsgruppe „Stormarn kulturell stärken“ stellte das Programm gestern im Dorfmuseum Hoisdorf vor. „Es wird ab dem 15. April auf den Internetseiten des Kreises präsentiert“, sagt Kulturreferentin Tanja Lütje. Das Programmheft ist auch in einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckt worden und liegt bereits vor.

Da sich in diesem Jahr die Befreiung des Konzentrationslagers Neuengamme zum 70. Mal jährt, wird auch eine Fahrt an diese Stätte angeboten. Die Erinnerungsstätte ist wie der Rowohlt-Verlag Partnerin der Reihe. Möglich wurde das Literaturprojekt auch durch die Förderung der drei Sparkassen-Stiftungen. Sie finanzieren unter anderem die Busfahrten und unterstützen die Veranstaltungen. Etwa 30  000 Euro werden so für politische Bildung und Kultur investiert. „Das ist etwas weniger als für die erste Reihe vor zwei Jahren“, sagt Jörg Schumacher vom Stiftungsrat.

Mit im Boot ist auch die Initiative „Menschlichkeit und Toleranz“ (MuT) aus Glinde. „Zum Jahrestag der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten am 9. Mai 1933 kommen zwei Lesebusse auf den Glinder Marktplatz“, kündigt Lesepatin Annika Leske an. Geplant sei eine literarische Reise durch die 82 Jahre von 1933 bis zur Gegenwart. Schauspieler, Autoren und Lesepaten tragen Texte in den Bussen vor, dazwischen wird ein Café aufgebaut.

Auch eine Jugendbuchwoche mit Autor Nils Mohl ist geplant. Er bietet Lesungen aus seinen Büchern „Mogel“ und „Es war einmal Indianerland“ und Schreib-Workshops für Schüler an. Er kommt in die Anne-Frank-Schule und das Kleine Theater in Bargteheide, das Emil- von-Behring-Gymnasium Großhansdorf und ins Jugendzentrum „Spinosa“ in Glinde.

Für Jennifer Teege war es ein Schock, von ihrem Großvater zu erfahren. Amon Göth, der Schlächter von Plaszow“ wurde für seine Verbrechen 1946 in Krakau hingerichtet. Sie wuchs einige Jahre bei ihrer geliebten Großmutter auf, die Göths Lebensgefährtin war. Ihre Mutter hat sie erst spät kennengelernt, die Großmutter beging 1983 Selbstmord. Jennifer Teege ist die Tochter eines Nigerianers und einer Deutschen, hat in Israel studiert und ist zurzeit auf Lesereise in den USA. Sie kommt am 6. Mai in die Ahrensburger Allmende für eine Autorenlesung mit Diskussion. Die Lesepatinnen Annika Leske und Ursula Pepper werden dabei sein. Am 11. Mai liest sie im Schloss Reinbek. Vorlesen möchte auch Christa Zeuke, die Vorsitzende der Bürgerstiftung: „Ich bin begeistert von diesem Programm bis zum 17. Mai.“

„Diese wahnwitzige Lebensgeschichte zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Vorbereitungsarbeiten“, sagt Tanja Lütje. „Heute wird viel offener und ehrlicher über das Thema diskutiert als früher“, sagt Schumacher: „Die Zukunft können wir nur gestalten, wenn wir mit der Vergangenheit vernünftig umgehen.“



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