"Diese Kläranlagen sind keine Gefahr"

Die Biologin Angela Bruens hat Kleintiere aus dem Wasser gefischt und erklärt  Arnd Wendland, Klaus Meesen und Frank Schwedhelm (von links), was das Vorkommen für die Wasserqualität bedeutet. Foto: Pantelmann
Die Biologin Angela Bruens hat Kleintiere aus dem Wasser gefischt und erklärt Arnd Wendland, Klaus Meesen und Frank Schwedhelm (von links), was das Vorkommen für die Wasserqualität bedeutet. Foto: Pantelmann

Der Abwasserzweckverband (AZV) Obere Bille betreibt zwei Kläranlagen. Ein Jahr nach Gründung des AZV wurden Analysen vorgenommen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

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04. Juni 2009, 09:54 Uhr

Trittau | In Trittau laufen rund 2200 Kubikmeter Abwasser am Tag durch und in Lütjensee sind es 600 Kubikmeter. Das Abwasser aus den Gemeinden Trittau, Hamfelde/Stormarn, Grande und Kuddewörde wird nach der Behandlung in die Bille sowie aus Lütjensee und Grönwohld in die Stenzenbek mit der Verbindung zum Trittauer Mühlenbach eingeleitet. Seit Jahren werden in den Einleitgewässern chemische und biologische Untersuchungen vorgenommen. "Wir betreiben einen hohen Aufwand", betont der AZV-Geschäftsführer Arnd Wendland und der Verbandsvorsteher Harry Gehrken fügt hinzu: "Unser Bestreben ist auch, die Gebühr zu halten, aber nicht auf Kosten der Qualität."

Täglich kontrollieren die Betriebsleiter, Klaus Meesen in Lütjensee und Frank Schwedhelm in Trittau, die Reinigungsstufen und steuern danach die Anlage. Das geschieht zu etwa 30 Prozent biologisch, "der Rest wird chemisch gefällt. Die Chemikalien werden gebunden, der Schlamm gelangt als gewolltes Düngemittel in die Landwirtschaft", erklärt Schwedhelm.

Ein Jahr nach Gründung des AZV Obere Bille wurden erneut Analysen durch ein Gutachterbüro durchgeführt. Positiv wirkt sich insbesondere die zuverlässige Elimination von Stickstoff aus dem Abwasser aus, der als Nährstoff zu Eutrophierung mit Nährstoffanreicherung zu übermäßigem Pflanzenwachstum und "Umkippen" der Gewässer führen kann. Dies geschieht mit Hilfe der sogenannten dritten Reinigungsstufe auf den Kläranlagen.

Die Biologin Angela Bruens vom Verband für Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO), erläutert die Messergebnisse: Von der Kläranlage Trittau ausgehend wurde die Wasserqualität an drei Probestellen in der Bille mit "gut" bewertet, Gesamt-Stickstoff und Gesamt-Phosphat mit "deutlich belastet", während alle anderen Schadstoffe mit "sehr gering" bis "mäßig belastet" ausfielen.

Anders sieht die Wasserqualität der Kläranlage Lütjensee aus: Während an zwei Probestellen in der Stenzenbek alle Bewertungen mit "gut" und zum Teil mit "sehr gering belastet" abschnitten, wurde fortlaufend an zwei weiteren Stellen im Trittauer Mühlenbach die Wasserqualität mit "mäßig", andere Werte mit "mäßig belastet" ausgewiesen, Nitrat und Gesamt-Stickstoff sogar als "deutlich belastet". Dazu die Biologin: "Alle Gewässer sollten gut sein, aber diese Kläranlagen sind nicht der Grund, warum der ökologische Zustand nicht erreicht wird." Wie es um die Reinheit des Wassers bestellt ist, erkennt sie sofort an den Tieren, die sie mit dem Kescher herausfischt: "Unterhalb siedeln sich andere Tiere an als oberhalb."

Jedes Jahr im Oktober steigt sie mit dem Kescher in die Gewässer und erkennt es schon an der Fischfauna, den Kleinorganismen, Wasserpflanzen und Algen, danach folgt eine Laboruntersuchung, die das Endergebnis liefert. Auch stark gefährdete "Rote-Liste-Arten" werden unterhalb der Einleitstellen der Kläranlagen gefunden, darunter Taumelkäfer und auch der Hakenkäfer, der auf sauerstoffhaltiges Wasser angewiesen ist. Typisch für sauberes Fließgewässer ist die gebänderte Prachtlibelle.

"Wie erreichen wir eine gute Wasserqualität?", fragt Gehrken und macht sich Gedanken um den Mühlenbach. "Anliegende Fischteiche könnten auch zur Qualitätsminderung beitragen", bemerkt Angela Bruens. "Kein Anzeichen für schlechtes Wasser", sagt sie am Klärwerk Lütjensee und holt Schnecken, Teichmuscheln, Eintags- und Köcherfliegenlarven, Wasserläufer und einige rote Würmer heraus, während gebänderte Prachtlibellen umherschwirren.

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