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Stormarner Wochenschau : Die Zähne zusammenbeißen!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Autobahn ist imer für eine, zwei oder drei Überraschungen gut ....

Steinbeißer

Nicht schon wieder, denkt man unwillkürlich, wenn man von falschem Beton auf der Autobahn hört. Gab es in den letzten Jahren überhaupt eine Baustelle, die problemlos war? Zwischen Buddikate und Großhansdorf war der Belag nicht glatt genug, die Baufirma war aber schon pleite. Zwischen dem Kreuz Bargteheide und Oldesloe war „Weichbeton“ verarbeitet worden. Reparaturversuche fruchteten nicht, die komplette Fahrbahn wurde 2011 wieder aufgerissen und neuer Beton eingebaut. Immerhin: 2012 lief es zwischen Oldesloe und dem Kreuz Bargteheide ziemlich gut. Bis auf ein bisschen Glätten gab es nichts auszubessern. Leider ging es nicht so weiter. Auf dem Abschnitt zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe schaffte die beauftragte Firma wenig mehr als die Baustelleneinrichtung, um dann in der Insolvenz des Mutterkonzerns ebenfalls unterzugehen. Auch wenn es nicht möglich war, den Auftrag einfach an den zweitbesten Bieter zu vergeben, wollte man ein Fiasko wie 2010/11 unbedingt vermeiden. Die Baustelleneinrichtung wurde zurückgebaut und man schrieb gleich die Fahrbahn-Erneuerung in beide Richtungen aus. Zischen Februar und Dezember sollte die A 1 erst in Richtung Süden und anschließend in Richtung Norden erneuert werden. Das konnte nur klappen, wenn das Wetter mitspielt, und bislang hat das gut hingehauen. Eine falsche Lieferung Zement sorgte jetzt aber dafür, dass 300 Meter fertige Autobahn wieder aufgerissen werden mussten. Ein ärgerlicher und teurer Schaden, aber wichtiger als ein Fehler, der immer passieren kann, ist die Tatsache, dass er schnell entdeckt, kommuniziert und behoben wurde. Angesichts der vielen Beton-Krisen auf der Autobahn ist unserem Karikaturist Götz Wiedenroth der Steinbeißer eingefallen – in der Gestalt des Lübecker Straßenbauamtsleiters Jens Sommerburg.

Auf Granit gebissen

Die Zähne zusammenbeißen müssen auch einige Landwirte, wenn sie an die Straßenbauverwaltung denken. Werbeschilder, die jahrelang geduldet wurden, müssen abmontiert werden. Die Lübecker Behörde ist für alle überregionalen Straßen außerhalb der Ortschaften zuständig, und da gibt es strenge Regeln, um „die Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs“ zu gewährleisten. Auch wenn drei Meter weiter ein riesiges Plakat stehen mag, vor den OD-Steinen ist fast nichts erlaubt. Da ist ein Werbeschild in weniger als 20 Metern Entfernung von der Straße eine potenzielle Gefahr für den Autofahrer. Und ein Hinweispfeil, dass sich die Hofeinfahrt hinter diesem Busch befindet? Niemals! Bevor der Autofahrer zu stark bremst, soll er doch lieber vorbeifahren und wenden. Gut, das sagt jetzt keiner, aber wer Spargel, frisches Obst oder Gemüse auf einem Hof kaufen will, möchte schon wissen, wo es das gibt und wo er abbiegen soll. Dass man einen Schilder-Wildwuchs verhindern möchte, ist klar. Dass Behörden nach Recht und Gesetz handeln müssen, ist selbstverständlich. Aber Vorschriften lassen sich immer so oder so auslegen. Und bei der Lübecker Behörde scheint ein besonders engagierter Mensch zu arbeiten, der seine Aufgabe ernster nimmt als Kollegen in anderen Regionen. Deshalb müssen jetzt Schilder abgebaut werden, die jahrelang niemanden gestört haben und wo es auch keine Unfälle gegeben hat. Natürlich alles im Namen der Gesetze. Nur: Die sind keine Selbstzwecke, sondern sollen dem Zusammenleben der Menschen dienen. Galt nicht in Paris bis vor kurzem auch noch die Vorschrift, dass Frauen keine Hosen tragen dürfen?

 

Angefahren

Aber wenn Behörden Vorschriften im Sinne der Menschen auslegen, kommt manchmal auch jemand daher, der das nicht glauben mag. In der vergangenen Woche hatten wir an dieser Stelle den Landesvorsitzenden des ADFC dafür „gelobt“, dass er den Ortsverbänden empfahl, ihre Fahrradtouren einzustellen. Zum Glück konnte Hans-Jürgen Heidemann wieder eingefangen werden. Kreis, Landesverkehrsministerium und ADFC-Bundesverband haben klargestellt, dass die normalen Radtouren nicht anmeldepflichtig sind und Unfallschäden über die ADFC-Versicherung abgedeckt sind. Ende gut, alles gut. Aber wozu der Sturm im Wasserglas gut war, wird höchstens Heidemann selbst wissen.

 

Abgefahren

Im geplanten Bürgerwindpark Bargteheide steckt der Wurm drin und nährt sich redlich. Das Großprojekt hängt in der Luft – und das noch über Monate. Abermals hat die entscheidende Behörde, das LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume) – ihr Veto eingelegt – pocht auf immer noch nicht eingereichte Unterlagen, ohne die kein „Ja“ oder „Nein“ gefällt werden kann. Die erneute Galgenfrist läuft – erstmal – bis zum 27. November. Dazu der Rückzieher der CDU, die überraschend gegen die Eintragung einer Dienstbarkeit stimmte, um zusätzliche Lärmbelastung zu verhindern. Dazu Denkmal- und Umweltschutzbedenken. Dazu die eifrige Bürgerinitiative Gegenwind, die noch auf Rückenwind von der EU-Kommission hofft. Und bei alldem ist noch gar nicht raus, ob sich die Windräder auszahlen werden. Wo Eile geboten ist, geht es gerade gar nicht voran. Sollte man sich die ganze Sache angesichts der pechschwarzen Aussichten nicht gleich in die Haare schmieren statt weiter auf die Fahnen zu schreiben? Das umstrittene Vorhaben bleibt eine windige Angelegenheit und Stormarn noch länger erhalten.

 

 

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