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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 22:17 Uhr

Großhansdorf : Die Zähne zusammenbeißen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zu den „Challenges“ für die Achtklässler der Friedrich-Junge Schule gehörte auch eine Alpenüberquerung.

Die Friedrich-Junge Schule bietet jedes Jahr das „My-Challenge Projekt“ für die achten Klassen an. Alle Schüler des Jahrgangs haben sich zusammen mit Lehrkräften einer der sechs Herausforderungen gestellt. Das waren in diesem Jahr eine Alpenüberquerung, ein Triathlon, ein Agility Training, ein Naturerlebnis, „Einklang mit dem Pferd“ und 700 Kilometer auf dem Rad an der Elbe. In der Mensa des Schulzentrums präsentieren die Teilnehmer heute um 18 Uhr ihre Erlebnisse und Eindrücke.

Die Studentin Bentje Luttermann hat die Alpenquerung begleitet und mit Ben, Lara, Justin, Lea, Folke, Marvin, Yannick, Janina, Laszlo, Jannik, Hauke, Lennard und den Lehrerinnen den Bericht „Nordlichter in den Bergen“ verfasst: Hier eine leicht bearbeitete Fassung:

Justin steckt die Stöcke in den matschigen Almwiesenboden. Die Wanderschuhe hinterlassen tiefe Abdrücke im Schlamm und der gelb leuchtende Regenüberzug des Trekkingrucksacks wippt im Takt seiner Schritte. Justin ist gut gelaunt, heute laufen wir nur drei Stunden. Und das vor allem bergab. Er begrüßt enthusiastisch die uns entgegenkommenden Wanderer. Mal „Servus“, mal „Griaß di“, dann wieder „Grüß Gott“. Wir haben schon die ein oder andere Begrüßungsfloskel am Berg kennengelernt. Doch am Ende kommt immer nur eins wirklich authentisch aus uns heraus: Moin!

13 Schüler, zwei Lehrerinnen und eine Studentin haben sich Großes vorgenommen: Die Alpen auf dem europäischen Fernwanderweg E5 in knapp zwei Wochen, zu überqueren. Lara hat sich das Alpenprojekt ausgesucht, weil sie lernen wollte sich durchzubeißen, „eine Entscheidung bis zum Ende durchziehen, auch wenn es mal ungemütlich wird.“ Viele hatten Angst vor der Anstrengung, und die meisten waren unsicher, ob sie die lange Zeit weit weg von zu Hause, ohne Handy und mit wenig Luxus bewältigen würden.

Sie haben die Strecke von Oberstorf durch Österreich bis nach Bozen bewältigt, waren fast jeden Tag fünf bis acht Stunden auf den Beinen. Häufig ging es nicht gerade gemütlich zu. Da war dieser verflixte zweite Wandertag an dem es einfach nicht aufhören wollte zu regnen. „Das Wasser ergoss sich aus Wasserfällen über unsere Köpfe bis in die Schuhe hinein. Wir erlebten Schnee, wir hatten Blasen und Muskelkater und ab und zu schlicht keinen Bock mehr. Wir fragten uns, warum man eigentlich ständig hochlaufen muss, wenn es eh wieder runtergeht. Wieso unsere Rucksäcke oder nicht vielleicht sogar wir mit der Materialseilbahn hochgefahren werden können? Aber dann standen wir plötzlich in Meran. Mit einem Eis in der Hand und der Nase in der Sonne und hatten nur noch eine Etappe bis Bozen vor uns.

Es sind diese Höhen und Tiefen, wie die Berge und Täler, die Auf- und Abstiege, die uns begleitet und uns stärker
gemacht haben. Marvin sagt am Abschlussabend, dass er gerne noch weiter wandern würde. Justin würde die Alpen-Challenge nicht nochmal wählen. Trotzdem ist er – wie alle – stolz, diese zwei Wochen durchgehalten zu haben.

Was uns in Erinnerung bleibt? Sicherlich die stinkenden Socken, die engen Lagerbetten und das lange Laufen. Die Nässe und Kälte und die Schmerzen an Knien, Füßen und Schultern. Das regelmäßige Tagebuchschreiben und die strengen Rucksackkontrollen am Abend. Aber auch die wunderschöne Bergwelt bleibt in unseren Köpfen, die Murmeltiere, Jungkühe und Steinböcke. Der leckere Kaiserschmarrn, die Sommerrodelbahn und die riesige Hängebrücke. Wir haben gemerkt, dass es sich gut anfühlt, jeden Tag draußen und in Bewegung zu sein. Wir waren ein richtig gutes Team und nicht selten trafen uns neugierige Blicke der anderen Wanderer. „Wo kommts ihr denn her? Von Hamburg? Mei, des is ja doll. Da würd‘ I ja heit a gern noch amol zur Schul‘ geh’n.“ Wir haben gelernt, dass wir viel mehr schaffen können als wir glauben, wenn wir nur ein bisschen die Zähne zusammenbeißen.

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