Ahrensburg : Die Welt als Mysterium

„Der Mensch sehnt sich nach klaren Linien und Strukturen“: Armin Chodzinski vor seiner „Eisschollen“-Installation.
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„Der Mensch sehnt sich nach klaren Linien und Strukturen“: Armin Chodzinski vor seiner „Eisschollen“-Installation.

Die Sparkassen Kulturstiftung präsentiert Zeichnungen, Installationen und Texte von Armin Chodzinski im Marstall.

shz.de von
02. Februar 2018, 13:08 Uhr

Der Mensch sehnt sich nach Struktur, nach Erklärungen, nach dem roten Faden, der durch das Leben führt. Gerade in Zeiten der Krisen und Unruhen, der Unsicherheiten ist der Wunsch nach klaren Linien stärker. Außerdem rücke in diesen Zeiten Kunst wieder mehr in den Fokus. Von diesen Annahmen ist der Hamburger Künstler Armin Chodzinski überzeugt. „Das sind keine steilen Thesen, das ist die Wahrheit“, sagt er.

Im Werk des studierten Anthropogeographen spielen Linien eine große Rolle. Und das sowohl als künstlerisches Element seiner Zeichnungen als auch auf einer metaphorischen Ebene sowie als Verbindung zwischen den unterschiedlichsten Ausstellungsstücken, die in der Galerie im Marstall ab dem 4. Februar unter dem Titel „Eismeer und Nebelwanderer“ zu sehen sind. Bei dem Titel denken Kunstkenner natürlich an Caspar David Friedrich und seine romantische Malerei. Mit gestapelten Zeichnungen auf Holztafeln zitiert Chodzinski quasi die Eisschollen aus dem berühmten Gemälde Friedrichs. Doch auch auf inhaltlicher, kunstphilosophischer Geschichte erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Romantik oder ihrem Konzept.


Eismeer und Nebelwanderer

Die Hinwendung zur Natur und die oft düstere Malerei sei eine Gegenbewegung zur einsetzenden Industrialisierung gewesen. Die Überhöhung der Natur stand den Umbrüchen in der Gesellschaft gegenüber. Die große Innerlichkeit der Romantik beschäftigte sich mit den Gefühlen der Menschen und dem Mysterium des Ichs. Heute sei es andersrum. Nicht der Mensch und sein Wesen seien das Mysterium, sondern die ungeordnete, scheinbar chaotische Welt.

Organigraphen – Managementtool, das ein realistisches Abbild von Strukturen in Organisationen liefern soll – und die Suche nach Übersichtlichkeit und Struktur seien somit sozusagen das Pendant zur Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts.

Doch eine Sache ist gleich geblieben. Das Konzept der Romantik entstand aus dem Leiden des Menschen an der Welt. Ebenso entspringt die Sehnsucht nach Ordnung und Verständnis einem Leiden des modernen Menschen an der Welt. In Deutschland sei das Thema Ordnung und Linien allerdings durch die dunklen Zeiten des Nazi-Regimes besonders schwierig. Der Protest gegen bestehende Umstände sei oft inhaltsleer. Ziel des Künstlers sei es, sich selbst oder das eigene Denken und Empfinden in ein Verhältnis zur Welt zu setzen.

„Das hat aber nichts mit dem oft falsch genutzten Begriff der Selbstverwirklichung zu tun. Ein Wort, das ich nicht in Verbindung mit Kunst benutzen möchte “, betont Chodzinski. Neben Zeichnungen und Installationen gibt es Texte und Videos in der Ausstellung zu entdecken.


Eröffnet wird die Ausstellung diesen Sonntag um 16 Uhr in der Galerie im Marstall, Ahrensburg.

Die Schau ist bis 1. April mittwochs, sonnabends und sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

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