Die wechselvolle Geschichte des Oldesloer Bades und ein kurioses Jubiläum

 <strong>Ein Herr Knüppelholz schickte</strong> 1905 diese Postkarte mit dem  Kurhaus in französischer Sprache nach Belgien.
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Ein Herr Knüppelholz schickte 1905 diese Postkarte mit dem Kurhaus in französischer Sprache nach Belgien.

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20. Januar 2010, 04:59 Uhr

Bad Oldesloe | Warum trägt Bad Oldesloe eigentlich den Titel "Bad"? An der Schwimmhalle kann es nicht liegen und auch sonst erinnert eigentlich nichts in der Stadt an einen florierenden Kurbetrieb. Doch vor nahezu 200 Jahren wurde tatsächlich ein äußerst erfolgreicher Bade- und Kurbetrieb im kleinen Oldesloe begründet. Der offizielle Titel "Bad" wurde Oldesloe allerdings erst 100 Jahre später im Jahre 1910 verliehen. Das Kuriose daran ist jedoch, dass zu dieser Zeit der Kurbetrieb längst in den letzten Zügen lag. Und so war Oldesloe 97 Jahre lang ein Bad, ohne den Titel tragen zu dürfen. Nur wenige Jahre lang trug Bad Oldesloe seinen Titel auch zu Recht. Nichtsdestotrotz feiert die Stadt in diesem Jahr das 100jährige Bestehen dieser Titelverleihung, die eigentlich viel zu spät kam.

Das "Königliche Bad" hat eine äußerst wechselvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen und verdankt seinen Ursprung eigentlich einem Zufall. Weil der Oldesloer Apotheker August Friedrich Lorentzen, wie viele andere zu dieser Zeit auch, einen Salzstock unter der Stadt vermutete, ließ er tiefe Brunnenbohrungen vornehmen. Doch die Sole, die herausströmte, stammte aus dem Segeberger Salzstock. Unter Oldesloe gab es nämlich gar keinen. Dafür stieß Lorentzen, der 1812 zum Oberinspektor der Saline ernannt wurde, auf eine schwache Schwefelquelle, was auch nicht schlecht war. Denn Sole und Schwefelwasser konnten als Heilwasser genutzt werden. Der bekannte Landesbaumeister Christian Friedrich Hansen errichtete einen ersten Badepavillon mit sieben Badezellen und ein Haus für den Erwärmungsofen. 1813 konnte der Kurbetrieb mit Sole-, Schwefel- und Moorbädern offiziell eröffnet werden. In dieser dänischen Herrschaftszeit gelangte das Bad zur ersten Blüte. Dafür sorgte auch Oldesloes erster Medicus, Dr. Daniel Hagelstein, als außerordentlich tüchtiger Badearzt. Ein zweiter strohgedeckter Pavillon mit Säulengang und ein Gesellschaftshaus wurden errichtet. Als vorläufiges Kurhaus diente das Inspektorat der Saline auf dem Mährischen Berg. Später kamen eine Restauration und eine Spielbank dazu. Und auf dem Hügel, auf dem heute die Kreisverwaltung ihr Domizil hat, entstand ein Logierhaus mit 32 Gästezimmern.

Lorentzen machte eifrig Werbung für sein Bad: In Oldesloe seien "Nenndorf und Pyrmont, Schwefel- und Salzbad, vielleicht in geringerer Stärke, vereinigt". Im Salzteich, der 1825 mit Badefloß und -karren versehen wurde, konnten Kurgäste in freier Natur Bäder nehmen - fast wie an Nord- und Ostsee. Bereits im Eröffnungsjahr kamen 350 Gäste aus Hamburg und Lübeck, aber auch aus ganz Schleswig-Holstein und sogar aus Dänemark. Bei Gicht, Rheuma, Skropheln (Halsdrüsengeschwulst) und Lähmungen würden die Bäder Besserung bringen, bemerkte Lorentzen in einem Brief. Doch auch für Spiel und Tanz wurde gesorgt, denn die Gäste sollten sich natürlich nicht langweilen. Zudem wurden Picknickfahrten zu Lande, auf der Trave und Beste sowie Ausflüge zu den nahe gelegenen Herrenhäusern organisiert.

Der dänische König genehmigte sie höchstpersönlich. Eine eigene Kurkapelle und eine Theatergruppe sorgten während der Badesaison für Unterhaltung. 1828 wurde an das Gesellschaftshaus ein Saal angebaut - damals der größte in ganz Schleswig-Holstein. Große Auswahl gab es bei den Badezellen: Die Gäste konnten - je nach Budget - zwischen Holz-, Kupfer-, Zinn-, Marmor- und Sandsteinwannen wählen. Insgesamt viermal war auch der dänische König Friedrich VI. in Oldesloe zu Gast, das letzte Mal 1833. Ab da nahm die Zahl der Badegäste erheblich ab, weil Oldesloe inzwischen Konkurrenz durch andere Bäder bekommen hatte.

Um einen Niedergang des Bads zu verhindern, gründeten wohlhabende Bürger eine "Aktiengesellschaft zur Erhaltung des Oldesloer Bades", die sämtliche Gebäude des Kurbades und den Salzteich aufkaufte. Und sie sorgte für eine "Verschönerungsanlage" mit Promenaden, Stäuchern und Rasenplätzen - dem heutigen Kurpark. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm das Bad dann erneut einen kurzen Aufschwung. Denn der Fabrikant und Großindustrielle Dürkopp, der in Oldesloe eine Fahrradfabrik betreibt, findet Gefallen an der Kuranlage und kauft 1898 den gesamten Betrieb auf. Er lässt ein neues, pompöses Kurhaus errichten, zudem eine neue Wandel- und Trinkhalle, ein großzügiges Badehaus und weitere Häuser neben dem Kurhaus. Für die Kurkapelle gab es einen eigenen Musikpavillon auf einem blumengeschmückten Platz. Und endlich war es so weit.

1910 verlieh die preußische Regierung der Stadt endlich den lang ersehnten Titel "Bad". Drei Jahre später feierte man das 100jährige Bestehen des Bades. Als Dürkopp den Kurbetrieb 1916 wegen im Weltkrieg zurückgehender Gästezahlen verkaufen wollte, entschloss sich die Stadt, den Betrieb zu übernehmen. Doch damals wie heute war die Stadt finanziell klamm, Gewinne waren kaum mehr zu erzielen. Im Jahr 1920 ging das Bad noch einmal in Privathand über und der neue Besitzer ließ die große Freitreppe des Kurhauses abbrechen und ein neues Portal bauen. Anschließend war das Kurbad nur noch ein Spekulationsobjekt, das in der Inflationszeit mehrfach den Besitzer wechselte. 1929 musste das Bad zwangsversteigert werden und die Einrichtungen verfielen zusehends.

Bis 1938 setzte sich der damalige Bürgermeister Dr. Kieling für eine Wiederbelebung des Bades ein, doch er scheiterte. Die Gebäude wurden 1938/39 gesprengt - sehr zum Leidwesen der Oldesloer. Inzwischen dürften die Anforderungen an ein Kurbad so hoch sein, dass Bad Oldesloe kaum mehr die Voraussetzungen und nötigen Vorleistungen für einen Kurort erbringen würde. Den Titel "Bad" aber darf es wohl auch in Zukunft behalten.

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