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Nur ein Kandidat : „Die Wahl ist für mich wie ein Zeugnis“

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Janhinnerk Voß ist der einzige Kandidat bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag in Großhansdorf. Die Parteien unterstützen den parteilosen Amtsinhaber, externe Kandidaten hatten sich nicht beworben. 2007 war Voß mit 97 Prozent Zustimmung gewählt worden – eine Ergebnis, das sich nicht wiederholen lässt.

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erstellt am 18.Sep.2013 | 18:00 Uhr

Er hätte es nicht nötig, aber er hat es doch getan. Wenn am Sonntag der neue Bundestag gewählt wird, entscheiden die Großhansdorfer auch über ihren Bürgermeister. Einziger Kandidat: Janhinnerk Voß. Er muss sich also keine Sorgen, machen, dass er nicht wiedergewählt wird, und weil die Bürger ohnehin zur Urne gerufen sind, sollte die Wahlbeteiligung auch nicht so schlecht ausfallen.

Aber der parteilose 48-Jährige hat etwas zu verteidigen. 2007 hatte Voß 97 Prozent Ja-Stimmen geholt, das beste Ergebnis, das jemals in Schleswig-Holstein bei einer Direktwahl erzielt wurde. „Das werde ich natürlich nicht wieder erreichen“, sagt Voß, „aber ich sehe das wie ein Zeugnis für meine Arbeit, Und 85 Prozent hätte ich schon gerne.“ Das soll nicht arrogant klingen, im Gegenteil: „Ich setze mich da vielleicht selbst unter Druck.“

Weil er das tut, hat er auf eigene Kosten eine vierseitige Info erstellen und an alle Haushalte verschicken lassen, ein Flyer im Format DIN A4, in dem er seinen Werdegang, seine Arbeit, das Erreichte und seine Ziele für die nächsten Jahre beschreibt. Und in dem er als erstes Stellung zu der Frage bezieht, ob das denn überhaupt eine Wahl ist, wenn es nur einen Kandidaten gibt.

2001, bei seiner ersten Bewerbung, hatte Voß in die Stichwahl müssen, die er souverän mit 68 Prozent gewann. 2007 wurde er wie jetzt wieder von allen Fraktionen unterstützt, und es gab auch vor sechs Jahren keinen Gegenkandidaten. Die Frist war im August abgelaufen, ohne dass eine Bewerbung einging. Obwohl „es kaum einen Beruf gibt, der so lasche Zugangsvoraussetzungen verlangt“, sagt Voß, der sich ärgert, dass er sich dafür rechtfertigen soll, dass niemand gegen ihn antreten wollte: „Ein bis zwei von zehn Leuten sprechen mich darauf an.“

Voß, der auf Sylt geboren wurde, im Plöner Rathaus lernte und vor mehr als zehn Jahren nach Großhansdorf zog, ist in elf örtlichen Vereinen Mitglied, Vorstand der Großhansdorf-Stiftung und Vorsteher des Schulverbands. Fett gedruckt sind – natürlich – die Bitte, ihm die Stimme zu geben, sowie Dinge, die in den letzten sechs Jahren erreicht wurden: Eine Million Euro in die gemeindliche Infrastruktur investiert, das Schulzentrum wurde erweitert, die Kitas Haberkamp und die Krippe Wöhrendamm gebaut, die Ausgaben für Kinderbetreuung haben sich um 150 Prozent, der Anteil am Schulverband um 130 Prozent erhöht. Das sind jährlich wiederkehrende Mehrausgaben, die man durchaus kritisch sehen kann. Voß hat es hineingeschrieben, „weil viele Eltern sagen, dass wir ja nichts tun würden.“ Kann aber nicht sein, denn die Zahl der Kinder steigt in der Waldgemeinde. „In der Vergangenheit waren es 70 bis 80 pro Jahrgang, jetzt sind es 100 Kinder“, sagt Voß.

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