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Hamberge : Die uralte Backsteinkirche und das Kreuz mit der neuen Technik

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Kirche von Hamberge hat notwendige Sanierungen erfahren. Sogar eine moderne Heizungs- und Lüftungsanlage wurde eingebaut. Nur mit der Bedienung hapert es. Das automatische High-Tech-Gerät ist kompliziert.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 17:16 Uhr

Malerisch liegt die kleine Backsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert auf einem Hügel – umgeben von Wiesen, einem kleinen Wäldchen, dem Friedhof, direkt an der B 75. „Hier wurde in den vergangenen Jahren kräftig saniert, aber es gibt immer noch viel zu tun, um die Kirche auch langfristig für die Nachwelt zu erhalten“, so Pastor Erhard Graf, unter dessen Leitung umfangreiche Maßnahmen getätigt wurden.

Eine Fluchttür wurde eingebaut, sechs historische Fenster saniert, von denen heute zwei ein automatisches Lüftungssystem haben, das wiederum von einer komplizierten, neuen Heizungs- und Lüftungsanlage gesteuert wird. Genau hier ist der Haken. Die Anlage wurde sachgemäß eingebaut. Leider nur habe sich noch keiner gefunden, der die automatische Heizung und Belüftung fachgerecht bedienen könne, so Graf. Daher hofft der Kirchengemeinderat nun, dass sich im näheren Umkreis vielleicht doch ein Ingenieur oder ein Elektroniker findet, der den Mini-Computer richtig programmieren kann, damit eine sachgerechte Lüftung und Beheizung der Kirche möglich ist.

Momentan gehen die Fenster eher wie von Geisterhand auf und zu, obwohl der Messfühler an der Außenwand die richtigen Temperaturen an den Computer übermittelt. Dabei gehe es nicht darum, die Kirche kontinuierlich zu beheizen, sondern sie frostfrei zu halten und ein perfektes Raumklima zu erzeugen, erläutert der Pastor. Ähnlich ist es mit der Glockenschaltanlage. Einige Gemeindemitglieder hätten sich einen Glockenschlag zu Mittag gewünscht, der jedoch bis heute nicht richtig programmiert werden konnte. Außerdem stehen umfangreiche Tiefbauarbeiten an, für die Pastor Graf die Kosten auf mindestens 30  000 Euro schätzt. Geld, das die Kirchengemeinde nicht hat. Auch mit Fördermaßnahmen des Denkmalschutzes könne nicht gerechnet werden, bedauert der Gottesmann.

Nach dem Turmbrand im Jahre 1957 habe man damals eine Mauer zwischen Friedhof und Kircheneingang gesetzt und so einen kleinen, geschützten Vorplatz geschaffen. Gut gedacht, aber leider schlecht ausgeführt, meint der Pastor und zeigt auf den mindestens zwei Mal nachgepflasterten und reparierten Vorplatz sowie auf die sich langsam auflösende Mauer. Bei starkem Regen rutscht das Erdreich vom am Abhang liegenden Friedhof auf die Mauer und den Kirchturm zu, verursacht dort starke Wasserschäden, die im Turminneren bereits deutlich zu sehen sind. Sogar ein Fenster in einem Zwischenraum zerbarst und musste aufgrund des immerwährenden Drucks erneuert werden.

„Eine Probeschachtung hat nun ergeben, dass die Mauer falsch gesetzt wurde und das Wasser nicht weiß, wo es bleiben soll“, so Graf. 60 Jahre Erosion und Wasser hätten deutlich ihre Spuren hinterlassen. Der Architekt habe zu einem neuen Entwässerungssystem und einer neuen Pflasterung geraten.

Traktoren und Lastwagen hätten zudem auf dem Gehweg zur Kirche ihre Spuren und damit einhergehende Stolperfallen hinterlassen. Früher, erklärt Graf, habe es keine gepflasterten Wege und Mauern gegeben, so dass das Wasser ungehindert habe abfließen können. Es gehe hier auch um die Sicherung öffentlicher Wege. Alle Dörfer des Kirchspiels Klein Wesenberg hätten ihren Obolus zur Kirchensanierung vor Ort beigesteuert, in Hamberge sei dies bisher nicht der Fall gewesen. Leider identifiziere man sich hier nicht so sehr mit der Kirche im Ort. Das liege wohl an der Geschichte der Backsteinkirche, die Jahrhunderte lang zum Domkapitel Lübeck gehörte.

Trotzdem hofft der engagierte Pastor beider Kirchspiele auf die Unterstützung der Gemeinde Hamberge. Anders sei die Erhaltung des kommunalen Friedhofs und des Turmes nicht zu bewerkstelligen. Pastor Graf hat außerdem die Vermutung, dass durch die Rammarbeiten für die Reecker Brücke direkt gegenüber Risse in der Kirche entstanden sind. Ein extra dafür angebrachter Marker habe in den letzten Monaten keinerlei Veränderung gezeigt, so dass die neuen Risse seiner Meinung nach nicht durch den Straßenverkehr, wie es die Stadt Lübeck vermutet, entstanden sein können. Graf: „Wir bleiben da am Ball.“

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