Bad Oldesloe : Die Unterstützerinnen

Der Vorstand des Vereins: Dörte Burmeister (v.l.), Astrid Dünnes und Marion Bolfeld.
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Der Vorstand des Vereins: Dörte Burmeister (v.l.), Astrid Dünnes und Marion Bolfeld.

Der Oldesloer Verein „Frauen helfen Frauen“ feiert sein 30-jähriges Bestehen. Viel Lob gab es von Kreis und Stadt.

shz.de von
29. Januar 2018, 12:51 Uhr

Musik, Lob, Dankesreden und Berichte, die mehr als nur nachdenklich machen: Mit rund 120 Gästen feierte der Oldesloer Verein „Frauen helfen Frauen“ im Kultur- und Bildungszentrum (Kub) sein 30-jähriges Bestehen.

Es war im August 1988, als 18 Frauen gemeinsam den Verein „Frauen helfen Frauen“ aus der Taufe hoben. Aus einem ehrenamtlichen, telefonischen Beratungsangebot für Frauen und Mädchen, die sich sexueller Gewalt ausgesetzt sahen, entstand im Laufe der nächsten Jahre eine hochprofessionelle Beratungsstelle, die seit 2001 mit der Tohus gGmbH kooperiert. 2002 wurde der Verein Träger des „Netzwerks gegen häusliche Gewalt in Stormarn“ und bietet seit 2005 proaktive Beratung nach polizeilicher Wegweisung in Stormarn an. Seit 2010 gibt es eine Fachberatungsstelle für Frauen und Mädchen mit Essstörungen. Insgesamt werden jährlich ca. 2400 Beratungen durchgeführt. Eine stolze und zugleich nachdenklich machende Zahl.

Auch das Frauenhaus Stormarn ist als wichtige Einrichtung seit 2004 durch Verschmelzung mit dem Frauenhausverein in die Trägerschaft von „Frauen helfen Frauen“ übergegangen. Zwischen 1999 und 2017 fanden dort mittlerweile 756 Frauen mit 737 Kindern Schutz und die Chance auf einen Neuanfang. „Das bedeutet eine Auslastung von 91 Prozent“, so die Vorsitzende Marion Bolfeld, die durch das Feierprogramm führte.

„Vor 30 Jahren war vieles anders. Eine Me-Too-Bewegung wie heute vermutlich noch gar nicht denkbar. Sie haben damals wichtige Arbeit geleistet und machen es heute noch. Es ist erschreckend, wie viele Frauen in Stormarn noch von Gewalt betroffen sind. Es ist schön, dass es sie gibt, auch wenn es schöner wäre, man bräuchte sie nicht“, so Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke. „Sie waren und sind ein Segen für viele Frauen und ein Musterbeispiel für gelungene Kooperationen“, so Lembke weiter. Die Stadt unterstützte – trotz Loch in der Haushaltskasse – die Arbeit weiterhin, auch wenn er leider sagen müsse, dass der Betrag die nächsten fünf Jahre nicht ansteigen werde.

Die Stadtverwaltung sei vorbildlich was die Gleichberechtigung von Frauen angehe. 80 Prozent der Stabsstellen seien mit Frauen besetzt. Zwei Drittel der Mitarbeiter generell Frauen.

Landrat Henning Görtz lobte das Engagement ebenfalls. Der Kreis unterstütze die Angebote finanziell. Doch auch er wisse, dass sich der Verein noch mehr Mittel erhoffe. „Mehr kann es immer sein. Wir sind da in einem guten Dialog. Ich habe großen Respekt vor ihrer Leistung“, versicherte er. „Ich würde mir wünschen, dass nach den schönen Reden auch finanziell mehr Taten folgen“, so Bad Oldesloes Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlitt. „1000 Euro werden die Stadt nicht in den Ruin treiben“. Es wäre schön, wenn es „ohne Kampf und Krampf um Mittel“ ginge. Sie sei allerdings begeistert, wie Frauen sich in der Kreisstadt füreinander engagieren.

„Mir reißt die Hutschnur, wenn ich hier höre, dass wir über Statistiken reden, die furchtbar klingen. Das darf es gar nicht brauchen. Eine Frau, der etwas passiert, reicht. Es darf keine schockierenden Zahlen brauchen“, so Anke Kock von Frauen helfen Frauen Lübeck. „Wo lassen Sie im Alltag das Gehörte. Wann zeigt es Konsequenzen? Wann steht das Theme in Ausschüssen auf dem Plan?“, fragte sie. Es gebe noch viel zu tun.

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