Abschied aus Trittau : "Die Tafelidee überholt sich nicht"

Brigitte Muche verlässt Trittau und damit auch die Tafel. Foto: bim
Brigitte Muche verlässt Trittau und damit auch die Tafel. Foto: bim

Brigitte Muche, der gute Geist der Trittauer Tafel, verabschiedet sich nach 16 Jahren aus privaten Gründen aus der Region

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29. Juni 2013, 09:38 Uhr

Trittau | Brigitte Muche ist für ihr soziales Engagement bekannt. Sie ist das Gesicht der "Trittauer Tafel", war von Anfang an dabei und hat die Tafel geleitet, seit sie im Jahr 2000 offiziell als Verein gegründet wurde. Zuvor wurde bereits drei Jahre als Ableger der Stormarner Tafel gearbeitet, auch da war Brigitte Muche schon dabei. "Mich hat die Idee fasziniert, gutes Essen nicht wegzuwerfen, sondern denen zu geben, die es brauchen. Die Armut wird nicht weniger, die Tafelidee überholt sich nicht, wie wir anfangs mal dachten".

Doch jetzt möchte die 66-Jährige mal an sich denken und plant nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Herbst nun den Umzug in die Nähe eines ihrer zwei Kinder. Das Haus ist verkauft, die Wohnzimmereinrichtung schon verschenkt. "Ich baue in Schneverdingen ein seniorengerechtes kleines Haus und bin dann als Anlaufstelle für meine vier Enkel zwischen sieben und 16 Jahren da, wenn meine Schwiegertochter wieder arbeiten möchte", sagt sie.

Das bedeutet einschneidende Änderungen für die Trittauer Tafel, denn spätestens ab September fällt sie als Ansprechpartnerin weg. Mindestens zwei Anrufe wegen der Tafel erreichen sie täglich, die müssen nun von den restlichen vier Vorstandsmitgliedern übernommen werden. Die zweite Vorsitzende Ursula Assmann wird die kommissarische Leitung übernehmen, bis bei der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2014 der Vorstand neu sortiert wird und eine neue Vorsitzende oder ein neuer Vorsitzender gefunden wird.

Brigitte Muche geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da ihr die Tafelarbeit sehr am Herzen liegt. Auch jetzt noch, kurz vor ihrem Umzug, macht sie sich Sorgen, ob der Standort erhalten bleibt: "Dringende Renovierungen, zum Beispiel in der Küche, stehen an. Aber es wären ja vergeudete Spenden- und Steuergelder, wenn man das Gebäude ein paar Jahre später abreißen würde". Irritiert haben sie Äußerungen aus der Politik, das Gelände zum Jugendzentrum zu machen. Zudem läuft der Nutzungsvertrag der Tafel nur noch über fünf Jahre.

Aber diese Probleme werden dann ihre Nachfolger regeln. Über 16 Jahre Tafelarbeit resümiert sie: "Schön war, dass immer genug Leute kamen, um zu helfen und teilweise auch die Bedürftigen ihre Hilfe anboten. Die Tafel ist hier zu einer Institution geworden, wo man sich trifft, klönt und wohlfühlt". Nicht zuletzt das Werk Brigitte Muches, denn sie hat eingeführt, dass die Kunden mit Tee und Kaffee bewirtet werden und ab und an gemeinsam gegrillt wird. Als negativ hat sie einige Betrugsversuche in Erinnerung: Leute spielen Bedürftigkeit vor, um Waren zu erhalten, die sie dann verkaufen oder man geht mit fremden Ausweisen zu mehreren Tafeln. Dem ist heute mit einigen Kontrollmechanismen ein Riegel vorgeschoben. 120 Familien nehmen die Hilfeleistungen wöchentlich in Anspruch.

Als Höhpunkt hat sie die Ehrung der Bürgerstiftung Ahrensburg zum zehnjährigen Bestehen in Erinnerung. Auch in ihrem künftigen Wohnort kann sie sich ein ähnliches Engagement vorstellen, allerdings nicht mehr als "Verantwortliche".

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