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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 17:55 Uhr

Die Stunde der Gutachter

vom

Geplanter Bürgerwindpark Bargteheide: Expertisen zum Standort, Schall und zu Turbulenzen vorgestellt

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Bargteheide | Vier Stunden Sitzung sind mittlerweile normal in Bargteheide, wenn es um den geplanten Bürgerwindpark geht. Und wieder johlten oder applaudierten die Gegner lautstark, wenn ihnen ein Argument gefiel oder auch missfiel. Im Bauausschuss schlug wieder eine Stunde der Gutachter. Zur Eignung des Standorts, zu Schall und Windturbulenzen stellten sie ihre Expertisen vor. Im Großen und Ganzen gibt es da keine Bedenken. Für eine Bewertung des Projekts braucht es aber noch mehr Wissen, als es die Gutachter in dieser Sitzung vermitteln konnten.

Es seien Nachberechnungen erforderlich, sagen die Schall-Gutachter unisono. In der Hoffnung auf einen weiteren lukrativen Auftrag? Sie konnten aber auch nicht alle Fakten plausibel für die knapp 100 Zuhörer darstellen. So erklärten die Standortgutachter, bei Volllast der drei Anlagen werde von einer oder zweien der Grenzwert leicht überschritten. Dabei ging es um die Standfestigkeit bei einem Extremsturm, der statistisch nur alle 50 Jahre tobt. "Wenn wir die Leistung um nur 0,2 Prozent herunter regeln, werden die Grenzwerte eingehalten", sagte Joachim Teschke nach der Sitzung. Der Geschäftsführer des Bürgerwindparks war enttäuscht vom Auftritt der Gutachter. "Wir berechnen die Daten aus Referenzmessungen, und das konservativ", sagte Gutachter Christoph Böge, "und die übertragen wir dann auf den Standort." Bei einem Orkan mit 140 Stundenkilometern werde dieser so ermittelte Grenzwert von zwei Mühlen um bis zu 8 Prozent überschritten. Allerdings garantiert der Hersteller die Standfestigkeit dieser bereits erprobten Anlagen. "Anlagenbezogen" berechnet Ingenieur Steffen Wußow. Er kommt dabei ebenfalls auf eine knappe Überschreitung des Grenzwerts für die Stabilität einer Anlage, für den Fall eines Extremsturms.

Das Thema Infraschall sei noch nicht ausreichend erforscht, so Dr. Michael Stalder. Er sieht aber keine Gefahren durch die geplanten Rotoren am Glindfelder Weg. "Lassen sie sich vom Hersteller garantieren, dass es keine Einzeltöne tiefer Frequenz gibt." Eine Art Hintergrundrauschen ohne Tonmodulation sei nach heutigem Wissensstand unbedenklich. Die Sicherheits-Marge sei bei den geplanten Anlagen sehr hoch, sie liege weit unter der Hörschwelle.

Beschwerden aus der Bevölkerung sollten aber ernstgenommen werden, dann sollte unverzüglich nachgemessen werden. Stalder sagte aber auch, "in diesem Bereich gilt die Physik nur zu 30 Prozent, der Rest ist Subjektivität." Sein Fazit lautet: "Ich würde mir keine Sorgen wegen des Infraschalls machen." Die parteipolitisch organisierten Gegner der Windkraft täten ihrer Stadt damit keinen Gefallen, urteilt ein anderer Mitarbeiter in der Verwaltung. Denn sie handelten gegen das Wohl ihrer Stadt und fügten ihr damit auch einen finanziellen Schaden zu. Die Steuereinnahmen würden Bargteheide nicht zugute kommen, wenn Privatinvestoren tätig würden.

"Das Baurecht für die Anlagen besteht ohnehin schon", so Claus Christian Claussen. Wer den Menschen weismache, sie seien noch zu verhindern, handele deshalb unredlich. Ein privater Investor werde sich nicht die Mühe machen, das Pro und Contra so genau zu überprüfen. Und auch nicht die jetzt noch hohen Anforderungen erfüllen. "Dann gilt nur noch das Bundesimmissionsschutzgesetz", so Claussen. Es gibt schon konkrete Investoren-Angebote an die Landbesitzer, die ihnen weit mehr anbieten als sie mit der Stadt vereinbart haben. Dann wird nichts mehr öffentlich diskutiert, die erforderlichen Gutachten gehen direkt an die Genehmigungsbehörde. So könnte die Chance verspielt werden, einen möglichst umweltverträglichen Windpark zu bauen. Und die Stadt bleibt auch noch auf den bisherigen Planungskosten sitzen.

Die Vielzahl der Gutachten erklärt sich auch daraus, dass einige Experten eine Veröffentlichung im Internet verweigerten. "Wir wollen Transparenz im Verfahren, deshalb haben wir weitere Gutachten beauftragt", so Bauamtsleiter Jürgen Engfer.

Das Thema wird wieder am 25. September im Bauausschuss behandelt. Dann wird ein Gutachten zur Auswirkung auf Fauna und Flora vorgestellt.

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