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Stormarner Tageblatt

25. September 2017 | 08:25 Uhr

Bargteheide : Die Stadt und die Drogen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ahrensburgs Kripochef erkennt in Bargteheide keinen Kriminalitätsbrennpunkt, sieht aber ein riesengroßes Dunkelfeld.

„Die Stadt Bargteheide ist kein Brennpunkt der Kriminalität.“ Das ist eine klare Aussage von Ralf Lorenzen, dem Leiter der Kriminalpolizei in Ahrensburg. Auf Einladung des Hauptausschusses berichtete er in der Tagesklinik Tohus auch über die Drogenproblematik in der Stadt. Das Dunkelfeld sei in puncto Drogenhandel allerdings riesengroß. Grundsätzlich gebe es aber keinen Ort ohne Drogenproblematik.

Kirsten Kröger, Bereichsleiterin der gemeinnützigen Gesellschaft Tohus, hat eine andere Wahrnehmung: „Ich finde die Situation ziemlich brisant. Mehr Polizeipräsenz hätte eine positive Wirkung auf das Klientel.“ Unter den Patienten der Tagesklinik sind auch Suchtkranke. Die Streetworker von Tohus hätten über florierenden Handel berichtet. „Heroin, Kokain und synthetische Drogen sind hier demnach ständig verfügbar.“

„Wenn ein Bürger solche Wahrnehmungen hat, sollte er die Polizei informieren“, antwortete Lorenzen. Und zwar nicht anonym, sondern namentlich, sonst gebe es keine Handhabe. Und genau da liege auch ein Problem: „Viele scheuen sich davor, weil sie Angst vor Repressalien haben oder sogar als Zeugen vor Gericht aussagen müssen.“

2015 habe die Kripo in Bargteheide wegen vier Fällen von Kokainhandel ermittelt, zweimal wegen Amphetamin und einmal wegen Heroin. Das sei vergleichsweise wenig. Der Datenschutz sei in Schleswig-Holstein sehr restriktiv und in Wohnungen könne die Polizei in der Regel erst nach richterlichem Beschluss vordringen. Und die Polizeiarbeit stehe im Spannungsfeld mit der Sozialarbeit, so Lorenzen: „Wenn wir Kenntnis von einer Straftat erhalten, müssen wir im Gegensatz dazu ermitteln.“ Das gelte auch für Konsumenten. Schwerpunkt bleibe aber die Bekämpfung von Handel, Schmuggel und dem Anbau von Drogen.

Auch Mathias Steinbuck vom Ausschuss berichtete von Umschlagsorten für Drogen: „Der Spielplatz hinter dem Rathaus ist so einer, das können sogar die Mitarbeiter vom Rathaus aus sehen.“ Die Polizei möge ihren Rechtsrahmen besser ausnutzen. Er habe einen Konsumenten gesehen, der mit seinen Habseligkeiten nackt am Straßenrand stand. Die Polizei sei trotz mehrfacher Anrufe nicht eingeschritten.

Die Polizei arbeite zurzeit am Anschlag, so Lorenzen: Die Personalsituation ist enger als je zuvor.“ Zwar wurden neue Stellen bewilligt, die könnten aber erst nach dreijähriger Ausbildung besetzt werden. Sein Wunsch an die Bürger: „Melden Sie Ihre Beobachtungen namentlich, damit wir die Informationen zuordnen können.“ Das könne auch über Notruf 110 geschehen oder Mail: ahrensburg.kpst@ polizei.landsh.de.




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