Die Seele des Kindergartens

„Erziehung ist ein hartes Stück Arbeit“ – Heidi Boock mit den Hortkindern im Garten des Martin-Luther-Hauses.
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„Erziehung ist ein hartes Stück Arbeit“ – Heidi Boock mit den Hortkindern im Garten des Martin-Luther-Hauses.

Heidi Boock feiert 40-jähriges Dienstjubiläum mit einer Andacht in der Evangelischen Kirche Bargteheide

shz.de von
26. Juni 2014, 11:32 Uhr

Vier Jahrzehnte pädagogische Praxis hat Heidi Boock bereits geleistet. Die Leiterin der Ev. Kita Lindenstraße in Bargteheide steht jetzt vor einer neuen Herausforderung. Im kommenden Jahr wird sich ihr Team verdoppeln. Dann übernimmt sie auch die Leitung der Familienzentrums, das auf der anderen Straßenseite gebaut wird. Zunächst feiert sie aber ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. Dazu gibt es am kommenden Dienstag ab 16 Uhr eine Andacht in der benachbarten Kirche.

Zurzeit arbeitet „die Seele des Kindergartens“, wie ein Vater Heidi Boock einmal genannt hat, im Keller des Gemeindehauses. Dort sind die zwei Elementargruppen des Kindergartens und eine Hortgruppe untergebracht. Denn ihr bisheriges Domizil wird von Grund auf renoviert und umgebaut. Dort sollen ab August zwei Krippengruppen einziehen. „Dann erhalte ich dort auch ein Büro“, sagt Heidi Boock. Die Hortgruppe wird dauerhaft im ehemaligen „Konfi-Keller“ bleiben, sie kann bei Bedarf erweitert werden. Die beiden Elementargruppen ziehen ins Familienzentrum um, das erst 2015 fertig gestellt wird.

Heidi Boock wurde in Nienwohld geboren. „Ich stamme aus einer Großfamilie, die sich im Haus meiner Großeltern versammelte, sagt sie und schmunzelt: „Vielleicht kommt daher mein Helfersyndrom.“ Sie wäre auch gern Krankenschwester geworden, doch für diese Ausbildung war sie zu Beginn ihres Berufslebens noch zu jung. So entschied sie sich für eine Ausbildung als Sozialpädagogische Assistentin, die damals noch Kinderpflegerin genannt wurde. Ihre erste Stelle trat sie in der Kinderstube des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses an.

Schon in den 1970er Jahren gab es einen Mangel an Erziehern: „Pastorin Lindemann bot mir eine Stelle in der Kita Eckhorst an. Sie hat mich quasi abgeworben.“ Dort begann sie am 1. Juli 1974. Nach einer weiteren Berufsetappe in der Kita Mühlentor wechselte Heidi Boock 1981 in die Lindenstraße. „Dort bekam ich eine Halbtagsstelle und hatte Zeit für meine zwei Kinder.“ Nach mehreren Fortbildungen bis zur Kindergarten-Fachwirtin übernahm sie 1993 die Leitung der Kita.

In der Pädagogik habe sich viel geändert. „Anfangs betreute eine Erzieherin eine Gruppe mit 25 Kindern.“ Heute gibt es zwar mehr Personal, doch die Leistungsgesellschaft fordert auch ihren Tribut. „Immer höher, schneller, weiter lautet die Devise“, sagt Heidi Boock kritisch, „besser als damals ist es für mich nicht.“ Bewegungsmangel sei heute ein Grund für die motorischen Störungen vieler Kinder. „Als ich jung war, habe ich auf dem Kantstein balanciert oder bin stehend auf Omas Fahrrad gefahren.“ Auch Verhaltensauffälligkeiten hätten zugenommen.

„Erziehung ist ein hartes Stück Arbeit“, zieht sie Bilanz. Es gehe auch darum, klare Regeln zu vermitteln. „Da kann ich nicht immer die tolle Mama sein, sondern muss auch mal meckern.“ Heidi Boock ist mit Leib und Seele dabei. Christliche Werte spielen eine wichtige Rolle. „Wir machen mit ganzem Herzen auch Religionspädagogik“, sagt sie.

Für die Leitung der Krippe absolviert sie eine weitere Fortbildung. Statt für sechs wird sie demnächst für 13 Mitarbeiter verantwortlich sein. „Von sieben Neuen sind vier Berufsanfänger“, so Heidi Boock. Sie sollen sich hier wohlfühlen. Konflikte scheut sie dabei nicht: „Ich kann Meinungsverschiedenheiten gut aushalten.“ In der Lindenstraße werden demnächst etwa 100 Kinder in drei Elementar- und je zwei Krippen- und Hortgruppen betreut. Eine eigene Gruppe wird sie dann nicht mehr leiten. „Ich muss mich verstärkt um die Konzeption und das Anlaufen der Krippe kümmern.“ Einige 100 Kinder hat sie aufwachsen sehen und dabei viele Anekdoten erlebt. „Neulich haben wir ein Buch über den menschlichen Körper betrachtet und darüber gesprochen, dass Gott alles geschaffen hat“, berichtet sie. Ein Dreikäsehoch kommentierte das so: „Gut, dass er nicht dumm ist.“

Inzwischen ist Heidi Boock dreifache Oma. Sie entspannt sich bei ihren Hobbys Fitnessstudio, Garten, Radfahren und Lesen. „Astrid Lindgren und Märchen schätze ich sehr, mag aber auch Reime und Gedichte.“ Und sie möchte sich um die Enkel kümmern.




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