Fluglärm : Die Routen führen über Stormarn

Die Daten der Deutschen Flugsicherung zeigen, wie die Flieger zwischen 4 und 10. Mai Fuhlsbüttel angesteuert haben.
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Die Daten der Deutschen Flugsicherung zeigen, wie die Flieger zwischen 4 und 10. Mai Fuhlsbüttel angesteuert haben.

Beim Anflug auf Fuhlsbüttel aus zehn nautischen Meilen schwenken die Flugzeuge über Elmenhorst Richtung Hamburg ein

shz.de von
23. Mai 2015, 08:00 Uhr

Es hat sich was verändert am Himmel über Stormarn. Auf Druck der Bürgerinitiative Alstertal und Walddörfer, die seit letztem Jahr auch Ahrensburg im Namen führt, steuern jetzt mehr Flieger den Hamburger Flughafen aus größerer Entfernung an. Zehn nautische Meilen war eine Forderung der Initiative. Das sei international Standard, und dadurch würden die Walddörfer ent-, Stormarn aber nicht mehr belastet.

Ein Viertel der ankommenden Flieger war bislang erst in einer Entfernung von vier bis sechs nautischen Mailen in den – entsprechend steileren – Sinkflug gegangen, ein weiteres Viertel zwischen sieben und neun Meilen. Jetzt sind es mehr Flugzeuge, die Fuhlsbüttel aus größerer Entfernung ansteuern.

Die meisten Flugzeuge kommen aus dem Süden. Sie fliegen über den Sachsenwald und drehen dann zwischen Ahrensburg und Großhansdorf, bei Bargteheide und manchmal auch über Rümpel auf den Fuhlsbüttel-Leitstrahl ein, der quasi im Luftraum über Elmenhorst beginnt. Von dort geht es schnurgerade über Jersbek und Duvenstedt nach Fuhlsbüttel. Zu Beginn des Wendemanövers sind die Flieger etwa 1200 Meter hoch, über Elmenhorst rund 1000, in Jersbek noch 900, in Poppenbüttel nur noch 300 Meter.

In Elmenhorst hat sich einen Initiative gegen Fluglärm gegründet, René Schwartz, Biologe, aus Ahrensburg, appelliert an Bürgermeister Michael Sarach, sich als neues Mitglied der Hamburger Fluglärmschutzkommission „aktiv für mehr Fluglärmschutz im Kreis Stormarn einzusetzen“. Schwartz bemängelt, dass dicht besiedelte Bereiche wie die Städte Ahrensburg und Bargteheide nicht umflogen würden.

Die Wahrnehmung, dass Stormarn verstärkt betroffen sei „ist nicht verkehrt“, sagt Axel Schmidt: „Das hat zugenommen, ist aber sehr unterschiedlich über den Tag verteilt“, so der Leiter des Zentralbereichs Umwelt am Hamburg Airport. Für Ahrensburg habe sich die Situation allerdings nicht verschlechtert, sonder verbessert: „In dem Bereich wurde die Flughöhe von 2500 auf 3000 Fuß angehoben. Das ist das einzige echte Ergebnis aus den Diskussionen der letzten Monate, und hat auch was für ganz Hamburg gebracht.“

Seit einigen Monaten lässt der Flughafen auch in Stormarn den Lärm mit mobilen Messstellen aufzeichnen. In Ahrensburg war der Umgebungslärm größer als der Fluglärm. In der Hamburger Straße wurden maximal 55,2, am Rathaus 59,8 dB gemessen. In Bargteheide und Elmenhorst laufen die Messungen noch. Die Werte sowie alle Flugbewegungen lassen sich seit kurzem im Internet unter http://travis.hamburg-airport.de verfolgen. In Bargteheide sind es meist unter 60 dB, in Elmenhorst bis 65, in Jersbek bis 70 dB. Die Werte werden allerdings auch mal erreicht, wenn kein Flugzeug in der Luft ist - zum Beispiel, wenn ein Lkw vorbeifährt.

„Flugzeuge werden gesehen“, sagt Schmidt, „und man kann sich an den Verkehrsträger wenden.“ Zudem sei aufgrund der Dauerbeschallung in der modernen Welt eine erhöhte Sensibilität feststellbar. Schmidt: „Die allgemeine Lärm-Akzeptanz hat sich in den vergangenen Jahren von 60 auf 52 dB verringert.“ Zehn dB stellen eine Halbierung des Lärms dar. Subjektiv heißt das: Es wird immer lauter, auch wenn die Flugzeuge leiser werden.

Trotzdem setzt Schmidt auf eine Modernisierung und den von Hamburg beschlossenen 16-Punkte-Plan: „Wir sind in der Vorbereitung und wollen mit Politik, Initiativen und Nachbarschaft in Dialog kommen.“

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