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Oldesloer Polizeichef spricht Klartext : „Die Polizei als Probehörnchen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Einführung des Digitalfunks bei der Polizei bereitet weiterhin Kopfzerbrechen. Die Oldesloer Feuerwehr verzeichnet einen Einsatzrekord für das Jahr 2013

Brisante Themen auf der Jahresversammlung der Feuerwehr: Wolf-Rüdiger Traß, Leiter der Polizeizentralstation, prangerte die Schwächen des neuen Digitalfunk an, und die Ortsfeuerwehr berichtete von einem Einsatz-Rekordjahr. Die Oldesloer Brandschützer hatten im Jahr 2013 gleich 343 Einsätze zu bewältigen, darunter ein Großfeuer, acht sogenannte Mittelfeuer (allein sieben in einer Nacht) und 70 Kleinfeuer. 36 Mal schlugen Brandmeldeanlagen an, 30 Mal waren es piepsende Rauchmelder.

Auch die Zahl der technischen Hilfeleistungen, die Ortswehrführer Kai-Uwe Gatermann erläuterte, ist beachtlich: 104 Mal waren seine Einsatzkräfte gefordert, 62 Mal wurde die Feuerwehr zu Unwettereinsätzen gerufen, mit neun Einsätzen schwappte die Elbeflut bis in die Kreisstadt. Insgesamt konnten die Einsatzkräfte 24 Personen retten, für sechs Menschen allerdings kam die Hilfe zu spät.

Bezeichnend: Ehe die Jahresversammlung in der Feuerwache beginnen konnte, musste die Wehr noch einmal zu einem Einsatz in der Lübecker Straße ausrücken. Dort hatte eine Frau Gasgeruch gemeldet, der sich aber nicht bestätigte.

„343 Einsätze bedeuten die höchste Zahl in der Geschichte der Ortswehr Bad Oldesloe. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um 83 Einsätze“, stellte Gatermann fest. Und: Knapp die Hälfte aller Einsätze (151) habe man während der normalen Arbeitszeit absolvieren müssen. Inzwischen bestünden viele Arbeitgeber auf Einhaltung der Ruhezeiten, wodurch diese Einsatzkräfte dann möglicherweise länger als für die Dauer des Einsatzes im Betrieb ausfielen. Innerhalb des Vorstands der Wehr und gemeinsam mit der Verwaltung sei man bemüht, eine Regelung zu finden, um einige Leistungen der Wehr auch finanziell zu honorieren. „Ein Feuerwehrmann bringt schon viel Geld mit, wenn er 343 Mal von zu Hause oder vom Arbeitsplatz zur Feuerwache mit dem eigenen Pkw hin und zurück fährt. Auch die Atemschutzgerätewarte leisten in ihrer Freizeit so viele zusätzliche Stunden zum Einsatz und Übungsdienst, dass man das eigentlich schon längst nicht mehr als selbstverständlich hinnehmen kann“, so Gatermann weiter.

Mit großer Aufmerksamkeit nahmen die Anwesenden (darunter Bürgermeister Tassilo von Bary, Bürgerworthalter Rainer Fehrmann und die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD) die Worte des Leiters der Polizeizentralstation Bad Oldesloe zur Kenntnis. Wolf-Rüdiger Traß berichtete über die Einführung des Digitalfunks. „Die Polizei hat den Digitalfunk inzwischen schon, und zwar mit allen Störungen, die man sich vorstellen kann. Weitestgehend funktioniert das, allerdings ist es sehr gewöhnungsbedürftig. Und in Stresssituationen stoßen wir an unsere Grenzen.“ Das liege an der Technik, die die Verantwortlichen gewählt hätten. Eine Technik, die europaweit ausgeschrieben worden sei. „Es ist schlecht, wenn eine Firma aus Österreich in Norddeutschland tätig wird. Es funktioniert, wie gesagt, nur eingeschränkt“. Unter dem Gelächter er Zuhörer sagte Traß, dass er sich freue, wenn die Feuerwehr das auch bekomme. Die Polizeibeamten seien offenbar die Probehörnchen gewesen.

Landesweit, so Traß, habe man 138 Funkmasten aufgestellt. Es fehlten derzeit noch 40 Masten. Erst wenn alle aufgestellt seien, solle der Digitalfunk komplett funktionieren. Dann werde sicherlich auch die Feuerwehr den Digitalfunk bekommen. An Tassilo von Bary gewandt sagte Traß: „Herr Bürgermeister: Das wird noch eine teure Tasse Tee. Man hat sich offenbar verschätzt bei den Kosten, die der Digitalfunk mit sich bringt.“ Den Feuerwehren wünschte der 1. Polizeihauptkommissar„ schon jetzt viel Spaß bei der Ausbildung“ auf die neue Technik. Traß: „Die Geräte können viel mehr, als wir zurzeit nutzen können. Das liegt einfach daran, dass die Firma, die uns das als segensreiches Angebot geschickt hat, selbst immer wieder nachbessern muss, damit überhaupt etwas funktioniert.“

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erstellt am 20.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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