"Die Pilger sollen wissen, dass sie hier gern gesehen sind"

Ein auffälliger blauer Stein weist den Weg zur Klein Wesenberger Pilgerherberge im Gemeindehaus.
Ein auffälliger blauer Stein weist den Weg zur Klein Wesenberger Pilgerherberge im Gemeindehaus.

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17. August 2009, 05:59 Uhr

Klein Wesenberg | Pilgern auf dem Jakobsweg ist entbehrungsreich, führt auf unbefestigten Wegen auf Irrwegen zum Ziel , und die Unterkünfte sind oft, gelinde gesagt, grenzwertig. Diese Vorstellung haben die Leser von Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" gewonnen. Aber in der Gemeinde Klein Wesenberg bietet sich ein anderes Bild. Gerade erst hat die Gemeinde einen großen Findling aufgestellt, der an der Ortsgrenze die Pilger aus Richtung Lübeck Willkommen heißt und ihnen den richtigen Weg bis zur Kirche weist.

Die Idee dazu hatten Kirchenvorsteher Klaus-Rainer Martin und Pastor Erhard Graf auf einer gemeinsamen Pilgertour. "Das war exakt am 6. Juni", kann sich Martin genau erinnern. "Die Pilger sollen wissen, dass sie hier gerne gesehen sind". Pastor Graf stellte die Idee dann Klein Wesenbergs Bürgermeister Herbert David vor, der sie weiter ins Amt Nordstormarn trug. Dort wiederum wurden verschiedene Vorschläge für die Gestaltung eines Begrüßungsschildes erarbeitet. Das Ergebnis kann man nun, nur knapp zwei Monate nach dem ersten Einfall, knapp einen Kilometer hinter der Kirche begutachten. "Soweit wir wissen, ist es in ganz Deutschland der erste Stein dieser Art auf dem Jakobsweg", ist Sönke Hansen, Vorsteher des Amtes Nordstormarn, denn auch mächtig stolz.

Und nicht nur die Idee stammt aus Klein Wesenberg. Auch der Findling, auf dem das Schild angebracht ist, wurde auf einem Klein Wesenberger Feld gefunden. Bearbeitet wurde der rund sechs Zentner schwere Stein von Helmut Block und Hannes Donitzky - natürlich auch aus Klein Wesenberg. Am Abend vor der Einweihung von beiden im Lichte eines Notstromgenerators auf einem aus Zement gegossenen Sockel aufgestellt und vom Bürgermeister persönlich bis zur Enthüllung mit einem Tuch bedeckt.

Auch das Datum der Enthüllung war nicht zufällig gewählt. Denn am gleichen Tag wurden in Lübeck die neuen "Wege der Jakobspilger in Norddeutschland" vorgestellt - und Klein Wesenberg gehört als Teil der Via Baltica dazu. Und so kam es, dass Pilger aus Hamburg den Ort auf ihrem Weg nach Lübeck passierten und Teil der feierlichen Enthüllung des "Klein Wesenberger Begrüßungssteines" wurden.

Sollten sie auf ihrem Rückweg wieder durch den Ort kommen, so führt ihr Weg sie an einem großen blauen Stein mit einer gelben Jakobsmuschel vorbei. Dieser Stein wurde erst vor wenigen Tagen in mühseliger Handarbeit von Pastor Graf angemalt. Der Stein weist den Weg zur Klein Wesenberger Pilgerherberge, die sich im Obergeschoss des Gemeindehauses befindet. Erst seit dem 1. Juli gibt es die Herberge mit Platz für bis zu zwölf Pilger überhaupt. Fünf großzügige Zimmer laden zum Ausruhen und Erholen nach einem anstrengendem Marsch ein. "Wir wollen, dass sich die Leute hier wohlfühlen und neue Kraft schöpfen können", erläutert Klaus-Rainer Martin. Bereits drei Pilger haben die Übernachtungsmöglichkeit in Klein Wesenberg bereits genutzt. Ihnen werden bestimmt noch viele folgen.

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