Bargfeld-Stegen : Die Natur als Klassenzimmer

Feierten Jubiläum in Bargfeld-Stegen (von links): Bürgermeister Andreas Gerckens, Umweltpädagoge Johannes Plotzki, Schulleiterin Anja Bück, Klimaschutzmanagerin Isa Reher, Landrat Henning Görtz sowie Umweltpädagoge Thomas Lütkebohle.
Feierten Jubiläum in Bargfeld-Stegen (von links): Bürgermeister Andreas Gerckens, Umweltpädagoge Johannes Plotzki, Schulleiterin Anja Bück, Klimaschutzmanagerin Isa Reher, Landrat Henning Görtz sowie Umweltpädagoge Thomas Lütkebohle.

Zehn Jahre Draußenschule gefeiert: „Nur wer seine Umwelt kennt, der weiß, wie schützenswert sie ist.“

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18. September 2018, 06:30 Uhr

Vor zehn Jahren entstand an der Grundschule „Alte Alster“ in Bargfeld-Stegen ein einzigartiges Projekt, welches heute fester Bestandteil des Stundenplans geworden ist. In der so genannten Draußenschule wird die Natur zum Klassenzimmer. Mit regem Unterricht – und manchmal auch Unterricht im Regen.

„Mit Mut und beispielhafter Motivation wurde hier ein Leuchtturmprojekt auf den Weg gebracht, welches Pionierarbeit in der Umweltbildung leistet“, sagt Landrat Henning Görtz in seiner Rede zum feierlichen Festakt. „Schule und Unterricht außerhalb des Schulgebäudes sind nach wie vor nicht die Regel. Der positive Nebeneffekt ist, dass die Kinder hier lernen, ohne es zu merken.“

Und das ist eine Menge. Denn von der zweiten bis zur dritten Klasse treffen sich die Kinder der Grundschule einmal in der Woche für jeweils zwei Stunden im Schulwald. Unabhängig von der Jahreszeit, dem Wetter und den Temperaturen. Sie beobachten die Natur im Wechsel der Jahreszeiten und entdecken Phänomene wie die Entwicklung der Kastanienminiermotte – ein Kleinschmetterling, der für die Braunfärbung der Blätter zuständig ist.

Die Ausgestaltung ist im ganzen Bundesgebiet einzigartig. Statt einzelner Exkursionen, wie einem Ausflug in den Park, wird hier das ganze Dorf zum Beobachtungsgebiet. Die Kinder suchen sich mit Umweltpädagoge „Tommi Tauchkäfer“ einen Patenbaum aus, entdecken Tiere im Dorfteich und bauen Insektenhotels für „ihre“ Wildbienen. „Sie können ihre Erlebnisse direkt in ihre Lebenswelt einbeziehen und in den Alltag integrieren“, erläutert Umweltpädagoge Johannes Plotzki, der das Konzept entwickelt hat. „Die Kinder erfahren die Dinge, statt nur Fakten zu sammeln.“

200 Klassen mit über 4 000 Kindern haben im Kreis Stormarn sowie den Walddörfern in Hamburg bis jetzt an dem Projekt der Draußenschule teilgenommen. Sieben Umweltpädagogen betreuen die Schulen zurzeit. Möglich ist ihre Arbeit nur durch die finanzielle Unterstützung diverser Stiftungen und Verbände, da der Schulträger die Draußenschule bisher nicht fördert. Verbesserung versprach Andreas Gerckens, Bürgermeister von Bargfeld-Stegen sowie Vorsitzender des Schulverbandes Bargteheide-Land. Er kündigte Gespräche an, um die Draußenschule künftig nachhaltig zu unterstützen.

„Fragt man 100 Kinder nach fünf Baum- und fünf Automarken, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit nur letztere benennen können“, sagt Isa Reher, Klimaschutzbeauftragte des Kreises. Es ginge beim Klimaschutz eben nicht nur um Stromsparen, sondern darum, die Natur wertschätzen zu lernen. „Nur wer seine Umwelt kennt, der weiß, wie schützenswert sie ist“, so Reher. „Für alle anderen ist Natur lediglich ein Hintergrundrauschen.“

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